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Austauschprogramm für Behinderte
Bottrop - 2007 startete ein Jugendaustauschprogramm der EU, das für sechs Jahre 886 Mio. Euro für internationale Jugendaustauschprojekte zur Verfügung stellt. Mit Karol Farkas aus der Slowakei hat erstmals ein junger Mann mit geistigen und körperlichen Behinderungen an dem Austauschprojekt "Europäischer Freiwilligen Diest" teilgenommen und einen Platz in der Bottroper Rheinbabenwerkstatt (RBW) des Diakonischen Werkes Gladbeck-Bottrop-Dorsten gefunden.
"Das ist bislang einzigartig in Deutschland", freute sich Arnd Schreiner, Prokurist der RBW. Ein Fachkräfteaustausch zwischen Behinderteneinrichtungen, das sei zwischen den europäischen Staaten mittlerweile Alltag, so Schreiner. Aber dass die behinderten Menschen selbst die Arbeit in den Werkstätten der Nachbarländer kennen lernen, das sei mit dem sechswöchigen Aufenthalt von Karol Farkas erstmals in der RBW geschehen.
Und der 30-Jährige, der mittlerweile wieder in seine Heimat zurück gekehrt ist, war von seinem Aufenthalt in der RBW restlos begeistert. "Hier konnte er erfahren: er kann was, und er schafft was", berichtete Norbert Feldmann vom begleitenden Dienst, der das Projekt leitete. Üblicherweise nähmen Studenten an dem Austauschprogramm teil. Man habe einfach bisher nicht daran gedacht, dass ein Austausch auch mit geistig und körperlich Behinderten möglich sei, räumte Feldmann ein.
Mit ihrer stimmigen Projektidee und einem Berufs- und Fortbildungsplan für Karol Farkas überzeugte die RBW schließlich die EU-Beamten und kann jetzt sicher sein, in dem jungen Slowaken einen begeisterten Berichterstatter zu haben über das, was hier möglich ist und in seiner Heimat noch wachsen muss: Behinderte mit richtiger Arbeit zu beschäftigen, Tagesabläufe zu strukturieren. "Behindertenwerkstätten wie wir sie in Deutschland kennen, gibt es dort nicht", sagte Norbert Feldmann, es gebe nur Sozialhäuser aber keine richtigen Arbeitsmöglichkeiten für die behinderten Menschen.
"Karol war unglaublich begeistert von den beruflichen Möglichkeiten in der RBW. Er hat mit seinem engagierten Einsatz Mitarbeitende wie auch Beschäftigte mitgerissen. Seine persönliche Entwicklung in nur sechs Wochen beweist die immense Bedeutung von Werkstätten für Behinderte", so Feldmann. Durch keine andere Betreuungsmaßnahme würden Selbständigkeit und Selbstwertgefühl der Menschen mit Behinderungen besser gefördert als durch einen erfüllten Arbeitsalltag. Bu
Drewermann spricht zu Luther
Gladbeck - "Niemand konnte bei seiner Geburt ahnen, dass da ein Mensch zur Welt gekommen ist, der die Welt verändern wird." Unter dem Titel "Martin Luther - ein Rebell der Gnade" sprach Dr. Eugen Drewermann, einer der streitbarsten Theologen unserer Zeit, vor rund 300 Zuhörern im Martin Luther Forum Ruhr in Gladbeck.
In gut eineinhalb Stunden freier Rede ließ der brillante Rhetoriker und Kirchenkritiker das Leben und Wirken des großen Reformators Revue passieren. Sein Elternhaus, Jurastudium, dann seine Bekehrung während eines Gewitters zum Mönch und Priester, seine Zeit als Dozent und schließlich der Thesenanschlag und Luthers Herausforderung der römisch-katholischen Kirche.
Mit drastischen Worten schilderte Drewermann Luthers Ringen um Wahrheit und Erkenntnis, seine maßlosen Gewissensqualen unter den Blicken eines strafenden Gottes, seine Empörung über den Ablasshandel des Papstes, dessen angebliche Unfehlbarkeit, den Prunk und Protz im Vatikan. "Die einzige klare Wahrheit der Bibel vor Augen, wurde Luther zum Reformator, zu einem Propheten, der mit der eigenen Person und seiner Existenz für seine Überzeugungen eintrat."
Es stünde bei Gott was wahr sei, "das ist Reformation", erklärte der Theologe, dem seine Kirche Anfang der 90er Jahre die Lehrerlaubnis entzogen hatte. Luther habe sich als einzelner gegen alle gestellt: Gegen Päpste, Kaiser, Bischöfe, den Geldadel und das Militär. Überzeugend arbeitete Drewermann in seinem Vortrag prostestantische Grundprinzipien heraus: Gottes Wort ist in der Schrift und Gottes Gnade verändert die Welt. "Die Freiheit eines Christenmenschen und seine Zuversicht in die Gande Gottes - Mündigkeit und Menschlichkeit: damit begann ein neues Zeitalter, das unsrige", so Eugen Drewermann.
