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EVANGELISCHER KIRCHENKREIS GLADBECK-BOTTROP-DORSTEN

Nachrichten

 

Lutherbotschafter für Hannelore Kraft

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zeigte sich sichtlich angetan von der Lutherfigur des Objektkünstlers Ottmar Hörl. Foto: MLFR

Gladbeck/Düsseldorf - Seit 2008 bereiten sich Kirche und Staat in der so genannten Lutherdekade auf den 500. Jahrestag der Reformation vor. Der Thesenanschlag Martin Luthers vom 31. Oktober 1517 markierte den Beginn einer Bewegung, die Deutschland, Europa und die ganze Welt veränderte. Das Martin Luther Forum Ruhr (MLFR) in Gladbeck hat es sich zum Ziel gesetzt, das kulturelle Erbe der Reformation im Rhrgebiet lebendig und erlebbar zu machen.

Jetzt sprachen Vertreter des Forums in Düsseldorf mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft über Perspektiven zum Reformationsjubiläum in Nordrhein-Westfalen. Hannelore Kraft zeigte sich überzeugt: "Luther 2017 ist ein Thema von allgemein kulturgeschichtlicher Relevanz, das auch an Rhein und Ruhr von Bedeutung ist."

Zu Beginn des Gesprächs hatte Dr. Martin Grimm, Vorsitzender des Beirates des MLFR, der Ministerpräsidentin eine Lutherfigur von Ottmar Hörl überreicht. "Wir freuen uns sehr über das persönliche Engagement von Hannelore Kraft im Rahmen der Lutherdekade und über die Anerkennung, die das Martin Luther Forum Ruhr durch die Landesregierung erfährt."

Die Lutherfigur von Ottmar Hörl will das Forum als Lutherbotschafter für das Reformationsjubiläum verstanden wissen. 2010 hatte der Objektkünstler auf dem Marktplatz von Wittenberg 800 solcher Figuren installiert. Ein Jahr spärter zeigte das MLFR die Hörl-Installation "Hier stehe ich..." in einer viel beachteten Ausstellung der ehemaligen Markuskirche in Gladbeck.

Das Kirchenensamble ist 2008 von dem privaten Verein übernommen worden und mit Städtebauförderungsmitteln aufwändig zum Martin Luther Forum Ruhr umgebaut worden. Heute gilt das MLFR landesweit als Beispiel für die sinnvolle Folgenutzung eines ehemaligen Sakralbaus. In hochkarätig besetzten Talkrunden und Vortragsveranstaltungen, bemerkenswerten Kunstausstellungen, begeisternden Konzert- und Theatervorstellungen thematisiert das MLFR, wie die Reformation nicht nur Kirche und Theologie, sondern auch Musik und Kunst, Wirtschaft und Soziales, Sprache und Recht geprägt hat.

Die Dauerausstellung "Reformation und Ruhrgebiet" im MLFR lädt darüber hinaus mit einer erfrischenden Mischung aus aktueller Medien-Audio- und Lichttechnik, Texten, Bildern und Exponaten zu einer Suche nach den Spuren der Reformation im Ruhrgebeit ein. Bu/Awi

 

Weckruf gegen Entchristlichung

Mit seinem Vortrag im Martin Luther Forum Ruhr legte Dr. Andreas Püttmann die dramatische Entchristlichung Deutschlands offen und warnte eindringlich vor ihren Risiken und Nebenwirkungen. Kirchlich Engagierte forderte der Publizist zu mehr Selbstbewusstsein auf. Foto: Bugzel

Gladbeck - Einmal mehr erwies sich das Martin Luther Forum Ruhr (MLFR) in Gladbeck als eine Plattform für den kritischen  Dialog. "Weck die tote Christnheit aus dem Schlaf der Sicherheit" - so der Titel eines schönen Kirchenliedes (EG 262). Und so hätte ohne weiteres auch ein Diskussionsabend im MLFR überschrieben sein können.

Denn dort stellte der Politologe und Publizist Dr. Andreas Püttmann vor zahlreichen Zuhörern sein Buch "Gesellschaft ohne Gott" vor und entwickelte auf der Basis von umfangreichem empirischen Zahlenmaterial Thesen, die es in sich hatten.

Sein Befund: "Der christiche Traditionsabbruch in Deutschland ist dramatisch. Doch viele haben das noch nicht begriffen." Die Zahl der deutschen Protestanten habe sich in den letzten beiden Generationen halbiert. Die Kirchgänger unter den Katholiken seien zwischen 1950 und heute von über 50 Prozent auf zahn Prozent geschrumpft. "Das ist keine Erosion, das ist eine Implosion der Volkskirchen", so Püttmann. Hinzu komme, dass unter den vielen Kirchensteuerzahlern immer mehr getaufte Heiden seien, die ihren Glauben nicht einmal mehr buchstabieren könnten.

Schien diese erschreckende Diagnose den meisten der Besucher aus eigener Anschauung bekannt, sorgten Püttmanns weitere Ausführungen für einige Überraschungen. Umfragen, in denen die Meinungsforschung Denken, Fühlen und handeln von Christen untersucht hat, bestärkten Püttmann in seiner Einschätzung, dass der christliche Glaube Menschenwürde und Lebensrecht schütze. Rechtsbewusstsein und Toleranz stärke. Leistungs- und Hilfsbereitschaft fördere und gegen Ideologien und Radikalismus immunisiere. Das scheine auch Gregor Gysi zu wissen, der von Püttmann so zitiert wurde: "Auch als Nichtgläubiger fürchte ich eine gottlose Gesellschaft."

