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Armut sichtbar machen
Dorsten - Mit der Wanderausstellung "Kunst trotzt Armut" der Evangelischen Obdachlosenhilfe e.V. beteiligen sich der Evangelische Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten und die Kirchengemeinde Hervest-Wulfen an der Local Heroe Woche zum Kulturhauptstadtjehr RUHR.2010 in Dorsten.
Die Ausstellung wird von der Frauenreferentin und Kulturbeauftragten des Kirchenkreises, Petra Masuch-Thies, organisiert und ist vom 5. bis 26. September im Gemeindezentrum Wulfen-Barkenberg, Telaue 63, zu sehen. "Kunst trotzt Armut" wird am Sonntag, 5. September um 9.30 Uhr mit einem Festgottesdienst durch den Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß, und von Superintendent Detlef Mucks-Büker eröffnet. Buß übernimmt auch die Schirmherrschaft der Ausstellung. Anschließend wird zu einer Vernissage mit dem Kurator der Ausstellung, Andreas Pitz, gebeten.
In der Wanderausstellung werden über 100 Kunstwerke zeitgenössischer Künstler gezeigt. Neben renommierten Künstlerpersönlichkeiten wie Felix Droese, Katharina Frisch, Jörg Immendorf und Sigmar Polke sind auch Betroffene mit eigenen Kunstwerken vertreten.
Ziel der Ausstellung sei es, über das Thema Odbachlosigkeit hinaus eine Auseinandersetzung mit dem Thema Armut zu ermöglichen, Armut sichtbar zu machen, in ihren unterschiedlichen Facetten zu thematisieren und ein konkretes Aktionsprogramm zu entwickeln, erklärt Petra Masuch-Thies. Da Armut nicht nur ein Thema von Erwachsenen ist, wird unter dem Motto "Armut ein Gesicht geben" ein Kinder- und Jugendwettbewerb ausgelobt.
Daneben befasst sich ein umfangreiches Rahmenprogramm mit den Themen "Kinderarmut in Dorsten und in Deutschland", "Frauenarmut" sowie der "Umgang der Kirche mit Armut". Den Auftakt macht am 6. September die "Zeit"-Journalistin Ulrike Meyer-Timpe mit einem Vortrag zum Thema "Kinderarmut in Deutschland". Am 7. September folgt in der Reihe "Kirche und Kino" der Film "L`enfant" (Das Kind) im Dorstener Central-Kino.
Am 8. September spricht Tom Rietzke vom Diakonischen Werk Rheinland, Westfalen und Lippe über "Armutssensibles Handeln in Einrichtungen der Bildung, Erziehung und Betreuung", gefolgt von einem Erfahrungsbericht "Leben ohne Geld" von Heidemarie Schwermer am 13. September. "Armut hat ein Geschlecht" meint am 14. September Verena Schäffer. Die Landtagsabgeordnete der Grünen verrät, warum Frauen und vor allem allein Erziehende die finanziellen Verliererinnen sind und warum Altersarmut weiblich ist.
Sozialpfarrer Dr. Hans-Udo Schneider fordert in seinem Vortrag am 16. September "Gerechtigkeit statt Almosen" und will der "Armut trotzen". Kinderarmut in Dorsten thematisiert am 20. September in einem Fachvortrag Dietmar Gayk vom Jugendamt Dorsten. Heike Hilgendieck, Sozialpfarrerin der westfälischen Landeskirche, mahnt am 21. September die "Gerechte Teilhabe" d.h. die Befähigung zur Eigenverantwortung und Solidarität an. Abgerundet wird das Rahmenprogramm am 26. September mit einer Finissage, in der auch die Preisverleihung des Kinder- und Jugendwettbewerbes erfolgt.
Weitere Programmschwerpunkte zur Ausstellung: Eröffnung der Veranstaltungsreihe "Das Rote Sofa", ein Konzert mit dem Cellisten Beckmann (18. September, 19 Uhr), ein Literaturfrühstück sowie die Vorstellung einer Kampagne des Kinderschutzbundes zum Thema Kinderarmut.
Die Ausstellung "Kunst trotz Armut" ist vom 5. bis 26. September täglich von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. www.kunst-trotzt-armut.de Bu
Leben und arbeiten in Gladbeck
Gladbeck - Lange Zeit lebten die Menschen in Gladbeck auf und von der Kohle. Der Bergbau hat auch die kirchliche Arbeit in der Stadt nachhaltig geprägt. Noch heute arbeiten Bergleute auf auswärtigen Schachtanlagen oder bei der RBH-Logistics, den früheren Bahn- und Hafenbetrieben der RAG, die nach wie vor eine große Anzahl an Ausbildungsplätzen anbietet.
Unter dem Titel "Kirche, Kohle, Kumpel - Leben und arbeiten in Gladbeck damals und heute" lädt die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Gladbeck vom 10. September bis 3. Oktober in Zusammenarbeit mit der IGBCE Gladbeck im Rahmen des Kulturhauptstadtjahrs RUHR.2010 zu Ausstellungen und einer Reihe von Veranstaltungen in den vier Evangelischen Kirchen ein.
Den Auftakt macht am Freitag, 10. Septemer um 18 Uhr die Ausstellungseröffnung in der Christuskirche, die die Anfänge und Entwicklung der Evangelischen Kirche und des Bergbaus in der Stadt zeigt. Dazu spricht Prof. Traugott Jähnichen, Bochum, zumThema "Evangelische Kirche und Bergbau. Eine Chronik". Für die musikalische Gestaltung sorgen der Bergmannschor Consolidation und die Jugendband des Bonhoeffer-Hauses.
Am Samstag, 11. September, wird die Ausstellung "Leben und arbeiten in Brauck" um 19.30 Uhr in der Petruskirche eröffnet. Am Freitag, 17. September, stehen um 18 Uhr in der Petruskirche "Lieder aus der Kolonie" mit Norbert Gerbig&Friends auf dem Programm. Am Freitag, 24. September öffnet die Ausstellung "Kirche und Zechenziegel in Rentfort" um 18 Uhr ihre Pforten. Im Rahmen der Veranstaltung soll die Frage nach der Rolle der Kohle in einer zukünftigen Energiewirtschaft beantwortet werden. Es diskutieren: Klaus Breyer, Leiter des Institutes für Kirche und Gesellschaft der westfälischen Landeskirche, Ludwig Ladzinski, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der RAG Deutsche Steinkohle, Peter Obramski, Bezirksleiter der IGBCE und Rainer Priggen, MDL Bündnis 90/Die Grünen.