Von Luther und dem Schriftsteller Dostojewski schlug Drewermann einen Bogen zu Siegmund Freud und der Psychotherapie. Luther im Sinne der Psychologie zu interpretieren und zu verstehen, was in einem Menschen vor sich geht, so wie es der Therapeut mache, das ist für den Autor, Redner und Therapeuten Drewermann der richtige Weg. Bu
Ferienfreizeiten 2010
Gladbeck - Vom Heidhof in Kirchhellen über Werdum Altendeich bis nach Spanien spannt sich der Bogen der Freizeiten für Kinder und Jugendliche, die die Evangelische Jugend Gladbeck auch in diesem Jahr wieder anbietet.
Kinder von sechs bis elf Jahren sind in den Sommerferien wieder zur traditionellen Stadtranderholung auf dem Heidhof in Kirchhellen eingeladen. An Freizeiteinsteiger im Alter von acht bis elf Jahren richtet sich eine "Schnupperwoche" im Kurt-Gerstein-Haus vom 22. bis 29. Juli in Berchum.
Reif für die Insel? Jugendliche von 13 bis 15 Jahren können vom 1. bis 13. August schöne Tage auf der niederländischen Insel Texel erleben. Das Meer, die Dünen und der endlose Sandstrand machen diese Ferien zu einem unvergesslichen Erlebnis. Das sympatische Dorf Werdum Altendeich/Nordsee hoch im Norden ist Ziel einer Ferienfreizeit für Kinder von acht bis elf Jahren in der ersten Hälfte der Sommerferien vom 17. bis 27. Juli.
Wie in jedem Jahr bietet die Evangelische Jugend Gladbeck in den großen Ferien zwei Freizeiten für Jugendliche ab 14 Jahren auf der Insel Pag in Kroatien an. Standort ist die Inselhauptstadt Novalja mit ihrem schönen Badestrand. Das ehemlige Fischerdorf Calpe zwischen Valencis und Alicante ist Ziel einer Freizeit für Jugendliche ab 14 Jahren vom 5. bis 18. August. Neben Ausflügen in die Umgebung stehen relaxen am Strand, Spieleabende und Discobesuche auf dem Programm. Abgerundet wird das Angebot mit einer Freizeit für Jugendliche von 12 bis 18 Jahren vom 23. Juli bis 8. August in Rimforsa/Schweden. Der See Glan direkt vor der Unterkunft lädt zum Baden und Kanu fahren ein.
"Mit unserem Angebot möchten wir uns ganz bewusst von den kommerziellen Reiseveranstaltern abgrenzen", sagt Henning Puch von der Evangelischen Jugend Gladbeck. Bei den Freizeiten stünden das gemeinsame Urlaubserleben und das Gespräch im Mittelpunkt ohne dabei den Spaß und Freizeitcharakter aus den Augen zu verlieren. Weitere Infos und Anmeldungen im Jugendbüro im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Postallee 12 in Gladbeck, Tel. 02043/25396. Bu
Church on Wheels
Kirchenkreis - Harleyluja! Unter dem Titel "Church on Wheels" (Kirche auf Rädern) lädt die Evangelische Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten auch in diesem Jahr wieder zu einer Reihe von Motorradtouren und mehr ein.
Auf dem Programm für 2010 stehen neben Tages- und Wochenendfahrten auch ein Sicherheitstraining sowie eine große Tour im Herbst. Den Auftakt macht am 13. Mai (Himmelfahrtstag) eine Fahrt durch das schöne Siegerland, wo die Biker altes Handwerk neu entdecken können. Eine Ruhrgebiets-Entdecker-Tour steht am 25. September auf dem Programm. Die Spritztour ins Ruhrtal führt zu Schauplätzen alter und neuer Industrien.
In den Odenwald und auf die Spuren der Römer führt eine Wochenendtour vom 12. bis 13. Juni. Tipps und Tricks von Experten für sicheres Gruppenfahren, Bremsen und Abstand halten erhalten die Teilnehmer eines Sicherheitstrainings am 5. Juni. Abgerundet wird das Programm mit einer großen Motorrad-Studienreise vom 5. bis 11. September durch den Pfälzer Wald und das Elsass. Überwiegend auf Landstraßen unterwegs fahren die Eisenritter durch landschaftlich reizvolle Gegenden und erfahren nebenbei einiges an Geschichte, Kultur und Politik der Regionen.
Vorraussetzungen für die Teilnahme an "Church on Wheels": Mindestalter 18 Jahre, straßentaugliches und technisch intaktes Motorrad, Interesse und Beteiligung am Programm. Weitere Infos und Anmeldung bei Axel Lippek, Haus der Evangelischen Kirche, Humboldtstraße 13 in Gladbeck, Tel. 02043/279359. Bu
1-Euro-Jobs ethisch nicht vertretbar
Dorsten - Zahlreiche Städte an Rhein und Ruhr drohen in der Schuldenfalle zu ersticken. Sollte sich die Einnahmeseite in absehbarer Zeit nicht verbessern, droht auch Dorsten die Pleite. Mit Blick auf dieses Szenario zitiert Pfarrer Dr. Hans-Udo Schneider die Jahreslosung der Evangelischen Kirche:"Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!" aus dem Johannesevangelium
Denn, so der Vorsitzende des Verbandes Evangelischer Kirchengemeinden Dorsten und dessen Geschäftsführerin Monika Engfer: Angesichts leerer Kassen drohen auch bei der kirchlichen Arbeit Einschnitte. Ein Lichtblick sei das kreiskirchliche Projekt Little Piano School, an dem in Dorstener Kindergärten 109 Kinder teilnehmen. Eltern und Kinder seien begeistert, betont Schneider. Sogar der WDR werde in der KITA Arche am 23. Februar einen Radiobeitrag dazu erstellen.