Nicht zuletzt wegen dieser positiven Auswirkungen des Glaubens lohne es sich nach Ansicht des Referenten, der Entchristlichung Deutschlands entschieden entgegen zu treten. Sein Vorschlag: "Wenden Sie den Satz des Stuttgarter Schuldbekentnisses des Rates der EKD vom Oktober 1945 ins Positive. Dort heißt es: `Wir klagen an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben`. "

Die lange andauernden und anregenden Gespräche nach dem Vortrag bewiesen, dass das MLFR einmal mehr an diesem Abend Anstöße für den kritischen Dialog liefern konnte. Eine Fortsetzung ist zu erwarten, wenn Dr. Eugen Drewermann am 14. Februar erneut zu Gast in der ehemaligen Markuskirche, Bülser Straße 38 in Gladbeck-Ost ist. Karten gibt es ab sofort im MLFR und in den bekannten Vorverkaufsstellen. Awi/Bu

 

Nordzypern im Mittelpunkt

Nordzypern ist bislang vom Massentourismus verschont geblieben. Unser Bild zeigt den Hafen von Girne. Foto: privat

Kirchenkreis - Zu ihrer vierten Dialog- und Kulturreise laden Axel Lippek von der Evangelischen Erwachsenenbildung des Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten und Müzeyyen Dreessen von der Christlich-Islamischen Gesellschaft vom 3. bis 14. Oktober 2012 ein. Die Reise führt auf die Spuren christlicher Stätten an der Südküste der Türkei, nach Nordzypern und Gladbecks Partnerstadt Alanya.

Im Mittelpunkt der Reise steht in diesem Jahr Nordzypern. Zypern, die drittgrößte Mittelmeerinsel, liegt eingerahmt zwischen Europa, Asien und Afrika und bildet somit einen zentralen Knotenpunikt zwischen den Kontinenten. Kein Wunder, dass die unterschiedlichsten Kulturen ihre Spuren auf der Insel hinterließen.

Ziwschen dem 13. und 11. Jhd. v. Chr. siedelten hier zunächst mykenische Griechen. Danach geriet Zypern unter assyrische, ägyptische, römische und osmanische Herrschaft. Der Legende nach stieg Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönhiet, an der zyprischen Südküste aus dem Meer und betrat dort zum ersten Mal irdischen Boden. Schon in der Antike galt Zypern daher als die Insel der Aphrodite. Im frühen Mittelalter hinterließen die Kreuzfahrer ihre Spuren auf Zypern.

Die Insel ist seit 1974 geteilt. Der griechische Süden zählt zur Republik Zypern und ist seit 2004 Mitglied der Europäischen Union. Der Nordteil steht unter Kontrolle der Türkischen Republik Nordzypern.

Im Verlauf der Reise besichtigen die Teilnehmenden in Nordzypern u.a. die St. Nikolaus Kathedrale, die heutige Lala-Mustafa-Pasa-Moschee, die Ruinen der Abtei Bellapais aus dem 14. Jhd., die Reste der ehemaligen "Großstadt" Salamis aus dem 12. Jahd v. Chr. und das Kloster Apóstolos Andréas. In der geteilten Hauptstadt Nikosia haben die Reisenden die Möglichkeit, den griechischen Teil der Stadt zu besuchen.

In der Südtürkei stehen die Besichtigungen des byzantinischen Klosters Alahan aus dem späten 5. Jhd., die Kirche des Heiligen Nikolaus in Myra oder die weltberühmten lykischen Felsengräber auf dem Programm. Daneben nimmt die Gruppe an Begegnungen und Gesprächen mit Christen in Alanya und der Gemeinde in Antalya teil.

Anmeldungen und weitere Informationen bei Axel Lippek, Tel. 02043/279359 und bei Müzeyyen Dreessen, Tel. 02043/52401. Bu

 

Biblische Mahlzeiten wecken Appetit

"Chefkoch" Heinz Sawitzki (76 l.) und Heinz Heek (89) brutzelten das Kalb mit Mandelsauce. Foto: Bugzel

Dorsten - Fladenbrot mit Ur. Jacobs Linsengericht. Gemüsesuppe mit Getreide. Kalb mit Mandelsauce. Überbackener Staudensellerie mit Fenchel. Hirsebrei. Obstsalat. Die Menüfolge mit sechs Gängen klingt auf den ersten Blick etwas seltsam, wenn nicht gar antiquiert. Und das ist auch kein Wunden, stammen die Gerichte doch so oder so ähnlich aus der Bibel.

Nach Mahlzeiten aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten, aus Westfalen, der Pfalz und Schwaben kredenzte jetzt der Männerkreis in der Evangelischen Kirchengemeinde Hervest-Wulfen in Dorsten seinen Gästen Köstliches aus der Heiligen Schrift. Dazu trafen sich ein gutes Dutzend seiner Mitglieder, alle im fortgeschrittenen Alter, im Barkenberger Gemeindezentrum und schwangen mit Eifer den Kochlöffel.

"Wer für 60 Personen kocht, muss früh aufstehen", sagte Heinz Sawitzki, mit seinen 76 Jahren sozusagen der Chefkoch des kreativen Männerkreises. Für Sawitzki ist kochen nichts neues, er hat eine große Familie, "da koche ich schon mal für 17 Leute." Und der pensionierte Poilzeibeamte weiß: Vorbereitung ist das A und O eines gelungenen Essens.

Gelernter Koch ist niemand aus der Runde. Vor 18 Jahren begann alles mit einem Vorschlag von Günter Schönborn, Grundungsmitglied des Männerkreises. "Wollen wir nicht mal einen Kochkurs machen?" fragte Schönborn seinerzeit. Hilfe erhielten die kochenden Herren von Erika Hülsbrink, damals Hauswirtschafterin im Paul-Gerhardt-Haus. Einfache Gerichte seien es anfangs gewesen, erinnert sich Schönborn, nichts Kompliziertes brutzelte man(n) in der Lehrküche der Evangelischen Familienbildungstätte. Doch im Laufe der letzten Jahre änderte sich das, sehr zur Freude der Gäste. 2010 ließen die Hobbyköche gar Spitzkohl aus Fliederstadt einfliegen.

Biblische Gerichte also diesmal. Und davon ist in der Heiligen Schrift oft die Rede. Im ersten Buch Mose, 25. Die Verse 25 bis 34 berichten zum Beispiel von Esau, der seinem Bruder Jacob sein Erstgebutsrecht für ein Linsengericht verkaufte.

Doch wie lebten die Menschen der Bibel vor gut 2.500 Jahren? Was haben sie gegessen und wie haben sie ihre Nahrungsmittel konserviert und verarbeitet? Die einfache Bevölkerung hat wohl einfach und schlicht gegessen, denn sie war arm. Und das Überleben war schwierig. Blieb der Regen aus, missglückte die Ernte. Dürre und Heuschrecken vernichteten das Korn, Hungersnöte gehörten im alten Israel zum Alltag. 