Private Filmaufnahmen von der Zechenbahn der Vergangenheit sind bereits am Mittwoch, 15. September um 18.15 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus an der St. Stephani-Kirche in Gladbeck-Zweckel zu sehen. Daneben wird die Arbeit der heutigen RBH Logistics vorgestellt.
Die Ausstellung in der Christuskirche ist mo.-fr. von 9 bis 12 Uhr, di. und do. von 16 bis 18 Uhr sowie jeden Sonntag nach dem Gottesdienst zu sehen. Die Ausstellung in der Petruskirche öffnet mi. von 10 bis 12 Uhr, do. von 18 bis 20 Uhr und so. von 15 bis 17 Uhr ihre Pforten. Bu
Pilgergruppe besucht Martinskirche
Bottrop - Was haben Santiago de Compostela, Lourdes und Jerusalem mit Bottrop gemeinsam? Alle vier Orte sind Pilgerstädte. Die drei erstgenannten liegen an berühmten Pilgerrouten, nach Bottrop pilgern die Menschen durch den Pott.
"Pilgern im Pott" nennt sich ein Projekt der Evangelischen Kirchen im Ruhrgebiet zum Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010. Das ist Pilgern mitten im Ruhrgebiet, auf zwei Routen immer die Emscher entlang von ihrer Mündung in Dinslaken bis zur Quelle in Holzwickede. Pilgern im Pott ist zugleich Pilgern im Alltag. Wie bei bekannten Pilgerwegen wandert man von Kirche zu Kirche. "Es warten allerdings keine traditionellen Pilgerkirchen, sondern Evangelische Kirchen, die durch das Banner "Offene Kirche" gekennzeichnet sind, wie eben unsere Martinskirche", erklärt Pfarrerin Karin Daniel. "Die Martinskirche ist ja an zwei Tagen in der Woche außerhalb der Gottesdienstzeiten geöffnet und bietet Pilgern einen Ort der Besinnung", ergänzt ihre Kollegin Pfarrerin Anke-Maria Büker-Mamy.
Eine ganze Reihe von Gruppen hat bereits in den letzten Monaten seit dem Start des Pilgerprojekts den Weg nach Bottrop gefunen. "Und auch in den Sonntagsgottesdiensten sind mir schon Menschen mit Wanderstiefeln und Rucksack aufgefallen", freut sich Pfarrerin Daniel, die unlängst eine zehnköpfige Pilgergruppe aus Hünxe begrüßen konnte. Da hatten die jungen Leute mit ihrer Pfarrerin Hanna Maas bereits 27 Kilometer hinter sich und waren froh, sich auf den Stufen der Martinskirche ausruhen zu können, bevor sie Kirchmeister Ingo Söhngen über die Kirche informierte.
"Pilgern ist nicht erst seit dem Bestseller von Hape Kerkeling eine Volksbewegung", weiß Karin Daniel. Eine Pilgerreise weite den Blick auf das Wesentliche und öffne den Blick auf das eigene Ich gegenüber Gott. Und gerade im Kulturhauptstadtjahr liege es nahe, das Ruhrgebiet auf Pilgerwegen ganz neu zu entdecken und lohnende Ziele ausfindig zu machen. "Das Ungewöhnliche und zugleich Reizvolle für die Pilger, die uns besuchen, ist es, dass die neuen Pott-Pilgerwege nicht nur durchs Grüne, sondern auch schon mal durch Industriebrachen, entlang an Bahngleisen oder mitten durch Einkaufscenter führen", ist sich Pfarrerin Büker-Mamy sicher.
Die Pilgergruppe aus Hünxe lernte so das CentrO-Oberhausen, den Revierpark Vonderort und den Gesundheitspark Quellenbusch kennen und zeigte sich erstaunt über die vielen Grünflächen in Bottrop. Nach einem Abendgebet freuten sich die jungen Leute darauf, am nächsten Tag versehen mit Pilgerstempel und Proviant den Weg zur Apostelkirche in Gelsenkirchen-Buer unter die Wanderschuhe nehmen zu können. www.pilgern-im-pott.de Bu
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Erste Gespräche im Martin Luther Forum
Gladbeck/Bochum - Margot Käßmann wechselt beruflich ins Ruhrgebiet. Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende übernimmt im Januar 2011 eine Gestprofessur an der Ruhr-Universität Bocheum (RUB). Die einstige hannoversche Landesbischöfin werde ein Jahr lang auf dem Gebiet der Ökumene und Sozialethik forschen und lehren, teilte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mit.
Die Theologin übernimmt die neu eingerichtete Max-Imdahl-Gastprofessur. Sie soll nach Angaben der Hochschule an den 1988 verstorbenen Professor für Kunstgeschichte erinnern, der zur Gründergeneration der Universität gehörte.
Und begonnen hat alles in Gladbeck. Anfang Juni war Margot Käßmann im Martin Luther Forum Ruhr (MLFR) zu Gast und berichtete im Gespräch mit Superintendent Detlef Mucks-Büker unter anderem von ihren beruflichen Plänen. Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreis zu erfahren war, sprach die 52-Jährige bei dieser Gelegenheit im kleinen Kreis auch mit der Dekanin der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Bochum, Isolde Karle.
Es folgten Gespräche auch mit RUB-Rektor Elmar Weiler, der sich von Käßmann auf Anhieb begeistert zeigte. Die promovierte Theologin habe beispielhaft zum Wissenstransfer theologischer Theorie in die Öffentlichkeit beigetragen und sei daher für die Gastprofessur hervorragend geeingnet, so Weiler.
Unter anderem habe sie Impulse gegeben für die gegenwärtige Kirchenreformdebatte, die Bildungsverantwortung der Kirche und auch für die sozialethischen Herausforderungen der Gegenwart. Ihre kritischen Äußerungen zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr sowie ihre kritischen Anmerkungen zur Reform der Hartz IV Gesetze im MLFR hätten große Resonanz in den Medien hervorgerufen.
Käßmann, die im Februar nach einer Alkoholfahrt von allen Ämtern zurückgetreten war, geht Ende August zunächst für vier Monate an die Emory-Universität in Altlanta im Südosten der USA. Die geschiedene Mutter von vier erwachsenen Töchtern hatte 1989 an der RUB über das Thema "Armut und Reichtum als Anfrage an die Einheit der Kirche" promoviert. Bu/epd
Zum Sommercamp in die USA
Kirchenkreis - Drei junge Leute aus dem Bereich der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) haben im Sommer 2011 wieder die Gelegenheit, zehn Wochen lang in Ferienlagern der United Church of Christ (UCC) im Bundesstaat Ohio in den USA mitzuarbeiten.