120 Mitarbeitende sind derzeit beim Gemeindeverband in Lohn und Brot. "Alles Vollzeit- oder Teilzeitstellen. Keine 1-Euro-Jobs, das halten wir für ethisch nicht vertretbar", versichert Schneider. Bislang sei es gelungen, nicht zuletzt mit Hilfe von Drittmitteln, die Mitarbeitenden zu halten. Das will man auch in diesem Jahr, "aber das wird schwer."
Sorgen bereitet dem Gemeindeverband vor allem das Flüchtlingsreferat, das die Stadt mit 65.000 Euro jährlich fördert. Bei der Stadt denke man zurzeit über strukturelle Änderungen nach. "Diese würden die Arbeit in Frage stellen", befürchtet Schneider. Eine weitere Baustelle sei die finanzielle Ausstattung der kirchlichen Familienzentren, in die auf Dauer alle KITAs umgewandelt werden sollen. "Die Zentren erhalten pauschal 12.000 pro Jahr. Das reicht kaum aus, die Honorarkräfte für zusätzliche Angebote für Eltern zu finanzieren", rechnet Monika Engfer vor.
Am Geld hängt auch der weitere Ausbau der Förderung von Kindern unter drei Jahren in den KITAs. "Der Bedarf der Eltern in diesem Bereich wurde völlig unterschätzt und ist viel höher als erwartet", weiß die Verbandsgeschäftsführerin. 34 Kinder unter drei Jahren stünden auf der Warteliste. Darüber hinaus kommt das Land mit der Finanzierung von Umbaumaßnahmen nicht nach. Bereits 2008 habe man 200.000 Euro für den Ausbau der U3 Plätze in der KITA an der Windmühle beantragt. "Der Antrag liegt seitdem auf Eis", bedauert Pfarrer Schneider.
Auch im Bereich der Offenen Ganztagsschulen (OGS) fehlt das Geld. "Wir sind Träger von fünf OGS, die finanzielle Ausstattung wurde seit fünf Jahren nicht mehr erhöht", sagt Monika Engfer. In den kirchlichen OGS werde dennoch kein Kind vom gemeinsamen Mittagessen ausgeschlossen. Bu
Talk am Turm mit Hannelore Kraft
Gladbeck - Zu frühe Auswahl der Schulkinder nach der 4. Klasse, zu viele Sitzenbleiber, zu große Klassen, zu wenig Lehrer, zu viele Schüler ohne Abschluss und ohne Chance auf eine Ausbildung. ein gegliedertes Schulsystem: Philipp Melanchton hätte den Kopf geschüttelt über die Bildungsmisere an deutschen Schulen.
Den 450. Todestag des Praeceptor Germaniae (Lehrer Deutschlands) nahm das Martin Luther Forum Ruhr in Gladbeck zum Anlass, um den Bildungsauftrag der Evangelischen Kirche näher zu beleuchten. Im ersten "Talk am Turm" in der ehemaligen Markuskirche diskutierten Hannelore Kraft, Chefin der SPD-NRW, Prof. Dr. Hans-Martin Lübking, Pädagogisches Institut der Evangelischen Kirche von Westfalen und der ehemalige Schulleiter Manfred Schwetasch.
Die Schattenseiten des deutschen Bildungssystems, sie waren sowohl den Besuchern des Talks als auch den Diskussionsteilnehmern geläuftig. Gut ist das alles nicht, so ihre einhellige Meinung. Die Frage einer Schülerin, warum es so lange dauere, bis sich etwas daran ändert, hätte wohl auch Melanchton gestellt. Dazu Hannelore Kraft: "Wir, also die SPD, haben das Trauma der Niederlage beim Versuch, Kooperationsschulen zu gründen, lange nicht verarbeitet. Es fehlte uns der Mut." Heute brauche man umso mehr Mut, denn "kleine Schritte bringen uns nicht weiter". Gemeinschaftsgrundschulen für alle Kinder, in denen sie nach ihren Fähigkeiten in unterschiedlichen Klassen lernen können, dies wäre für ihre Partei ein großer Schritt.
Professor Lübking plädierte für flächendeckende Ganztagsschulen und erteile dem dreigliedrigen Scxhulsystem eine klare Absage: "Wir sind schon 1965/66 für Ganztagsschulen eingetreten." Mit dem vorherrschenden Schulsystem, das nach Fähigkeiten trenne, habe man lernungünstige, homogene Gruppen, sagte Lübking mit Verweis auf die Hirnforschung. Schule, so Lübking, sei auch ein Lernort für soziales Lernen. "Ein gegliedertes Schulsystem zementiert die Spaltung der Gesellschaft, heute mehr denn je."