Viele der heute bekannten Lebensmittel, wie die Kartoffel oder die Tomate, gab es seinerzeit noch nicht. Obst aber war schon in der Bibel ein Grundnahrungsmittel. Trauben wurden zu Rosinen getrocknet, Feigen aß man frisch oder trocken, Datteln wurden zu einer Sauce verarbeitet, in die man während des Passahmahls sein Brot tunkte.

Auch Oliven, Mandeln, Nüsse und Granatäpfel standen auf dem Speiseplan. Gern aß man saisonbedingt. Zwiebeln, Lauch, Melonen und Gurken wurden bei der Ernte frisch verzehrt, Bohnen und Linsen eingelagert. Gerstenbrot war weit verbreitet, Fisch ein wichtiges Grundnahrungsmittel, während Fleisch, weil teuer, nur selten auf den Tisch kam.

Schwierig zuzubereiten seien die Gerichte aus der Bibel nicht, erklärte Heinz Sawitzki. Dazu gebe es einschlägige Kochbücher. Und wer es einmal selbst probieren möchte, hier das Rezept für Jacobs Linsengericht: 250 g rote Linsen in Salzwasser 12 Minuten kochen, kalt abspülen, dann mit Dressing aus Olivenöl, Zitrone, Knoblauch, Salz und Pfeffer vermengen. Danach Gurkenstücke, Lauchzwiebeln und gehackte Petersilie zugeben. Guten Appetit. Bu

 

Eine solidarische Gemeinschaft

Die Jahreslosung für 2012 hat Pfarrer i.R. Wolf-Dietrich Rienäcker, ehemaliger Seelsorger in der Gemeinde Holsterhausen an der Lippe in Dorsten, grafisch gekonnt umgesetzt. Repro: Bugzel

Kirchenkreis - "Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." Mit diesem Mut machenden Wort aus der Bibel grüßt Synodalassessor Pfarrer Friedemann Kather (Bottrop) die Menschen im Evangelischen Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten zum neuen Jahr 2012. Er schreibt:
"An der Schwelle eines neuen Jahres schauen wir zurück und nach vorn. Was war für mich persönlich wichtig? Was wird das neue Jahr bringen? Das zurückliegende Jahr bleibt vielen als ein Krisenjahr im Bewusstsein. Die Katastrophe von Fukushima führte uns die Atom-, Energie- und Klimakrise vor Augen. Die Euro-, Banken- und Finanzkrise hat wiederholt die Nachrichten und Themen der Talkshows bestimmt. Die Politik hangelt von einem Krisengipfel zum nächsten. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

Es bleibt zu befürchten, dass uns diese Themen auch im neuen Jahr beschäftigen werden. Dem einfachen Bürger wird ob der Krisen, der Summen und Milliardenbeträge, die fehlen oder unter Rettungsschirme gepackt werden, nur schwindelig. Und es bleibt die Frage: Kann man überhaupt noch etwas anders machen? Die immer noch mächtigen Energiekonzerne und Banken sind mitunter recht kleinlaut geworden. Die bisher so Starken stoßen an ihre Grenzen. Da würde ein bisschen Demut gut tun.

Überhaupt tut es doch gut, wenn man zur eigenen Schwäche steht und sie zeigen kann. Wenn man sich selbst und anderen eingesteht: Da habe ich einen Fehler gemacht, da war ich schwach. Aber ich werde deshalb nicht gleich nieder gemacht, sondern darf und kann daraus lernen. Ich bekomme eine neue Chance. Ich darf meine Meinung und mein Leben ändern ohne gleich mein Gesicht zu verlieren. 

In der Bibel werden nicht die Starken und Mächtigen in den Mittelpunkt und als Vorbilder dargestellt, sondern die Schwachen und Hilfebedürftigen. In ihnen offenbart und zeigt sich Gott. Dieses Denken zieht sich wie ein roter Faden durch die Bibel. Gott erwählt nicht die großen, starken und erfahrenen Brüder Davids, sondern den Jüngsten. Er beruft Jeremia zum Propheten, der nicht reden kann und sich zu jung für die Aufgabe fühlt. 

Auch die Jünger Jesu sind keine Überflieger und strahlenden Helden. Sie würden heute wohl kein Personalauswahlverfahren bestehen. Und Jesus selbst stellt keine erfahrenen Führungskräfte in die Mitte und macht sie zum Vorbild, sondern Kinder, die spüren, dass Jesus sie annimmt, wertschätzt und dadurch stark macht.

Als Menschen, die wir aus diesem Glauben so gestärkt leben, werden wir uns auch im neuen Jahr einmischen und hoffentlich Mut zum Handeln zeigen, wenn vermeintlich Starke das Recht und die Würde von Schwachen oder Fremden mit Füßen treten. Die Achtung vor dem Leben und der Menschenwürde, die Achtung der Gewissens- und Gedankenfreiheit, das Eintreten für die Hilflosen und Bedürftigen sind gerade nicht Zeichen der Schwäche, sondern unverzichtbare menschliche, christliche Werte. 

Die Krisen dieser Welt werden wahrscheinlich auch 2012 nicht weniger werden. Aber unsere Welt kann im neuen Jahr ein bisschen besser werden, wenn wir eine solidarische Gemeinschaft der Schwachen und Starken leben. Nicht als herablassende Hilfe der einen an den anderen, sondern als gemeinsames Leben von Gleichen mit ihren jeweiligen Talenten. So ist es gut, wenn wir uns in der Gemeinschaft aufgehoben und getragen wissen. Wir bedürfen zum Leben immer noch der anderen und die anderen bedürfen unser.

Ich wünsche allen Menschen, die in den Städten und Gemeinden unseres Evangelischen Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten leben, ein gutes und gesegnetes Jahr 2012.

Friedemann Kather, Assessor

 

Verstärkung für Dorstener Gemeinden

Pfarrer Hans-Jürgen Patro (r.) wurde in der Dorstener Johanneskirche von Synodalassessor Friedemann Kather (l.) in sein neues Amt eingeführt. Foto: Bugzel

Dorsten - Mit einem festlichen Gottesdienst in  der Dorstener Johanneskirche wurde  Hans-Jürgen Patro von Synodalassessor Pfarrer Friedemann Kather in sein neues Amt als Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinden Dorsten und Holsterhausen an der Lippe eingeführt.