Das Angebot richtet sich an ehrenamtliche kirchliche Mitarbeitende, Studierende der Theologie oder Religios- bzw. Gemeindepädagogik im Alter zwischen 18 und 30 Jahren. Sie sollten bereit sein, vom 3. Juni bis 5. August 2011 in einem Sommercamp zu arbeiten. Die UCC ist mit der westfälischen Landeskirche partnerschaftlich verbunden.
Im Pilgrim Hills Conference Center in Brinkhaven und im Temple Hills Conference Center in Belleville finden in den Sommerferien jeweileis einwöchige Familien-, Kinder- und Jugendfreizeiten statt. Zu den Aufgaben der Mitarbeitenden zählen neben der Rund-um-die-Uhr-Betreuung der teilnehmenden Gruppen auch andere Tätigkeiten.
Voraussettzung für eine erfolgreiche Bewerbung ist neben guten englischen Sprachkenntnissen auch die Bereitschaft, eignes Wissen, kulturelle Traditionen und religiöse Erfahrungen mit anderen zu teilen und dadurch Kindern und Jugendlichen Impulse für ihr Leben zu geben. Den Freizeiten geht eine Vorbereitungswochevoraus.
Flug- und Transportkosten, Unterkunft und Verpflegung übernimmt die UCC. Zusätzlich wird ein Taschengeld in Höhe von 50 US-Dollar pro Woche gezahlt. Für alle Interessenten findet am 13. Januar 2011 um 14 Uhr ein Info- und Vorstellungsgespräch im Landeskirchenamt in Bielefeld statt. Anmeldungen ab sofort und weitere Informationen bei Wilfried Arning, Altstädter Kirchplatz 5, 33602 Bielefeld, Tel. 0521/594178. Bu
Ev. Männerkreis mit neuem Programm
Dorsten - Ob Kanalbau im Raum Dorsten, ob Besichtigung eines großen Zeitungsverlages oder das Evangelische Bildungsverständnis - das neue Programm für die zweite Jahreshälfte 2010 des Männerkreises in der Evangelischen Kirchengemeinde Hervest-Wulfen in Dorsten bietet einen bunten Themenstrauß.
Den Auftakt macht ein Gesprächsabend am 30. August zum Thema "Sexualisierte Gewalt im Schutz von (Kirchen-)Mauern" mit Herbert Ulonska, Sendenhorst. Aufregung an der Haustür herrscht am 14. September um 16 Uhr beim Seniorentheater im Barkenberger Gemeindezentrum. Auf dem Spielplan steht ein kriminalpräventives Theaterstück der Suderwicher Spätlese.
Unter dem Titel "Wer wohnt schon in der Ziethenstraße?" referiert Brigitte Wiers, Wulfen, im Gesprächsabend am 27. Septemer zu Episoden einer Kindheit im Revier. Im Mittelpunkt des Treffs am 25. Oktober stehen "Martin Luther, Philipp Melanchthon und das Evangelische Bildungsverständnis von heute". Als Referent konnte Klaus Kehlbreier von der Männerarbeit der westfälischen Landeskirche gewonnen werden.
Um die Lippeverlegung im Zuge des Kanalbaus in Dorsten dreht sich alles beim Gesprächsabend des Männerkreises am 29. November. Es spricht Heinz Kleine-Vossbeck, Dorsten. Am 2. Dezember besichtigt der Männerkreis den Zeitungsverlag Lensing-Wolff in Dortmund. Eine gemeinsame Jahresabschlussfeier mit Frauen am 7. Dezember rundet das Halbjahresprogramm. Zu diesem Anlass greifen die Herren einmal mehr zum Kochlöffel und bereiten ein Menü vor.
Die Gesprächsabende des Männerkreises finden jeweils um 19.30 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum Wulfen-Barkenberg, An der Talaue 71, statt. Dazu sind ale Interessenten herzlich eingeladen. Weitere Infos zum Programm bei Martin Becker, Tel. 02369/23006. Bu
Bookcrossing in Telefonzelle
Bottrop - Seit einigen Wochen steht ein geheimnisvolles, königsblaues Objekt neben dem Martin-Niemöller-Haus in Bottrop-Fuhlenbrock. Doch anstelle eines Telefonhörers finden sich weiße Regale in der Zelle. Manch Gottesdienstbesucher hat sich schon kopfschüttelnd gefragt: "Was soll dieses hässliche Ding hier?"
Doch nun wurde das Geheimnis gelüftet. In der Zelle finden sich neben Kinderbüchern, Comics und Krimis Videos, Spiele und Hörbücher in den Regalen - alles gespendet oder aus dem Bestand der Evangelischen öffentlichen Kinder- und Jugendbücherei "Lucy&Willi". Auf zwei Kubikmeter Stauraum finden rund 100 Medien Platz.
"Vor gut zwei Jahren legte unsere Mitarbeiterin Uta Wortmann dem Beüchereiteam einen Bericht über eine Tauschbörse für Bücher in einer Telefonzelle in England vor", berichtet Büchereileiterin Ilka Lautner. Alle seien sofort begeistert gewesen, hätten aber auch die Probleme gesehen. "Woher eine Telefonzelle nehmen? Wie den Transport organisieren, das gute Stück standfest machen und auszukleiden? Was üassiert, wenn Vandalen die Zelle zerstören? Wir waren kurz davor, auszugeben", erinnert sich Ilka Lautner.
Doch dann habe man das Konzept "Bookcrossing" dem Verein "Konjungtur", einem Zusammenschluss junger Unternehmer in Bottrop, vorgestellt. "Konjungtur" unterstützt finanziell und logistisch kulturelle Projekte in der Stadt, erklärt Klaus Brinkmann. "Uns gefiel die Vorstellung, dass selbst nachts heimlich Leute in die Telefonzellenbibliothe schleichen können, um sich mit Lesestoff zu versorgen", so der junge Unternehmer. Und so wurde aus einer Idee mithilfe des Sponsorings ein konkretes Projekt.
In der Büchereizelle gibt es neben Kinderbüchern auch etwas für Jugendliche und Erwachsene. Vom Bilderbuch bis Science Fiction, vom Liebesroman bis zum Thriller. "Und alles ist kostenlos, unkompliziert, in der Nähe und 24 Stunden am Tag frei zugänglich und auch im Trockenen", beschreibt die Büchereileiterin das moderne Konzept einer offenen Bibliothek. Schrift statt Sprache in der Zelle. "Der Stadtteil tauscht sich aus - und vielleicht werden irgendwann nicht nur Bücher getauscht, sondern auch Lesefreundschaften geschlossen", hofft Ilka Lautner. Bu
Sie haben Ihr Ziel erreicht
Dorsten - Mit einem festlichen Gottesdienst in der Kreuzkirche in Dorsten-Hervest wurde Pfarrerin Julia Meierkord von Superintendent Detlef Mucks-Büker in die erste Pfarrstelle der Gemeinde Hervest-Wulfen eingeführt.