Mit Hannelore Kraft war zum dritten Mal binnen weniger Monate eine Landespolitikerin zu Gast im Martin Luther Forum Ruhr. Den Auftakte hatte bei der Eröffnung im Herbst letzten Jahres Landtagspräsidentin Regina van Dinther gemacht, gefolgt von Integrationsminister Armin Laschet, der zum Neujahrsempfang des Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten sprach. Bu
Gemeinde gründet Stiftung
Dorsten - Die Ehrung verdienter ehrenamtlicher Mitarbeiter sowie die Vorstellung der Stiftung Martin Luther Kirche standen im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs der Kirchengemeinde Holsterhausen an der Lippe in Dorsten.
Zuvor warf Pfarrer Dr. Andreas Deppermann einen Blick auf das abgelaufene Jahr und erinnerte u.a. an die kreiskirchliche Visitation der Gemeinde zum Jahresbeginn 2009. Deppermann stellte den Visitationsbericht für Februar in Aussicht und zitierte dazu Superintendent Detlef Mucks-Büker: "Das größte Problem in Holsterhausen ist, dass es kein Problem gibt."
Auf Vorschläge aus der Gemeinde hatte das Presbyterium beschlossen, zwei Gruppen und eine ehrenamtliche Mitarbeiterin für ihre Verdienste um die Gemeindearbeit auszuzeichnen. Dazu zählte der Ballyclare-Kreis, der sich um die Partnerschaft mit Nordirland verdient macht, das Blaue Kreuz als "wichtiger Baustein der Gemeinde" sowie Christel Boden, die sich seit vielen Jahren für den Weltgebetstag der Frauen engagiert und wichtige Arbeit für die Ökumene in Dorsten leistet.
Unter dem Motto "Sinnvoll dauerhaft Gutes tun" habe die Gemeinde die Stiftung Martin Luther Kirche ins Leben gerufen als ihr überraschend eine Erbschaft über 80.000 Euro zufiel, informierte Stiftungsratsvorsitzender Rainer Boden im Rahmen des Neujahrsempfangs. Mit der Stiftung, so Boden, wolle man langfristig die Gemeindearbeit sichern und lebendiges Gemeindeleben aufrecht erhalten. Neben Boden sind im Stiftungsrat vertreten Pfarrer Andreas Deppermann, Heike Fleckenstein, Susanne Kogelboom und Stefan Schmitz.
Das Vermögen der Stiftung bleibe dauerhaft erhalten, versicherte Pfarrer Deppermann, die Stiftungsarbeit werde aus den Zinserträgen finanziert. "Wir hoffen auf weitere Zustiftungen und Spenden", sagte der Dorstener Seelsorger, aber auch Veranstaltungserlöse könnten die Erträge ergänzen. Auch christlich-kulturelle Angebote, der missionarische Gemeindeaufbau, diakonische Maßnahmen und der Erhald von Gebäuden stünden im Förderkatalog.
Um weiteres Geld in die Stiftungskasse zu spülen, soll am 21. Juni ein großes Sommerkonzert mit Speisen- und Getränkeständen stattfinden, kündigte Susanne Kogelboom an. Mit dabei seien neben den Martin Luther Lerchen und dem Jugendchor der Gemeinde auch junge Dorstener Instrumentalsolisten. Das Stiftungsratmitglied versprach ein "buntes Kaleidoskop" künstlerischer Darbietungen.
Der Erlös solle dann einer weiteren Idee zufließen, der die Stiftung unter die Arme greifen will: Ein Musical von Jugendlichen für Jugendliche. 2011 soll es soweit sein, versicherten Heike Fleckenstein und Jörg Remmers. Im Mittelpunkt des Musical solle die Ökumene stehen. Neben christlichen möchten die Initiatoren auch muslimische und jüdische Einflüsse abbilden. Weitere Infos zur Stiftung auch unter http://www.maluki-stiftung.de Bu
Kultur- und Dialogreise in die Türkei
Kirchenkreis - Die Kulturhauptstadt Istanbul und Gladbecks Partnerstadt Alanya sind Ziele einer Kultur- und Dialogreise, zu der Axel Lippek von der Evangelischen Erwachsenenbildung des Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten und Müzeyyen Dreessen von der Christlich-Islamischen Gesellschaft vom 11. bis 21. Oktober 2010 einladen.
Von Istanbul aus führt die Reise zu den religiös und kulturell bedeutsamen historischen Stätten wie Nicäa, Bursa, den Dardanellen, das antike Troja und Pergamon nach Izmir, Selcuk, Ephesos, Pamukkale, Hierapolis, Aphrodisias, Antalya und Side bis hin nach Alanya an der türkischen Riviera.
In Istanbul haben die Teilnehmenden die Gelegenheit, neben den kulturellen Schätzen der Millionenstadt auch einen Einblick in das Kulturhauptstadtprogramm der Metropole am Bosporus zu herhalten. Zu der Dialogreise gehört auch immer das Gespräch mit den religiösen Minderheiten. In Istanbulk wrden die Reisenden mit dem Pfarrer der Deutschen Evangelischen Gemeinde zusammentreffen und von ihm einen Einblick in das religiöse Leben in der Stadt und darüber hinaus zu bekommen. Die Brücke zwischen Istanbul und Alanya wurd zum Ende der Reise bei einem Gespräch mit dem Bürgermeister vollendet.