Zuivor hatte sich Pfarrer Patro bereits den Evangelischen Christen in Rhade vorgestellt. Der neue Seelsorger, der seinen Dienst je zur Hälfte in Dorsten-Altstadt und Holsterhausen versieht, kann auf eine langjährige berufliche Erfahrung zurückblicken. Patro studierte Evangelische Theologie in Dortmund und Tübingen, sein Vikariat absolvierte der heute 50-Jährige in Herne. Als junger Pfarrer übernahm er dann eine Bergarbeitergemeinde in Bergkamen. Von hier aus führte ihn sein Weg ins schöne Sauerland, genauer gesagt in den Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg. Her versah Hans-Jürgen Patro zehn Jahre land seinen Dienst in der Gemeinde Halver.

"Meine Frau Rita und ich kommen beide aus Essen, wo wir geboren wurden und zur Schule gingen", erzählt der neue Seelsorger. Im CVJM Essen lernten sie sich kennen und lieben. "Inzwischen haben wir unsere Silberhochzeit hinter uns und aus unserer Ehe gingen drei Töchter hervor, die alle bereits erwachsen sind", verrät Patro. Durch die Hochzeiten der Töchter Judith und Anna sei man eine "internationale Familie" geworden. "Judith ist mit einem Brasilianer verheiratet, Anna mit Vasilij, der noch in Russland geboren wurde und als Kind nach Deutschland kam."

Hans-Jürgen Patros Frau Rita ist Sonderschullehrerin und arbeitet zurzeit an einer Schule mit psychisch kranken Kindern und Jugendlichen. Für seine Gemeindearbeit ist es Pfarrer Patro wichtig, Menschen von Jesus Christus zu erzählen, "der unser Leben in so vielen Bereichen mit Freude erfüllt hat", sagt der Theologe, der ein großer Freund von Projektarbeit ist. Er möchte den Menschen in seinen neuen Gemeinden vermitteln, dass der Glaube keine "Trendfrage" ist. "Der Glaube und auch die Kirche sind für die Menschen da", ist sich Patro sicher, "und auf die Menschen möchte ich mit meiner Arbeit zubewegen."

Hans-Jürgen Patro und seine Freu Rita freuen sich jetzt erst einmal auf die Arbeit und das Leben in der Lippestadt und hoffen, mit vielen Gemeindegliedern in Kontakt zu kommen. Dazu zählt für beide auch, dass ihr neues Zuhause ein offenes Haus ist, in dem viele Gäste immer willkommen sind. Bu

 

Kein leichter Abschied

Mit Martin Meier-Stier verlässt einer der dienstältesten Pfarrer die Stadt Gladbeck. Foto: Bugzel

Gladbeck - Nein, leicht fällt ihnen der Abschied nicht. Nach über 30 Jahren Tätigkeit im kirchlichen Dienst verlassen Elfriede und Martin Meier-Stier Gladbeck. Der langjährige Pfarrer an der Christuskirche und die Diplompädagogin treten zum Ende des Jahres in den Ruhestand und ziehen in die Nähe von Freiburg im Breisgau.

"Am 20. Dezember wollen wir uns um 18 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Haus von unseren Freunden und Weggefährten verabschieden", kündigt das Ehepaar an. Ganz zwanglos soll der Abschied sein, mit viel Musik und guten Gesprächen mit den zahlreichen Menschen, die mit Elfreide und Martin Meier-Stoer über die vielen Jahren verbunden waren. "Wer Lust hat, soll einfach vorbeikommen", sagen die beiden scheidenden Gladbecker.

Im April 1979 kamen bei nach Gladbeck. Martin Meier-Stier hatte gerade nach dem Studium der Evangelischen Theologie sein Vikariat in Hagen und Barcelona beendet und wurde an der Christuskirche Pastor im Hilfsdienst. Gemeinsam mit den ebenfalls neuen Kollegen Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup und Uwe Hildebrandt wollte man "Kirche für den Rand, für die Schwachen in der Gesellschaft" sein, erinnert sich Meier-Stier, der seit Oktober 1980 Pfarrer an der Chritsukirche war.

In den 90er Jahren absolvierte der heute 60-Jährige eine berufsbegleitende Ausbildung tiefenpsychologische Körpertherapie. Auf eigenen Wunsch verließ der Seelsorger dann im Februar 1995 die Christuskirchengemeinde und ging als Religionslehrer an die Waldorfschule. "Es war immer mein Wunsch, mit Jugendlichen inhaltlich zu arbeiten und theologische und ethische Fragen in der Auseinandersetzung mit anderen Schulfächern zu diskutieren, denn da muss sich Theologie bewähren und messen lassen", begründet Meier-Stier seinen Entschluss.

Gleichzeitig nahm er in freier Praxis eine Tätigkeit als heilkundlich-praktischer Psychotherapeut in Gladbeck auf. Seit 2005 unterrichtete der Theologe dann Evangelische Religionslehre am Rats- und Heisenberggymnasium, bevor er sich auf eigenen Wunsch zum 31. Dezember 2011 in den Vorruhestand versetzen lässt.

Auch Elfriede Meier-Stier kann auf eine langjährige berufliche Tätigkeit bei "Kirchens" zurückblicken. Ab August 1979 war die Pädagogin beim damalitgen Verband Evangelischer Kirchengemeinden Gladbeck beschäftigt, bis Ende 1989 leitete sie das Haus der offenen Tür in Gladbeck-Zweckel. In der ersten Hälfte der 90er Jahre engagierte sie sich im kirchlichen Treffpunkt für Alleinerziehende mit dem Schwerpunkt Trennungs- und Scheidungsberatung, bevor sie als pädagogische Mitarbeiterin zum Internationalen Mädchenzentrum Gladbeck wechselte.

Ihre langjährige Erfahrung brachte Elfriede Meier-Stier anschließend bis 2007 als hauptamtliche Mitarbeiterin bei der Frauenberatungsstelle Gladbeck mit dem Schwerpunkt Beratung von Frauen nach sexualisierter Gewalterfahrung ein. Seit 2006 übt sie eine selbständige Tätigkeit als Heilpraktikerin für Psychotherapie in eigener Praxis in Gladbeck und Mühlheim aus.