"Sie haben Ihr Ziel erreicht", sagte Mucks-Büker in Anspielung auf Navigationsgeräte zu der beliebten Pfarrerin, " und sind nach Studium, Examina, Assessment-Center, Vikariat und Probedienst endlich angekommen." Und dies könne die Gemeinde heute wohl auch so sagen, meinte der Superintendent unter großem Beifall. Er erinnerte an die Ordination von Julia Meierkord im Juni letzten Jahres im Barkenberger Gemeindezentrum. "Wer konnte damals ahnen, dass heute die neue Pfarrerin kommt?" Bis dahin sei es ein langer Weg gewesen.
Ihr neues Amt sei für Pfarrerin Meierkord aus ihrer Sicht vielleicht nicht das Ziel, sondern eine wichtige Etappe in ihrem Dienst. "Der eigentliche Weg beginnt doch erst", gab Mucks-Büker zu bedenken. Mit Gottesdiensten und Seelsorge, mit der Arbeit mit Familien und Kindern und mit dem Vorsitz im Presbyterium. Wie man dieses Ziel erreiche, fragte Mucks-Büker rhetorisch und gab auch gleich mit Psalm 16,11 aus der Bibel die Antwort:"Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude, die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich."
Gott selbst sei Wegweiser für jeden in der Gemeinde, ob haupt- oder ehrenamtlich. "Werden Sie Navigator für diejenigen, die ihnen anvertraut sind und hören Sie die leisen Fragen, denn die Menschen erwarten Antworten von Ihnen", gabt der Superintendent der jungen Seelsorgerin mit auf den Weg, "entdecken Sie die Gaben der Menschen und lassen Sie diese zur Entfaltung kommen. Wenn Sie alle Gemeindeglieder im Blick behalten und niemenden aus den Augen verlieren, dann haben Sie ihr Ziel erreicht."
Es würe schön, wenn man auch im Alltag, wie bei der Vorbereitung einer Predigt, die Entfernungstaste drücken könnte, die Fehler entfernen und mit Gott das Leben neu beginnen könnte, sagte Pfarrerin Meierkord in ihrer Predigt, in der sie das landeskirchliche Projekt "Mit Kindern neu anfangen" vorstellte. "Es ist gut, wenn wir uns an unsere Taufe erinnern und diesen Weg mit Jesus Christus neu anfangen." Bu
Auf dem Weg zur Vereinigung
Gladbeck - Der Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten ist auf seinem angestrebten Weg zur Vereinigung mit dem Kirchenkreis Recklinghausen im Jahr 2012 einen Schritt weiter. Die in Gladbeck tagende Kreissynode beschloss mit großer Mehrheit zum 1. Januar 2011 die Einrichtung eines gemeinsamen Kreiskirchenamtes mit Sitz in Recklinghausen und einem Standort in Gladbeck. Bereits 2002 hatten beide Kirchenkreise eine so genannte kirchenrechtliche Vereinbarung über die gemeinsame Geschäfsführung ihrer kreiskirchlichen Verwaltungen getroffen.
Mit Blick auf die künftige Entwicklung der Kirchensteuereinnahmen und der demografischen Entwicklung sei die angestrebte Vereinigung der seit 1961 getrennten Kirchenkreise erforderlich, um die Aufgaben eines Kirchenkreises künftig wahrnehmen zu können. Dies könne nur dann gelingen,. wenn alle Beteiligten zustimmen, hieß es in einem Bericht vor dem Kirchenparlament.
In den Diskussionen wurde deutlich, dass die Frage des Finanzausgleichs zwischen Kirchenkreis und Gemeinden, den beide Kirchenkreise noch unterschiedlich handhaben, vorrangig zu bearbeiten sei. Das künfige Finanzsystem soll einfach, klar, transparent, solidarisch, auskömmlich und zukunftsfähig sein. Dabei, so Superintendent Detlef Mucks-Büker, gelte der Grundsatz: Ergebnisklarheit vor Zeitdruck. Der endgültige Beschluss zur Vereinigung werde nur dann getroffen, wenn alle Presbyterien und beide Kreissynoden zustimmten.
"Die Wirtschafts- und Finanzkrise sowie geänderte Rahmenbedingungen machen auch vor unseren Gemeinden nicht halt", sagte zuvor Superintendent Mucks-Büker in seinem Bericht vor der Synode. Vor dem Hintergrund des Rückgangs der Einnahmen stehe man künftig vor der Notwendigkeit zu entscheiden, zwischen den Aufgaben "die wir zu erfüllen noch in der Lage sind und denen, die von der Kirche als subsidiäre Trägerin nicht mehr übernommen werden können." Dennoch werde es auch weiterhin notwendig und unaufgebbar sein, für die Schwachen in der Gesellschaft Sprachrohr zu sein und die Stimme zu erheben.
In einem Beschluss zur Finanzsituation der Kommunen forderte die Kreissynode die Einrichtung eines kommunalen Entschuldungsfonds, der zu einem Abbau der Kassenkredite führen soll. "Die hohen Altschulden unserer Städte engen ihre Handlungsspielräume ein", erklärte Mucks-Büker. Die strukturelle Unterfinanzierung im Gemeindefinanzsystem müsse abgebaut werden. Für die strukturschwachen Städte mit hoher Arbeitslosigkeit forderte die Kreissynode eine Finanzierung, die stetig und auskömmlich ist sowie einen solidarischen Lastenausgleich zwischen Bund, Ländern und Gemeinden.
Den Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen im Kirchenkreis empfahl die Synode aus ökonomischen und ökologischen Gründen einen zeitnahen Wechsel ihres Stromanbieters zu einem Anbieter, der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen produziert. Auf breite Zustimmung der Synode stieß ein landeskirchlicher Vorschlag, künftig Menschen, die wieder Mitglied der Kirche werden wollen, die (Wieder-)Aufnahme durch jede Pfarrerin und jeden Pfarrer zu ermöglichen. Derzeit ist dieser Schritt nur in der Ortsgemeinde oder in einer der Wiedereintrittsstellen möglich.