Die reiserechtliche Organisation und Durchführung liegt in den Händen eines erfahrenen Reiseveranstalters von Alanya. Anmeldungen und weitere ausführliche Informationen bei Axel Lippek, Tel. 02043/279359 und Müzeyyen Dreessen, Tel. 02043/52401. Bu
Rotzfrech...ich weiß nicht mehr weiter
Dorsten - Wenn Erzieher und Lehrer nicht mehr weiter wissen, erweist sich das neue Buch von Keith Matschulla und Susanne Wegner-Tieben als äußerst hilfreich. Mit "Rotzfrech...ich weiß nicht mehr weiter" ist das knapp 150 Seiten starke Handbuch "zum Umgang mit tyrannischen und schwierigen Kindern und Jugendlichen" überschrieben.
Matschulla, Leiter des Evangelischen Jugendhauses Rottmannshof in Wulfen-Barkenberg, blickt als Deeskalationstrainer bereits auf siebenjährige Erfahrung zurück, wie man bei Minderjährigen Konflike auch ohne Gewalt lösen kann. Seit drei Jahren bildet der 41-Jährige selbst Trainer aus, gemeinsam mit seiner Kollegon Wegner-Tieben.
Die praktische Erfahrung, die man dabei gemeinsam gesammelt habe, wollten die beiden aufschreiben. "Als wir im Herbst 2008 mit dem Schreiben des Buches begonnen haben, war uns beiden nicht klar, wie viel Zeit ein soches Projekt verlangt", erinnern sich rückblickend die Autoren. Ein Jahr dauert die Ausbildung zum Deeskalationstrainer und kostet rund 1.000 Euro. "Das macht nicht jeder nebenbei", sagt Matschulla, der das Handbuch vor allem als Hilfe für Pädagogen, weniger für Eltern versteht. Gleichwohl sei darin auch ein Eltern-Kind-Konflikttraining enthalten.
Neben Hintergrundinformatoinen bietet das Buch vor allem praktische, ausgearbeitete Entwürfe zweitägiger Trainings wie man Kinder und Jugendliche zu gewaltfreiem Umgang erziehen kann. Darüber hinaus sind sogar Kopiervorlagen enthalten, in denen komplette Ablauf- und Zeitpläne aufgelistet sind.
Wo liegen die Ursachen dafür, dass die Arbeit mit so genannten "Problemkindern" zunimmt? "Die Antwort darauf wissen wir nicht", räumen die Autoren ein. Was sie in ihrer täglichen Arbeit jedoch erfahren und erlebt haben, ist, dass die Kinder von heute in einer Gesellschaft leben, in der Medien das Klettern auf Bäume ersetzt haben. "In der Erwachsene nicht mehr Erwachsene, sondern "Kunpel" sind, in der Jugendhäuser geschlossen werden, wie sie finanziell für Stadt, Land und Bund kurzfristig unrentabel sind", bedauert Matschulla.
Das Handbuch ist zum Preis von 6 Euro im Rahmen der Schriftenreihe der Gewalt Akademie Villigst im Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen erschienen. In einer ersten Auflage wurden 3.000 Exemplare gedruckt. Erhältlich ist das Buch im Buchhandel und bei der Gewaltakademie http://www.gewaltakademie.de Bu
Euer Herz erschrecke nicht!
Kirchenkreis - Mit seinem Neujahrsgruß zu 2010 wünscht Superintendent Detlef Mucks-Büker allen Besuchern dieser homepage ein gesundes und gesegnetes neues Jahr. Er schreibt:
"Euer Herz erschrecke nicht!" - Mit diesem Jesuswort gehen die Christen in das neue Jahr 2010. Aber wie soll das gehen? Wo doch verschiedenste Schreckensszenarien seit Wochen die öffentlichen Themen beherrschen: Jobabbau, steigende Arbeitslosenzahlen, horrende Neuverschuldung, gescheiterter Klimagipfel, noch mehr Tote in Afghanistan. Keine guten Nachrichten für 2010.
Mitten in diese düsteren Zeitansagen hinein spricht Jesus ein ermutigendes Wort: "Erschreckt nicht. Habt keine Angst." Aber ist das nicht leichter gesagt als getan? Lässt sich Angst einfach abstellen? Als vor fünf Jahren die Tsunamikatastrophe über Tausende von Menschen hereinbrach, haben viele der Überlebenden wirklich Todesangst ausstehen müssen. Da war mehr als nur das Herz, das vor Schrecken in die Hose gerutscht war. Wenn deutsche Soldaten in Afghanistan auf Patroille gehen, dann fährt die Angst mit. Eltern, Ehepartner und Kinder - auch sie haben Angst um ihre Lieben, wenn sie einer gefährlichen Aufgabe nachgehen: Im Straßenverkehr oder im Umgang mit großen Maschinen.