Beiden Eheleuten gemeinsam ist ihr langjähriges Engagement für Menschen in sozialen Schwierigkeiten, sei es im Pfarrdienst oder in beratender Tätigkeit. Und noch eines haben sie gemeinsam: Die Liebe zur Musik. Ob Posaunenchor, Kammerorchester oder die Chöre. "Dies alles zu verlassen, fällt uns schon schwer", räumen beide ein. Bu

 

Warum Religion Gewalt bindet

Synodalassessor Pfarrer Friedemann Kather (r.) freute sich, zum Neujahrsempfang des Kirchenkreises Prof. Hans-Martin Gutmann als Gastreferent begrüßen zu können. Foto: Bugzel

Bottrop - Bringt Religion Gewalt hervor oder kann sie sie gar verhindern? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Vortrags von Prof. Hans-Martin Gutmann beim diesjährigen Neujahrsempfang des Evangelischen Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten in Bottrop.

Dort trafen sich zum Beginn des Kirchenjahres rund 200 Gäste aus Kirche und Politik, Unternehmen und Gewerkschaften, Vereinen und Verbänden, Kultur und Verwaltung. "Meine Kraft ist den Schwachen mächtig." Mit der biblischen Jahreslosung für das Jahr 2012 grüßte zu Beginn der stellvertretende Superintendent des Kirchenkreises, Synodalassessor Pfarrer Friedemann Kather (Bottrop) die Gäste und warf zugleich einen Blick auf die vergangenen zwölf Monate.

"Die Achtung des Anderen, die Überwindung von Gewalt, das Vermeiden oder Durchbrechen der Gewaltspirale sind und bleiben für uns eine Herausforderung", sagte Kather mit Blick auf die Morde der rechtsextremistischen Zwickauer Terrorzelle. Ob in der Stadt und Gesellschaft, in der Kirche mit ihren Gemeinden, "einfachte Rezepte wird es nicht geben", zeigte sich Kather überzeugt. Wichtige und ermutigende Schritte fänden oft im Verborgenen statt.

Als Beispiel führte Kather die Arbeit der Evangelischen Sozialberatung Bottrop (ESB) an, die sich seit nunmehr 25 Jahren um die Bedürftigen, Schwachen oder Wohnungslosen in der Stadt kümmert. "Diesen leider von Hass und Gewalt bedrohten Menschen gibt die ESB Schutz, menschliche Wärme und Würde." Da sei die Flüchtlingsarbeit der Evangelischen Kirche in Gladbeck und Bottrop, die sich über viele Jahre hinweg gegen manche Widerstände zum Sprachrohr für die Rechte von Fremden und Flüchtlingen gemacht habe. "Und natürlich auch die tätige Nächstenliebe in den vielen Arbeitsfeldern in unseren diakonischen Einrichtungen", so der Assessor.

Sowohl in der Kirche als auch in der Stadt habe es im sich neigenden Jahr viele Veränderungen gegeben, sagte in seinem Grußwort Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler. Als Beispiel führte er den geplanten Neubau eines neuen Gemeindezentrums an der Martinskirche an. Für die Kirche sei das Projekt eine Herausforderung, böte jedoch gleichzeitig Chancen für die Weiterentwicklung der Arbeit im kirchlichen Raum.

Religionen bringen Gewalt hervor, räumte Prof. Hans-Martin Gutmann in seinem Vortrag ein. Aber sind sie auch gefährlich? "Offenkundig sind sie das. Und das nicht erst seit heute", sagte der Professor für praktische Theologie an der Uni Hamburg. Von den Kreuzzügen im Mittelalter bis zu den Terroranschlägen von 9/11. 

Es gebe auch aktuell kaum einen Gewaltkonflikt, in dem nicht Religion im Spiel sei, gab Gutmann zu bedenken. Die Verbindung von Religion und Gewalt sei also kein Relikt aus alten Zeiten, sondern ein Phänomen, das uns täglich begegne. Die Frage stelle sich aber: Wie könne Gewalt unterbrochen und begrenzt werden?

Gutmanns These: Wenn sich im Gewalthandeln die Unfährigkeit Bahn bricht, sich in die Perspektiven und vor allem das Leiden anderer Menschen einzufühlen, dann könnten Bildung und Ethik fehlende Empathie allein nicht ersetzen. Empathie, also die eigene Reaktion auf die Gefühle Anderer, brauche die Lebensgewissheit, selbst gewollt, geliebt und getragen zu sein. 

"Bei diesen Problemen können Religionen und der christliche Glaube Antworten geben", war sich Gutmann sicher. "Den Raum für die Gewaltunterbrechung bieten dabei unsere Kirchengemeinden, denn sie sind exemplarische Orte für die Bewahrung von Beziehungen und machen die Lebensfreundlichkeit Gottes erfahrbar. Aus ihren Traditionen und Kontexten heraus, mit Erzählungen, Ritualen und alltäglichen Lebenspraktiken." Bu

 

Synode erzielt keine Einigung

Nachdenkliche Gesichter auf der Kreissynode. Das Kirchenparlament des Kirchenkreises konnte sich auf keinen neuen Superintendenten einigen. Foto: Bugzel

Gladbeck - Die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten hat auf ihrer Herbsttagung am Abend des 25. November in Gladbeck die Wahl eines neuen Superintendenten verschoben. Das Kirchenparlament konnte sich auch nach vier Wahlgängen nicht auf einen Kandidaten einigen.

Weder der zur Wahl stehende Synodalassessor (stell. Superintendent) Pfarrer Friedemann Kather noch Pfarrer Ulrich Schulte, beide aus Bottrop, erhielten die erforderliche qualifizierte Mehrheit von 41 Stimmen von den 81 wahlberechtigten Synodalen.