"Die Finanzplanung des Kirchenkreises der letzten Jahre war von turbulenten wirtschaftlichen Begleiterscheinungen geprägt", sagte Ingrid Lebkücher, Vorsitzende des Finanzausschusses. Was die vergangenen drei Jahre angehe, könne man nicht klagen: Die Einnahmen waren besser als geplant. Man habe gut daran getan, die vorsichtige Finanzplanung der Landeskirche zu übernehmen.
"Beides führte zu dem Ergebnis, dass wir wieder etwas für unsere Rücklagen übrig behalten haben." Nach den erheblichen Kürzungen der Finanzzuweisungen an die Kirchengemeinden in den letzten Jahren werden die Zuweisungen für das Jahr 2011 nur um fünf Prozent und nicht, wie geplant, um acht Prozent vermindert. Damit, so die Finanzexpertin, werde aber keine dauerhafte Entspannung eingeleitet. Bu
Was die Gesellschaft zusammenhält
Gladbeck - Die Liste der prominenten Gäste im Martin Luther Forum Ruhr (MLFR) in Gladbeck ist lang: Ob Präses Alfred Buß, Eugen Drewermann, Hannelore Kraft, Armin Laschet, Henning Scherf und zuletzt die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann. Alle gaben sich in dem bürgernahen Kulturzentrum in der ehemaligen Markuskirche die Ehre.
Zum ersten Sommerempfang im MLFR hatte sich als Gastredner Bundestagspräsident Pfr. Norbert Lammert mit einem ebeno spannenden wie anspruchsvollen Thema angesagt. Der zweite Mann im Staate sprach "Zur Neutralität des Staates in Religionsfagen". Eine Besinnung darüber, was die moderne Gesellschaft zusammenhält.
"Das Thema ist nicht so harmlos wie es klingt", kündige Lammert an und führte mit geschliffener Rhetorik aus, warum die Religion auch im 21. Jahrhundert ein großes Thema sei. "Auf den ersten Blick eine verblüffende Feststellung." Ohne die Religion, so Lammerts Überzeugung, sei weder die Politik noch das soziale Gefüge, das Zusammenleben der Menschen im modernen Staat zu verstehen.
Soll eine Gesellschaft funktionieren, benötige sie ein Mindestmaß an gemeinsamen Überzeugungen und Werte. Sei der Verlust an Religiösität der Preis der Modernität, den die Gesellschaft zu zahlen habe, fragte der Bundestagspräsident. Auch in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft gebe es überlieferte Grundhaltungen und Werte, die in westlichen Gesellschaften christlich geprägt seien.
Der dort herrschende Freiheitsbegriff stehe im unauflöslichen Zusammenhang mit dem Christentum, führte Lammert aus, "auch wenn zum Beispiel die Grund- und Menschenrechte gegen den hinhaltenden Widerstand der Kirchen erkämpft worden sind." Die Trennung von Staat und Kirche sei notwendig, dennoch müsse man die Rolle der Religion für den Konsens in der Gesellschaft wiederentdecken, so eine Kernthese Lammerts.
Eine weitere These des Bundestagspräsidenten: Die Demokratie setze religiös begründete Überzeugungen voraus. Lammert: "Eine solche Überzeugung hat sich in Artikel 1 des Grundgesetzes niedergeschlagen: Die Würde des Menschen ist unantastbar." Von den Vätern des Grundgesetzes sei diese Formulierung nicht zuletzt nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges mit der Gottesebenbildlichkeit des Menschen begründet worden. Bu
Sonderausstellung: Das Buch Hiob
Gladbeck - Mit einer weiteren Rarität hat das Martin Luther Forum Ruhr (MLFR) in Gladbeck seine Serie der bemerkenswerten Sonderausstellungen fortgesetzt. Nach dem berühmten Luther-Triptychon aus Weimar ist jetzt noch bis zum 14. Juli das "Buch Hiob" von Günther Ücker an der Bülser Straße 38 zu sehen.
Das biblische Buch Hiob zählt zur Weltliteratur. Es ist eine der bedeutendsten Dichtungen der Menschheit und gilt einem ihrer existentiellen Probleme. Der Frage, wie das Böse in der Welt mit Gottes Allmacht und Güte in Einklang zu bringen ist.
Günther Ücker, einer der herausragenden deutschen Künstler der Gegenwart, hat sich der literarischen Vorlage des Buch Hiob angenommen und sie als Künstlerbuch mit 47 Doppelseiten gestaltet, das dem hohen theologischen Anspruch gerecht wird.
Jede Doppelseite des Künstlerbuches, von dem es weltweit lediglich 99 Exemplare gibt, umfasst eine Bild- und eine Textseite mit dem Bibeltext in Hebräisch und der deutschen Übersetzung Martin Luthers sowie Orginalgrafiken des Künstlers. Hergestellt wurde das Buch im Siebdruck sowie im aufwändigen Terragraph- oder Sanddruck-Verfahren im Atelier von Har-El, Tel Aviv-Jaffa, Israel.
Das Buch Hiob wurde im August letzten Jahres im Kunst-Raum des Deutschen Bundestages ausgestellt. Günther Ücker, der im Frühjahr seinen 80. Geburtstag feierte, ist einer der bedeutendsten deutschen, auch international hoch angesehenen Künstler, der auch den Andachtsraum im Berliner Reichstagsgebäude gestaltet hat. Ücker lebt und arbeitet heute in Düsseldorf und St. Gallen.
Die Sonderausstellung hat er dem MLFR als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus hat die Martin Luther Stiftung Ruhr ein Exemplar der Auflage erworben. Bis zum Jahr 2017 wird je eine der Originalgrafiken im Wechsel in der Dauerausstellung "Reformation und Ruhrgebiet" im MLFR ausgestellt. www.lutherforum-ruhr.de Bu
Fair teilen statt sozial spalten
Kirchenkreis - Das Industrie- und Sozialpfarramt des Kirchenkreises protestiert gegen die geplanten ungerechten und unsozialen Sparbeschlüsse der Bundesregierung. "Ausgehend von der tägllichen Erfahrung bei der Begleitung und Beratung von Menschen in der Arbeitswelt und von Erwerbslosen halten wir die Kürzungsbeschlüsse der Bundesregierung für in höchstem Maße ungerecht, unverhältnismäßig und gefährlich", erklärt Industrie- und Sozialpfarrer Dr. Hans-Udo Schneider in einer Stellungnahme.
Die Armut in Deutschland sei kein unabwendbarer Zustand, sondern Ergebnis politischer, wirtschaftlicher und unternehmerischer Entscheidungen. Die Einsparungen im Sozialbereich, so Schneider, sollten einen Anteil von 37 Prozent am gesamten Sparvolumen haben. Die Reduzierung der öffentlichen Leistungen und die Verarmung der Kommunen führten zur Verringerung gesundheitsfördernder, sozialer und kultureller Angebote.