Zum Jahreswechsel richten sich unsere Gedanken auf die Zukunft. Es ist ungewiss, was das neue Jahr bringen wird. Davor haben viele Angst. Unserer Angst widerspricht Jesus. Nicht sollen wir die Augen verschließen vor den konkreten Bedrohungen, die uns Angst einjagen. Auch sollen wir uns die Welt nicht schön reden. Es ist wie es ist. Aber Jesus bietet uns eine andere Sichtweise an: "Glaubt an Gott. Und glaubt an micht." Das meint nicht: Wird schon alles nicht so schlimm. Oder: Bisher ist ja auch immer alles gut gegangen. Die Ermutigung in den Worten Jesu liegt in seiner Zusage, dass Gott mitgeht. Egal, was kommt.
Mit dieser Zusage im Gepäck können wir uns von unserer Angst ab- und Gott zuwenden. Uns wird eine andere, eine neue Perspektive geschenkt. Dietrich Bonhoeffer hat dies in lebensbedrohlicher Lage erfahren. Als Nazi-Häftling hat er im Gefängnis jene berühmten Verse gedichtet: "Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag."
In vielen Silvester- und Neujahrsgottesdiensten erklingen diese Zeilen als hoffnungsvolles Lied. Sie wollen die Angst in Zuversicht verwandeln. In Mut, mit dem wir den Herausforderungen und Bedrohungen nüchtern ins Auge sehen. "Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich." Für mich ist die Jahreslosung ein schützender Schirm über das Jahr 2010. Ich muss nicht allein in die Zukunft gehen. Gott geht mit. Und viele andere gehen mit mir. Das macht Mut und lässt hoffen. Den wünsche ich den Menschen in unserem Kirchenkreis, wenn sie in das neue Jahr 2010 gehen."
Superintendent Detlef Mucks-Büker, Evangelischer Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten.
Typisches aus dem Schwabenland
Dorsten - Wenn in der Küche des Gemeindezentrums Wulfen-Barkenberg die Messer gewetzt werden und der Duft von Gebratenem und Gesottenem durch die Räume zieht, dann kann dies nur eines bedeuten: Die Kochgruppe des Männerkreises in der Gemeinde Hervest-Wulfen schwingt wieder einmal die Kochlöffel.
Seit nunmehr zwölf Jahren verwöhnen die 14 Hobbyköche zum Jahresabschluss den Rest des Männerkreises und alle Ehefrauen mit einem mehrgängigen Menü, seit drei Jahren stehen Spezialitäten aus deutschen Landen auf der Speisekarte. Nach Westfalen und der Pfalz gab es diesmal Leckeres aus Schwaben auf die Gabel.
Regie am Herd führte Heinz Sawitzki, der seine messerschwingenden Kollegen in die Geheimnisse der schwäbischen Küche einführte. So zum Beispiel in die Zubereitung von Filderkraut auf Jägerart. "Den Spitzkohl aus der Gegend südlich von Suttgart haben wir extra einfliegen lassen", verriet Sawitzki. Nicht nur die Gemüsebeilage, sondern auch der Rest des Vier-Gänge Menüs war von typisch schwäbischer Art: Zum Auftakt wärmte eine Flädlesuppe die Gäste, gefolgt vom Schwabentopf mit Eierspätzle und dem bereits erwähnten Filderkraut. Süße Akzente zum Dessert setzten Apfelküchle.
Seit 10 Uhr morgens war die Kochgruppe im Einsatz, galt es doch, mehr als 50 Personen zu bewirten. Dass der Männerkreis zum Jahresende zur Tafel bittet, hat Tradition. Vor 14 Jahren begann man mit diesem Brauch in der Lehrküche der Evangelischen Familienbildungsstätte Paul-Gerhardt-Haus, damals noch unter weiblicher Anleitung. Seit sieben Jahren zaubert die Gruppe in der Küche des Barkenberger Gemeindezentrums und probiert in jedem Jahr andere Gerichte.
So kochten die Mitglieder bereits zum Thema EU-Erweiterung die klassische Küche der neuen Mitgliedsstaaten wie Polen, Tschechien oder Malta. Oder sie ließen sich vom Besuch des Dortmunder Bibelmuseums inspirieren. Da habe man ausschließlich Gerichte gekocht, die in der Bibel beschrieben werden. "Zu Gast bei Mose" lautete das Motto an jenem Abend. Bu
Zuwanderung als Chance nutzen
Gladbeck - Am 7. Juni 2010 wird die neue EKD-Ratsvorsitzende Landesbischöfin Margot Käßmann nach Gladbeck kommen. Mit dieser Ankündigung überraschte Superintendent Detlef Mucks-Büker die rund 300 Gäste beim Neujahrsempfang des Evangelischen Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten im Martin Luther Forum Ruhr. Käßmann habe ihre definitive Zusage gegen, an einem Empfang es Forums teilzunehmen.
Vor den Vertretern aus Politik und Kirche, Wirtschaft und Gewerkschaften, Kultur, des Ausländerbeirates der Stadt Gladbeck und der Flüchtlingsorganisationen mahnte Mucks-Büker eine "tragfährige Lösung" an für Flüchtlinge, die sich mit unsicherem Aufenthaltsstatus in Deutschland und auch in den Städten des Kirchenkreises aufhalten. Er erinnerte an einen Beschluss der Synode der Evangelischen Kirche von Westfalen, die sich für ein Umdenken im Bleiberecht und für die Abschaffung von Kettenduldungen ausgesprochen hatte. "Die Menschen an sich und nicht ihr Einkommen müssen dabei im Mittelpunkt stehen."