Als Konsequenz aus der Pattsituation entschied sich die Kreissynode, die Wahl ergabnislos zu beenden und beauftragte den Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises, möglichst zeitnah eine neue Wahlsynode vorzubereiten. Damit beginnt das Wahlverfahren für den leitenden Geistlichen des Kirchenkreises wieder bei Null. Der Nominierungsausschuss des Kirchenkreises muss neue Kandidat/innen benennen. Die Superintendentenwahl war nach der Wahl von Altsuperintendent Detlef Mucks-Büker zum theologischen Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche in Oldenburg notwendig geworden. Das Amt wird künftig im Nebenamt ausgeübt.

Zu Beginn der Kreissynode überbrachte der Gladbecker Altprobst Karl-Heinz Berger die Grüße der Katholischen Kirche und versicherte, die gute ökumenische Arbeit in der Stadt auch weiterhin fortsetzen zu wollen. Für die Stadt Gladbeck grüßte die stellvertretende Bürgermeisterin Brigitte Puschadel. Sie wünschte dem Kirchenkreis, den "Spagat zwischen den vielfältigen kirchlichen Aufgaben im Kirchenkreis und den schwindenden Finanzen" zu meistern.

Im weiteren Verlauf ihrer Beratungen beschloss die Synode die Errichtung einer kreiskirchlichen Pfarrstelle zur Erteilung Evangelischer Religionslehre an Schulen zum 1. Januar 2012. Als Ergebnis der ausführlichen und teils kontrovers geführten Diskussion um die Finanzen des Kirchenkreises, seiner Gemeinden und des Verbandes Evangelischer Kirchengemeinden Dorsten beschloss die Kreissynode für das Jahr 2012 einen Haushaltsplan in Höhe von 7.954.900 Euro. 

Die Vorsitzende des kreiskirchlichen Finanzausschusses, Ingrid Lebkücher, forderte die Synode auf, trotz erwarteter Mehreinnahmen bei den Kirchensteuerzuweisungen bedingt durch die derzeit gute Konjunktur, den bislang eingeschlagenen Sparkurs konsequent fortzusetzten. Der demografische Wandel, die Turbulenzen in der Euro-Zone sowie die Versorgungslasten für Pfarrer und Kirchenbeamte stellten die Evangelische Kirche auch künftig vor große finanzielle Herausforderungen. 

Mit Blick auf Prognosen, denen zufolge die Zahl der Evangelischen Gemeindemitglieder bis 2040 um 34 Prozent schrumpfe, dürfte sich die reale Finanzkraft der Kirche halbieren, so Lebkücher. Sie forderte die Synode auf, Mehreinnahmen den Rücklagen zuzuführen, um künftige Mindereinnahmen bei den Kirchensteuern abzufederen. "Sparsamkeit ist eine gute Einnahmequelle", zitierte Lebkücher in ihrem letzten Bericht als Finanzausschussvorsitzende den Finanzchef der westfälischen Landeskirche. Bu

 

Beten für furchtlose Kirche

Altsuperintendent Detlef Mucks-Büker wurde mit einem festlichen Gottedienst in sein neues Amt als theologischer Oberkirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg eingeführt. Foto: ELKiO/D

Kirchenkreis/Rastede - Mit einem festlichen Gottesdienst in der St.-Ulrichs-Kirche in Rastede wurde Altsuperintendent Detlef Mucks-Büker in sein neues Amt als theologisches Mitglied des Oberkirchenrates der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg eingeführt.

In seiner Predigt zum Einführungsgottesdienst rief Mucks-Büker dazu auf, für "einen wachsenen Glauben" zu beten. "Wir sollten beten für eine furchtlose Kirche mit mutigen Gemeinden. Für eine Kirche, die rauskommt aus ihren Mauern. Die mit ihrem Schatz, der Botschaft von der Liebe Gottes, wuchert", rief der neue Oberkirchenrat der Gottesdienstgemeinde zu.

Der Oldenburger Bischof Jan Janssen betonte anlässlich der Einführung von Detlef Mucks-Büker: "Nun bekommen wir in unserer weitgehend ländlich geprägten Oldenburger Region eine Stimme dazu, die ihre Erfahrungen, ihre Prägungen mitbringt und einträgt." Er sei sich gewiss, so Janssen, dass sich Mucks-Büker gut in seinen neuen Arbeitsbereich hineinfinden werde. "Mögen Sie auch in diesem Land in Sturm oder Dunkelheit, in Gegenwind und Regen niemals allein sein - dafür möchten wir alle mitsorgen", sagte Bischof Janssen.

Altsuperintendent Mucks-Büker hatte sein neues Amt in Oldenburg offiziell am 1. Oktober angetreten. Er war am 14. Mai zum neuen Oberkirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg auf zehn Jahre gewählt worden und wurde am 27. September in Gladbeck verabschiedet.

Als theologisches Mitglied des Oberkirchenrates ist Mucks-Büker für die Sachgebiete Beratungsstellen, Diakonie, Erwachsenenbildung, Familienbildungsstätten, Gemeindliche Dienste un Fortbildungen, Kindertagesstätten, Schule, Kirche und Freizeit, theologische Fragen und Bildung sowie Religions- und Konfirmandenunterricht verantwortlich. Bu

 

25 Jahre Ev. Sozialberatung Bottrop

Der renommierte Bariton Christoph von Weitzel singt in der "Oper für Obdach" zum Jubiläum der ESB. Foto: privat

Bottrop - In diesem Jahr feiert die Evangelische Sozialberatung Bottrop (ESB) einen runden Geburtstag. Seit 25 Jahren bietet die Anlaufstelle in der Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Bottrop soziale Beratung und persönliche Hilfen für Wohnungslose und Arme.

Diesen Anlass feiert die ESB am Donnerstag, 1. Dezember um 18.45 Uhr mit der Aufführung der "Winterreise - Oper für Obdach" mit Bariton Christoph von Weitzel im Kammermusiksaal des August-Everding-Kulturzentrums. Der renommierte Künstler singt europaweit auf den Bühnen großer Konzerthäuser und interpretiert Franz Schuberts Liederzyklus "Die Winterreise" zugunsten von Menschen in Wohnungsnot. Auf Einladung der ESB gastiert er nun in Bottrop. In einem vorangehenden Podiumsgespräch kommen von Wohnungsnot Betroffene zu Wort. Moderiert wird das Gespräch von Jürgen Thebrath, stellv. Chefredakteur des WDR.