"Davon sind Familien, Menschen in prekären Lebenslagen und Erwerbslose am meisten betroffen. Ein Beitrag des gestiegenen Privatvermögens ist dagegen nicht vorgesehen", prangert Schneider an, der sich entschieden gegen die Begründung der jetzigen Sparbeschlüsse wendet, alle hätten über ihre Verhältnisse gelebt.
"Diese Aussage ist falsch und nichts anderes als blanke Ideologie." Millionen Menschen, Arbeitslose, Menschen in prekärer Beschäftigung und viele Alleinerziehende hätten weit unter ihren Verhältnissen und Möglichkeiten gelebt. "Sie alle sollen jetzt die Zeche zahlen", beklagt der Sozialpfarrer. Diejenigen aber, die zu den Verursachern und Profiteuren der Finanz- und Wirtschaftskrise zählten, würden verschont.
Ein derartiges Vorgehen sei ein alarmierendes Zeichen von Ungerechtigkeit. Dadurch werde die soziale Spaltung der Gesellschaft noch weiter vorangetrieben. "Dies stellt eine dramatische Gefährdung des sozialen Friedens und eine Aufkündigung des gesellschaftlichen Solidaritätsprinzips dar", gibt Schneider zu bedenken.
Bis zum Jahr 2014 sollen die Eingliederungshilfen für Arbeitssuchende minimiert, das Elterngeld für Hartz IV Empfänger ganz gestrichen werden. Schneider: "Das ist nicht verantwortbar!" Der Sozialpfarrer erinnert an die Denkschrift der EKD aus dem Jahr 2006, in der es heißt: "Eine gerechte Gesellschaft muss so gestaltet sein, dass möglichst viele Menschen tatsächlich in der Lage sind, ihre jeweiligen Begabungen sowohl zu erkennen, als auch sie auszubilden und schließlich produktiv für sich selbst und andere einsetzen zu können. Eine solche Gesellschaft investiert folglich, wo immer es geht, in die Entwicklung der Fähigkeiten der Menschen..."
Schneider: "An diesem Ziel muss weiter festgehalten werden." Der Sozialpfarrer fordert die Bundesregierung auf, ihre drastischen Einsparpläne im Bereich des Sozialen zurückzunehmen. Stattdessen sollte dem grundgesetzlichen Auftrag des "Eigentum verpflichtet" nachgekommen werden. "Dies könnte durch die Erhöhung des Spitzensteuersatzes und der Erbschaftssteuer sowie die Einfrührung einer Vermögens- und Finanztransaktionssteuer geschehen", schlägt Schneider vor.
Ohne eine Erhöhung der Einnahmeseite würden auch zukünftige Herausforderungen nicht bewältigt. "Zukunftsfähige Politik muss sich an dem Leitgedanken "Fair teilen statt sozial spalten" ausrichten", betont der Sozialpfarrer. Bu
Im Gespräch mit Margot Käßmann
Gladbeck - Und als sie dann endlich eintraf, brandete der Beifall auf im voll besetzten Martin Luther Forum Ruhr in Gladbeck. 300 Menschen waren an diesem Abend in die ehemalige Markuskirche geströmt. um Dr. Margot Käßmann zu sehen und zu hören. Im Gespräch mit Superintendent Detlef Mucks-Büker wollte sie eigentlich nur Fragen zu kirchlichen Themen beantworten.
Fragen nach dem 2. Ökumenischen Kirchentag etwa, denn nach ihren Rücktritt von allen kirchlichen Leitungsämtern nach einer Alkoholfahrt im Februar wollte sie Abstand gewinnen, "am besten erst mal fünf Schritte zurückgehen". Aber dann siegte doch die Einsicht: "Du kannst dich nicht verkriechen."
Der Kirchentag in München also, an dem sie nach dreimonatiger Abstinenz in der Öffentlichkeit teilnahm und ein grandioses Comeback erlebte. Die überaus freundliche Aufnahme habe sie "sehr bewegt und berührt." Das habe ihr gut getan. Die verschiedenen Konfessionen seien auf dem Kirchentag in den Hintergrund getreten. "Die Ökumene wird doch in den Gemeinden vor Ort längst gelebt". zeigte sich die ehemalige Kirchentagsgeneralsekretärin überzeugt. Trotz aller Unterschiede sollte der Kirchentag an seinem Ziel der versöhnenden Verschiedenheit festhalten Ein gemeisames Abendmahl wünscht sie sich, darauf hofft sie in Anspielung auf die Losung des Laientreffens "Damit ihr Hoffung habt".
Lobende Worte findet die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende für das Martin Luther Forum Ruhr, "die Menschen suchen Gesichter für die Evangelische Präsenz". Für ihre Kirche wünscht sich Margot Käßmann "ganz viele Menschen, die ihren Glauben leben". Eine Kontrastgesellschaft müsse die Kirche sein, eine Kirche, die Hoffnung macht, in der das Zusammenleben im Glauben gelingt. Und doch weiß auch Margot Käßmann: "Die Kirchen sind nicht besser als die Welt."
Eine bessere Welt angesichts des eben erst beschlossenen Sparpaketes der Bundesregierung? Angesicht der geplanten Kürzungen? "Hartz IV Empfänger erhalten weniger Elterngeld. Da muss Kirche Widerspruch einlegen!" Ob denn diese Leistungsempfänger weniger Würde hätten als andere Menschen, fragt sie von Beifall unterbrochen.
"Nichts ist gut in Afghanistan!" An diesen Satz von Margot Käßmann erinnerte Mucks-Büker ebenfalls. Ein Aufschrei der Empörung sei damals durch die Politik gegangen. Nein, diese Reaktionen hätte sie nicht erwartet, bekannte Käßmann, "das war doch nur ein Satz in der Predigt". Rückblickend sehe sie die ganze Angelgenheit heute gelassener und doch sei es richtig gewesen, die Debantte über den Einsatz der Bundeswehr im Afghanistan anzustoßen. Wie könne Frieden am Hindukusch geschaffen werden, wenn zu wenig in Friedensprojekte investiert würde? Bitter beklagte Margot Käßmann. dass es so gut wie keine Nachsorge bei den zurück gekehrten und oft traumatisierten Soldaten gebe. "Die menschlichen Opfer, ob Deutsche ob Afghanen kommen mir zu kurz." Bu
Den Opfern einen Namen geben
Gladbeck - Einmal in der Woche packt Peter Jarosch Politur und Putzzeug ein und schwingt sich aufs Rad. Sein Ziel: 18 so genannte Stoplersteine, die, im Gladbecker Stadtgebiet verteilt, an die Opfer nationalsozialistischer Gewalt erinnern.