Die Städte in der Emscher-Lippe-Region befänden sich gegenwärtig "im finanziellen Würgegriff der kommunalen Schuldenfalle", gab der leitende Geistliche des Kirchenkreises zu bedenken. Für die gefährdeten und überschuldeten Gemeinden forderte Mucks-Büker ein neues, die Kommunen entlastendes Gemeindefinanzierungsgesetz. Die 22 SuperintendentInnen der Ruhrgebietskirchenkreise würden auf die Stadtspitzen und Landräte der Ruhrregion zugehen und im März 2010 zu diesem Thema einladen. "Gemeinsam wollen wir versuchen, die maßgeblichen politischen Kräfte dazu zu bringen, ihre Verantwortung für das ganze Land NRW wahrzunehmen. Auch für die Menschen im Ruhrgebiet."
Den vollständigen Text des Grußwortes können Sie über den Link oben rechts herunterladen.
Mit dem neuen Martin Luther Forum Ruhr sei die frühere Markuskirche als Sitz des Forums ein Symbol des Selbstbewusstseins und der Sichtbarkeit der Evangelischen Christen im Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten geworden, sagte in seinem Vortrag Gastredner Minister Armin Laschet vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW. "Damit zeigen Sie: Christen wollen keinen Rückzug aus der Gesellschaft, sondern wir haben Anteil an der gesellschaftlichen Gegenwart und wollen auch die Zukunft mitgestalten." Eine Volksabstimmung wie man sie gerade in der Schweiz erlebt habe, dürfe es in Deutschland niemals geben. "Unser Grundgesetz schützt die freie Religionsausübung ohne Unterschied. Und zur freien Religionsausübung gehört auch das Recht, die dazu erforderlichen Gebäude nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten." Dies müsse aber für Moscheen, Synagogen und Kirchen in gleicher Weise gelten, erklärte Laschet.
Mit Blick auf die Zuwanderungsgeschichte des Ruhrgebietes stellte der Minister die Frage nach einer durchlässigen, mobilen und dynamischen Gesellschaft. Auch heute noch sei der Werdegang junger Menschen bei aller eigenen Leistung noch immer sehr von Zufällen abhängig. "Bildung und sozialer Aufstieg sind leider keineswegs für jedermann in gleicher Weise möglich." Dies werde besonders deutlich bei Menschen mit Zuwanderungsgeschichte.
Auch die dritte Generation der Zuwanderer habe nicht den Anschluss an Bildung, Karriere und Aufstieg gefunden. "Aber gerade der Erfolg dieser Menschen muss zur Regel werden, wenn Deutschland die Herausforderungen der Zukunft bestehen will", mahnte Laschet. Die Kinder und jungen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte müssten angesichts der demografischen Entwicklung die Gesellschaft künftig tragen. "Unsere Aufgabe ist es, ihnen zu besten Chancen zu verhelfen, jedes Talent zu fördern und alle Potenziale zu aktivieren."
Vor diesem Hintergrund forderte Laschet gerade für Kinder mit Zuwanderungsgeschichte sehr früh Sprachförderung und verwies auf die in NRW verpflichtenden Sprachtests als vorgezogene Schuleingangsuntersuchung. Ergänzend dazu könne er sich eine ganze Palette von Initiativen und Projekten vorstellen als Beitrag zu einer Aufstiegspolitik. Dazu zählte der Minister das Engagement von Bildungspaten, von Elternnetzwerken und Mentoren. Auch ein analog zum Bausparen angelegtes "Bildungssparen" oder das neue Stipendienprogramm der Bundesregierung könnten als weitere Maßnahmen die Aufstiegschancen von Kindern und Jugendlichen fördern. "Wenn es uns gelingt, den Menschen mit Zuwanderungsgeschichte die gleichen Chancen auf Bildung und soziale Teilhabe zu eröffnen, wie sie Nicht-Zugewanderte haben, dann wird uns auch die "dritte deutsche Einheit" gelingen", zeigte sich Laschet überzeugt. Bu
Kettenduldungen abschaffen
Gladbeck - Nicht nur aus Gladbeck, sondern aus ganz Deutschland wird der neue Bundesminister des Inneren, Thomas de Maizière, in den nächsten Wochen Post bekommen. Anlass ist eine bundesweite Postkartenaktion der Diakonie und Caritas, an der sich auch der Flüchtlingsarbeitskreis der Christuskirche beteiligt. Ziel der Kartenaktion ist es, Flüchtlingen ein dauerhaftes und humamitäres Bleiberecht einzuräumen.
Die seit August 2007 geltende Altfallregelung für Flüchtlinge läuft Ende des Jahres aus. "Wir befürchten, dass mit dem Auslaufen der Regelung auch diejenigen Menschen, die es geschafft haben, eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, damit wieder in den Status der Duldung zurückfallen", schildert Pfarrerin Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup die Situation.