"Als sozial engagierte Bottroper die Beratungsstelle in den 1980er Jahren anregten, gab es für Menschen in Wohnungsnot keine speziellen Hilfsangebote vor Ort", erinnert sich ESB-Leiter Wolfgang Kutta. Seitdem habe sich viel getan, so Kutta. "Zugleich sind die Herausforderungen durch steigende Armut, Kürzungen im Sozialbereich und die Einführung von Hartz IV gewachsen."

Der Sozialarbeiter und seine Kollegin Claudia Kretschmer beraten heute jährlich über 500 Menschen in sozialen Schwierigkeiten. Sie helfen bei der Wohungssuche, der Einkommenssicherung und der Regulierung von Schulden. Daneben klären die Mitarneiter der ESB die berufliche Situation der Betroffenen und unterstützen sie bei der Suche nach Arbeit und Beschäftigung.

"Darüber hinaus haben wir im Laufe der Jahre ein umfangreiches Hilfsangebot entwickelt mit Suppenküche, eigenen Wohngruppen und Beschäftigungsangeboten", erklärt Kutta. So habe die ESB im kalten Winter 1993 die Suppenküche Kolüsch aus der Taufe gehoben, die bis heute in jedem Winter täglich bis zu 100 warme Mahlzeiten an Bedürftige ausgibt.

Immer wieder macht die ESB mit Aktionen auf die Lebenssituation von Wohnungslosen und Armen in Bottrop aufmerksam. Auf großes Medieninteresse stieß etwa im Juni 1993 die Aktion zur europaweiten "Nacht der Wohnungslosen". Dabei wurde die Bottroper Bevölkerung ermutigt, eine Nacht als Wohnungslose unter freiem Himmel zu verbringen. Ende 2008 hat die ESB unter dem Titel "Lebensbilder von der Straße" ein Fotobuch mit Porttraits von Menschen in Wohungsnot herausgegeben. Im Oktober 2010 hat das Team der Beratungsstelle mit dem Fotoprojekt "Menschen mittendrin und doch am Rande" versucht, Vorurteile gegenüber Wohnungslosen und sozialen Außenseitern auf dem Berliner Platz abzubauen.

Karten für das Jubiläumskonzert zum Preis von 17 Euro (ermäßigt 12 Euro) sind im Evangelischen Gemeindebüro, Osterfelder Straße 11 in Bottrop, bei der ESB, Kirchhellener Straße 62 in Bottrop oder unter www.esb-bottrop.de erhältlich. Bu

 

Gott segne das ehrbare Handwerk

Die Mitarbeit im Verein Evangelischer Handwerker Bottrop lohne sich, versichert der 1. Vorsitzende Ingo Söhngen. Foto: Bugzel

Bottrop - Mit einem Festgottesdienst in der Martinskirche und einem großen Empfang feierte der Verein Evangelischer Handwerker Bottrop jetzt sein 100-jähriges Bestehen. Für Ingo Söhngen, erster Vorsitzender des rund 85 Mitglieder starken Vereins, Grund genug Rückschau zu halten und zuversichtlich in die Zukunst zu blicken, denn "dank der großen Motivation unsrer Mitglieder wird der Verein auch das nächste Jahrhundert bestehen."

Der Verein Evangelischer Handwerker Bottrop sammelt seit einem Jahrhundert Frauen, Männer und Jugendliche christlichen Bekenntnisses, insbesondere selbstständige und nicht selbstständige Handwerker in seinen Reihen, die es als ihre Aufgabe ansehen, in der Gesellschaft auf christlicher Grundlage sozialethisch zu wirken und die Interessen des Handwerks überall zu vertreten. Besonders freute sich Söhngen über eine Reihe von jungen Mitgliedern, die neue Ideen in den Traditionsverein einbringen. "Bei uns sind nicht nur die klassischen Handwerksberufe vertreten, sondern auch Rechtsanwälte und Ingenieure."

Für die Stadt Bottrop würdigte Bürgermeisterin Monika Budke das langjährige Wirken des Vereins, insbesondere in der Zeit des Wiederaufbaus. "Sie haben Krisen, den Strukturwandel und neue Belastungen überstanden und sind verlässlicher Ansprechpartner für die Sorgen und Nöte Ihrer Mitglieder." Lobende Worte fand Budke für die regen Kontakte des Vereins zu anderen sozialen und christlichen Gruppen und Gemeinschaften wie der Kolpingfamilie, der KAB und dem CVJM, "ein schöner Beweis für die Ökumene in der Stadt."

Die Tradition des Handwerkervereins geht bis ins Mittelalter zurück, als sich Zünfte und Innungen bildeten, die Handwerksstände zusammenführten und dafür sorgten, Stand und handwerkliches Leben weiter zu entwickeln, Einfuss in der damaligen Gesellschaft ausübten und zu verteidigen. Für die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Handwerk stehen zum einen Adolf Kolping und zum anderen der Evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts für die Sorgen und Nöte der Handwerksgesellen einsetzten. 

Wichern entwickelte 1848 sein Konzept der "Inneren Mission" auf dem 1. Evangelischen Kirchentag in Wittenberg. Ihm ging es "nicht so sehr um die Schranken zwischen Katholiken und Protestanten, jetzt geht es allein um die soziale Sache und um christliche Nächstenliebe." Und so bemühten sich die Handwerkervereine auch in der Folgezeit, Mitglieder zu sammeln, um an der Lösung sozialer und gesellschaftlicher Probleme mitzuwirken.

"Die Ziele von Wichern wurden im Verlauf der langen Geschichte unseres Vereins nie aus den Augen verloren und werden weiter Wurzeln unseres Handelns sein", versicherte dann auch Ingo Söhngen. Die enge Bindung an die Martinskirchengemeinde, regelmäßige Vereinsabende mit aktuellen Themen und sachkundigen Referenten, Jahreshauptversammlung, Adventsfeier, Studienreisen und Tagesausflüge kennzeichnen heute das Vereinsleben. "Wir suchen die Zusammenarbeit mit allen auf dem Gebiet der Sozialarbeit und des Handwerks tätigen Organisationen. Die Arbeit unseres Vereins ist übergemeindlich", erklärte der erste Vorsitzende. Jeder, der sich angesprochen fühlt, sei im  Verein herzlich willkommen. Söhngen: "Mitarbeit bei uns ist nicht einfach, aber es lohnt sich!" Bu

 

Kreiskirchliche Kollekte

Gemeinsam mit ihren Partnern vor Ort unterstützt die Diakonie Katastrophenhilfe die Dürreopfer in Ostafrika. Foto: Diakonie Katastrohenhilfe

Kirchenkreis - Die Kollekte des Evangelischen Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten in den Gottesdiensten am Sonntag, 6. November, ist für die Diakonie Katastrophenhilfe Ostafrika bestimmt.