Jarosch ist Mitglied des vor drei Jahren gegründeten Bündnisses für Courage, ein Zusammenschluss aller Gladbecker Parteien, Fraktionen, der Kirchen, Gewerkschaften und engagierten Einzelpersonen. Sie treten aktiv für die Aufklärung und Erinnerung der NS-Opfer ein.
Am 31. März 2009 hat der Kölner Künstler Günter Demnig unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit diese 18 Stolpersteine vor den Häsusern der von den Nazis verfolgten und ermordeten Menschen - Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten und Geistliche - verlegt. Ermöglicht wurde diese Aktion durch die Zusammenarbeit mit einer Reihe von Gladbecker Schulen, die die mühevolle Recherchearbeit und Patenschaften übernommen hatten.
Jetzt legte das Bündnis für Courage unter dem Titel "Spurensuche" eine ausführliche Dokumentation in Form einer Broschüre vor, die auf knapp 100 Seiten sowohl die Verlegung aller Steine als auch die Biografien der Opfer in Text und Bild festhält. Daneben finden sich in dem Heft Ablichtungen von Originaldokumenten wie Geburts- und Heiratsurkunden, Schriftwechsel mit Behörden, Anträge auf Wiedergutmachung und vieles mehr.
"Die Stolpersteine stellen sicher, dass wir uns auch dann noch an konkrete Menschen erinnern, wenn es schon lange keine Zeitzeugen mehr gibt. Als ein Teil von Gladbeck sollen sie dazu beitragen, dass wir uns immer wieder damit auseinander setzten müssen, dass in unserer Stadt Menschen aufgrund ihres Glaubens und ihrer politischen Überzeugung aus ihrem Leben herausgerissen wurden", schreibt Bürgermeister Ulrich Roland im Vorwort der Broschüre.
"Am 9. Juli wird Günter Demnig 27 weitere Stolpersteine in Gladbeck verlegen", kündigt Pfarrerin Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup an. Die Recherchen seien abgeschlossen. "Mit Studiendirektor a.D. Manfred Samen haben erneut SchülerInnen versucht, das Schicksal der so genannten "polnischen Juden" nachzuzeichnen." Es seien zumeist die ärmeren Juden, die nach dem 1. Weltkrieg als Arbeitsimmigranten nach Gladbeck gekommen waren. Diese wurden 1938 nach Polen abgeschoben und im 2. Weltkrieg von den Nazis ermordet, so die Gladbecker Seelsorgerin.
Die Rechercheure der Gladbecker Schulen werden ihre Ergebnisse am 1. Juli im Bonhoeffer-Haus präsentieren. Das Buch "Spurensuche" ist zum Preis von 7 Euro in der Humboldt-Buchhandlung sowie im Gemeindecafé im Bonhoeffer-Hazs erhältlich. Mit dem Verkaufserlös werden die nächsten Stolpersteine (Stückpreis 95 Euro) finanziert. "Da dies nicht für alle Steine reichen wird, suchen wir noch weitere Spender", erklärt Pfarrerin Hildebrandt-Junge-Wentrup. Spenden können unter dem Stichwort "Stolpersteine" auf das Konto 71167 bei der Sparkasse Gladbeck, BLZ 42450040 eingezahlt werden. Bu
Aus dem Fegefeuer in die Medienwelt
Gladbeck - Von der Pestarztmaske über das Original von Luthers Obrigkeitsschrift von 1523 und einer funktionsfähigen mittelalterlichen Druckerpresse bis hin zum modernsten Medientisch spannt sich der Boden der Exponate in der Dauerausstellung "Reformation und Ruhrgebiet", die jetzt im Martin Luther Forum Ruhr (MLFR) in Gladbeck eröffnet wurde.
Durch die gläserne Thesentür - eine fotografische Nachbildung der Kirchenpforte der Wittenberger Schlosskirche - gelangt der Besucher direkt ins Fegefeuer und ewige Verdammnis. Eine Pestarztsäule dräut in der Ecke, Ausstellungsstücke erzählen vom Hexenwahn und dem Leben unter der Herrschaft des Todes.
Die auf vier Ebenen angebordnete Ausstellung in den Räumen der ehemaligen Markuskirche zeichnet die Entwicklung evangelischen Lebens in der Region Ruhr nach und löst sich durch diese regionale Akzentulierung von den bisherigen gesamtdeutsch und europäisch ausgerichteten Präsentationen über die Reformation.
"Schon jetzt kann die Ausstellung mit ihrer Fülle an überwiegen originalen Exponaten als ein bedeutender Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010 bewertet werden", sagte NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff anlässlich der Ausstellungseröffnung. Mit seiner Ausstellung aktiviere das MLFR die kulturelle Bildung mit beispielhaftem bürgerschaftlichen Engagement. "Ihnen ist es vorbildlich gelungen, die ehemalige Markuskirche mit neuem Leben auszufüllen und eine Plattform für den Dialog zu schaffen, der einem ehemaligen Sakralbau mehr als gerecht wird."
"Im Ruhrgebiet kam die Reformation zwar langsam, aber dafür gründlich und vor allem: sie kam von unten", betonte Karin Moskon-Raschik, Bielefeld, in ihren Grußwort für die Evangelischen Landeskirchen in NRW. Wie die Ausstellung zeige, sei die Geschichte und Kultur im Revier von Migranten geprägt, sagte die Landeskirchenrätin mit Blick auf niederländische Glaubensflüchtlinge oder Hugenotten, die Zuflucht in der Region fanden. Bildung erscheine seit der Reformation als wichtigste Voraussetzung für die Kultur im Ruhrgebiet.
"Mit dieser Ausstellung präsentieren wir einen bunten Kultur-Blumenstrauß der vielfältigen allgemeinen Kenntnisse und speziellen Informationen in Zusammenwirken mit aktueller Medien-, Audio- und Lichttechnik in moderner Architektur", sagte zuvor Dr. Martin Grimm. Der Beiratsvorsitzende des MLFR dankte den zahlreichen Sponsoren, Unterstützern und ehrenamtlichen Helfern. Sein besonderer Dank galt der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und deren Kuratoriums-Vorsitzenden Prof. Berthold Beiz ("Ich bin Lutheraner").