Schon seit langem habe man die strengen Anforderungen hinterfragt, an die eine auch nur vorlläufige Aufenthaltserlaubnis geknüpft sind. Unter anderem ist dies eine gute Integrationsprognose. "Darüber hinaus dürfen Flüchtlinge nicht straffällig werden und müssen ein Einkommen weit über dem Hartz IV-Sätzen nachweisen" erklärt die Gladbecker Seelsorgerin. Wie sollen Flüchtlinge in der Zeit der Wirtschaftskrise eine Chance bekommen, diesen Nachweis zu erbringen, fragen auch die übrigen Mitglieder des Arbeitskreises, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagieren.
Wie schnell Flüchtlinge mit dem Gesetz in Konflikt kommen können, zeige ein Beispiel: "Jemand, der in Gladbeck geduldet ist, darf ohne Erlaubnis nicht mal nach Essen fahren, um einen Krankenbesuch zu machen. Denn dann verlässt er den Regierungsbezirk Münster. Macht er so etwas mehrmals, kann er abgeschoben werden und mit ihm die ganze Familie." Sippenhaft nennt das der Arbeitskreis.
Von den 100.000 in Deutschland lebenden geduldeten Menschen haben nach zwei Jahren nur 30.000 eine Aufenthaltserlaubnis auf Probe erhalten. "Von 180 Menschen in Gladbeck haben 150 die Voraussetzungen nicht erfüllt", rechnet Pfarrerin Hildebrandt-Junge-Wentrup vor. "Sie leben in quälender Ungewissheit, immer die drohende Abschiebung im Nacken." Und dies, obwohl viele seit langen Jahren in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt hätten.
"Mit den Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und Flüchtlingsorganisationen fordern wir deshalb ein Umdenken im Bleiberecht und die Abschaffung der Kettenduldungen, die den unsicheren Aufenthalt von Flüchtlingen immer wieder fortschreiben", erklären die Mitglieder des Arbeitskreises. "Mit der Synode der westfälischen Landeskirche sagen wir: Das Aufenthaltsrecht eines Menschen kann sich nicht allein aus volkswirtschaftlichen Nützlichkeitserwägungen ergeben."
Unverschuldete Arbeitslosigkeit dürfe nicht zu Lasten der Flüchtlinge gehen und es müsse eine Sozialklausel geben für Menschen, die krank, alt oder behindert sind. "Darüber hinaus fordern wir, dass Eltern nicht von ihren Kindern getrennt werden dürfen", fasst der Arbeitskreis zusammen und zitiert Präses Alfred Buß: "Wir müssen endlich den Menschen sagen: Bleibt und lebt gemeinsam mit uns in diesem Land."
Die Postkarten liegen u.a. im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, in den Evangelischen Kirchen und im Haus der Evangelischen Kirche aus. Sie sind auch beim Flüchtlingsarbeitskreis erhältlich. Bu
Demokratische Erinnerungskultur
Bottrop - "Lebensunwert - zerstörte Leben" - unter diesem Titel präsentiert der Arbeitskreis Bottroper Opfer der Euthanasie eine bundesweite Wanderausstellung zur Euthanasie und Zwangssterilisation in der Martinskirche.
Die Ausstellung im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Gegen das Vergessen" zeigt noch bis zum 27. November jeweils von 9 bis 18 Uhr eindrucksvoll, wie die staatlich organisierte Tötung von kranken, behinderten oder sozial auffälligen Menschen durch das NS-Regime ideologisch und strukturell vorbereitet und grausam umgesetzt wurde. Tafeln mit biografischen Daten von Euthanasieopfern lassen die Besucher erahnen, welche menschlichen Tragödien sich abgespielt haben müssen.
Daneben zeigt die Ausstellung zusätzlich vom Arbeitskreis erarbeitete Tafeln mit Bottroper Bezug. Sie zeigen das erschütternde Schicksal von Bottroper Bügerinnen mit Fotos, Briefen und ihren Stationen in den Tod.
"Mit den Bottroper Tafeln wollen wir dem Schicksal der Bottroper Opfer ein Gesicht und Geschichte geben", erklärt Friedrich Maschmeyer vom Arbeitskreis. Johannes Schildmann wünscht sich vor allem junge Besucher in der Ausstellung. Der Diakoniepfarrer zeigt sich davon überzeugt, dass sich Jugendlichen selten ein so eingängiger Weg eröffnet, mehr über das Schicksal von NS-Opfern wie psychsisch Kranken und Behinderten zu erfahren.
"Die Bottroper Veranstaltungen gegen das namenlose Vergessen zeigen das Engagement der Stadt für eine demokratische Erinnerungskultur. Sie nennt die Opfer des NS-Regimes beim Namen und sieht sie als Teil der eigenen Stadtgeschichte und Gesellschaft", sagte zuvor bei der Ausstellungseröffnung Prof. Bernd Walter, Leiter des LWL-Institutes für westfälische Regionalgeschichte.
"Bis heute ist die Euthanasie ein gesellschaftlich verdrängter Teil der Nazigewaltherrschaft", so Diakonie-Vorstand Johannes Schildmann. Die Ausstellung habe, vor allem durch die Bottroper Bezühge, die Geschichte anschaulich und lebendig gemacht. Bu