Denn die Menschen in den Ländern am Horn von Afrika sind am Ende ihrer Kräfte. Die schlimmste Dürre seit 60 Jahren hält die gesamte Region im Griff, teilte die Diakonie Katastrophenhilfe mit. Mehr als zehn Millionen Menschen litten unter den schwierigen Bedingungen. Angesichts der dramatischen Ausmaße der verheerenden Dürre in Ostafrika habe die Daikonie Katastrophenhilfe ihre Unterstützung für die Opfer erheblich ausgeweitet.

Besonders dramatisch sei die Situation in Äthiopien und Kenia. Für Teile Somalias hätten die Vereinten Nationen offiziell eine Hungersnot ausgerufen, heißt es. Zehntausende Menschen seien bereits an den Folgen der Unterernährung gestorben, besonders Kinder und alte Menschen seien betroffen. Diejenigen, die sich noch auf den Beinen halten können, fliehen auf der verzweifelten Suche nach Wasser und Nahrung, informiert die Diakonie. 

Sie hat momentan drei Schwerpunkte in der Dürreregion. In Somalia werden in Mogadischu und auf dem Land Trinkwsser und Nahrungsmittel verteilt sowie Tiefbrunnen gebaut. In Kenia unterstützt die Diakonie Katastrophenhilfe die Partner im globalen kirchlichen Hilfswerk ATC Alliance im Flüchtlingslager Dadaab und in Äthiopien werden Dürreopfer in der Region Afar unterstützt.

All diesen Menschen leistet die Diakonie die dringend benötigte Hilfe. Für die umfangreiche Unterstützung der Hungernden in Ostfarika bittet das Evangelische Hilfswerk dringend um Spenden. Die Kollekte des Kirchenkreises soll dazu ein Beitrag sein. Bu

 

Kirche soll erhalten werden

Der Gladbecker Unternehmer Martin Schmidt will die Martin-Luther-Kirche in Gladbeck-Rentfort kaufen. Foto: Bugzel

Gladbeck - Mit dem Gladbecker Martin Schmidt hat sich ein Privatmann bereit erklärt, die Martin-Luther-Kirche in Gladbeck-Rentfort auf der Basis der Erbpacht kaufen. Im Gegenzug mietet die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Gladbeck das Gotteshaus an der Josefstraße und den benachbarten Kindergarten wieder zurück. Der Pfarrbezirk erhält dabei die Option, das Gotteshaus für zunächst drei Jahre weiter zu nutzen. Eine Verlängerung hat der Unternehmer in Aussicht gestellt.

Dies erfuhren zahlreiche Gemeindeglieder im Rahmen einer Gemeindeversammlung im Beisein des 44-jährigen Investors, der sich ihren Fragen stellte. Im sei durchaus bewusst, dass es sich im ein "schwieriges und sensibles" Thema handele, erklärte Schmidt. Er ist der Evangelischen Kirche in Gladbeck-Mitte seit langen Jahren eng verbunden. Als Kaufmann denke er natürlich unternehmerisch und wolle mit dem Kauf Geld verdienen. "Ich erhalte die Mieteinnahmen, das Restsisiko bleibt aber auf meiner Seite." 

Trotz des großen Sanierungsbedarfs sieht Schmidt Chancen für weitere Nutzungsmöglichkeiten des Gebäudeensembles. Die Kirche will er so erhalten, wie sie ist. "Es wird keinen Abriss und keinen Neubau geben, wohl aber Verschönerungen", sicherte er der versammelten Gemeinde zu. Darüber hinaus könnte er sich vorstellen, zusätzliche kulturelle Angebote in das Rentforter Gotteshaus zu holen. "Ich denke da an Literaturabende, Lesungen, Ausstellungen, Jazzkonzerte und auch Trauer- und Hochzeitsfeiern." Und auch in die benachbarte Kindertagesstätte will Martin Schmidt investieren, die Einrichtung fit machen für die neuen Anforderungen der geplanten U-3-Betreuung.

Erfahrungen hat Schmidt bereits mit einem ähnlichen Projekt in Gelsenkirchen-Horst gesammelt. Dort erwarb er vor zwei Jahren die geschlossene Jacobuskirche und schloss einen langjährigen Mietvertrag mit einem Bestattungsunternehmer ab, der nun die Kirche als Abschiedsraum nutzt. "Mein vorrangiges Ziel ist es, die Martin-Luther-Kirche zu erhalten", versicherte Schmidt der Gemeinde.

Neben breiter Zustimmung zu den Verkaufsplänen klang auch Kritik aus den Reihen der Gemeindeversammlung an. Warum es keine öffentliche Ausschreibung gegeben habe, fragte eine Teilnehmerin. Warum habe man nicht das Interesse anderer Investoren eingeholt? Und warum habe es die Kirche versäumt, bei der Umnutzung von Kirchen selbst unternehmerisch tätig zu werden?

Zuvor hatten die Pfarrer Dietmar Chudaska und Gabriele Anicker die Entwicklung der letzten vier Jahre Revue passieren lassen. "Es waren stürmische und bittere Zeiten", erinnerten sich die beiden Seelsorger, die auf die bedenkliche demografische und die daraus resultierende finanzielle Entwicklung hinwiesen. Bereits 2008 habe die Kirchenschließung im Raum gestanden, "und heute sind wir vier Jahre weiter". Aus eigener Kraft könne die Gemeinde die anstehenden erheblichen Sanierungskosten der Gebäude nicht leisten und die Kirche erhalten.

Dem geplanten Verkauf zugestimmt hat bereits das Presbyterium der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Gladbeck. Nun müssen noch der Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten und die westfälische Landeskirche grünes Licht geben. Bu


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