Im Vordergrund der Ausstellung steht die Wirkungsgeschichte der Reformation in der Region Ruhr. Sie setzt sich mit den Denkweisen, dem Glauben, persönlichen Aspekten und den Auswirkungen des Protestantismus im Ruhrgebiet auseinander. Fragen nach der Herkunft der Protestanten, nach ihren Spuren und Einflüssen auf Wirtschaft, Technik, Kultur, gesellschaftliches, soziales und politisches Leben finden hier eine Antwort.
Mit der Perspektive auf das Jahr 2017, in dem sich die Reformation zum 500. Mal jährt, ist die Ausstellung bewusst auf Veränderung und Nachhaltigkeit angelegt. Sie ist dienstags, donnerstags und freitags von 14-17 Uhr, mittwochs von 17-20 Uhr, samstags und sonntags von 14-17 Uhr geöffnet. www.lutherforum-ruhr.de . Bu
13. Ök. Haldenveranstaltung
Bottrop - "Gute Arbeit, gerechte Löhne und ein starker Sozialstaat"- unter dem Motto des DGB zum Maifeiertag stand die 13. ökumenische Haldenveranstaltung auf der Bergehalde mit dem Tetraeder in Bottrop-Batenbrock, zu der die Kirchengemeinden vor Ort, der DGB sowie das Bergwerk Prosper Haniel und die Kokerei Prosper eingeladen hatten. "Wir haben hier einen Ort, von dem aus wir auf Bottrop, seine Industrie und die Kirchengemeinden blicken können", sagte Pfarrer Friedemann Kather, der zum ökumenischen Gottesdienst zahlreiche Besucher begrüßen konnte.
Als ein Tag des Miteinanders bezeichnete Marian Krzykaweski, Betriebsratschef der Kokerei Prosper, das Fest mit Döner, Bratwurst und Flammkuchen. Und auch das Rahmenprogramm präsentierte sich bunt: Spektakulär die Darbietung der Höhenretter der Kokerei, die sich vom Tetraeder abseilten.
"Durch den Horizont sehen. Deshalb kommen wir ja immer wieder hier am Tetraeder zusammen, um gemeinsam über die Grenzen hinauszublicken, um neue Kraft zu tanken für die Aufgaben in unserem Alltag", sagte Dr. Hans-Udo Schneider, Industrie- und Sozialpfarrer des Kirchenkreises, in seiner Predigt, in der er die Verantlichen der globalen Wirtschaftskrise anprangerte. "Sie ist von Menschen gemacht, die Tag und Nacht den Gott des Geldes anbeten. Die Krieg und Terror anzetteln, Volkswirtschaften ruinieren, die Rohstoffpreise in die Höhe treiben und die Lebenswelt der Natur zerstören."
Schneider forderte die Tetraedergemeinde auf, diesen Menschen das Vertrauen zu entziehen. Es sei unerträglich, dass die Lebensbedingungen im Land immer weiter auseinanderdriften, gab Schneider zu bedenken. "Hier an Emscher und Lippe spüren wir das ganz besonders", sagte der Sozialpfarrer mit Blick auf die Überschuldung der Städte und Gemeinden.
Schneider sparte nicht mit Lob für die Kirchen, die die ungerechten Lebensbedingungen beim Namen nennen und für die Städte mit den Gewerkschaften ganz konkret einen kommunalen Entschuldungsfonds fordern. "Wer für Banken einen milliardenschweren Rettungsschirm aufspannt, der muss auch den Gemeinden helfen können."
Das Ergebnis neoliberalen Gedankenguts seien sechs Millionen Arbeitsplätze, die schlecht bezahlt sind, seien Mini- und Ein-Euro-Jobs, seien Leiharbeit und Hungerlöhne. "Christsein und Gwerkschaftersein, das ist kein Widerspruch, das ist in diesen Zeiten notwendiger denn je", betonte der Sozialpfarrer. Bu
Einer trage des andern Last
Dorsten - Ambulant vor stationär. Dieser Grundsatz ist unter Pflegeprofis unumstritten. So lange wie möglich sollen alte Menschen in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Dabei helfen sollen ihnen ehrenamtlich tätige Menschen. Dies sieht ein neues Nachbarschaftsbetreuer-Projekt vor, das jetzt im Rahmen einer Gemeindeversammlung der Gemeinde Hervest-Wulfen in Dorsten vorgestellt wurde.
"Im Grunde geht es um bürgerschaftliches Engagement", sagt Dr. Hans-Udo Schneider. Der Industrie- und Sozialpfarrer des Kirchenkreises beschreibt es so: "Ehrenamtliche sollen hilfe- und pflegebedürftige Senioren besuchen, kleinere Einkäufe erledigen, ihnen Behördengänge abnehmen oder ihnen vorlesen, um so die Angehörigen zu entlasten." Zunächst einmal in Wulfen, bei Erfolg will man das Projekt auf ganz Dorsten ausdehnen.
Die Idee zu dem Nachbarschaftsbetreuer-Projekt kam Schneider anlässlich des Vortrags "Leben und Sterben, wo ich hingehöre" von Prof. Dörner, den dieser vor einigen Monaten in Dorsten gehalten hatte. Als erklärter Gegener von Heimunterbringungen hatte Dörner gefordert, Pflegebedürftige möglichst lange in ihren eigenen Wohungen leben zu lassen und dabei einen "Bürger-Profi-Mix" ins Spiel gebracht.
"Das Thema brennt auf den Nägeln, damit haben wir offenen Türen eingerannt", erkannte Pfarrer Schneider nach ersten Gesprächen. Er freut sich vor allem darüber, dass sich die Kirchen vor Ort in ökumenischer Eintracht einbringen wollen. "Die Unterstützung des Projekts soll für sie ein wichtiger Baustein der Gemeindearbeit werden", weiß der Sozialpfarrer. Auch das Seniorenbüro der Stadt sei mit im Boot.
Mit der Projektvorstellung in der Gemeindeversammlung und einem Flyer sollen Interessierte gewonnen werden. "Gesucht werden Menschen, die sich ein paar Stunden in der Woche Zeit nehmen", kündigt Schneider an. Die ehrenamtlich Engagierten werden geschult, versichert und unterstützt. "Wir lassen niemanden im Regen stehen", versichert er.
Angestrebt wird ein Netzwerk für ganz Dorsten. "Damit wollen wir dem Verfall von traditionellen Familien- und Nachbarschaftsstrukturen begegnen", so Schneider, dem auch gleich das passende biblische Zitat aus dem Brief des Apostel Paulus an die Galater einfällt: "Einer trage des andren Last." Bu







