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EVANGELISCHER KIRCHENKREIS GLADBECK-BOTTROP-DORSTEN

Nachrichten

 

Die Not ist immer noch groß

Pfarrer Ulrich Schulte ehrte Ursula Heinzerling (m.) mit einem Blumenstrauß für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in der Kleiderkammer. Foto: Bugzel

Bottrop - Seit 25 Jahren besteht die Kleiderkammer der Evangelischen Kirche Bottrop hinter der Martinskirche. Genau so lange ist Ursula Heinzerling mit dabei und öffnet jeden Mittwoch von 10 bis 11.45 die Türen der Kammer im Keller des Gemeindeamtes. Begonnen hatte man seinerzeit mit einer Kleiderstange und einem Tresen. Später kamen noch Sortier- und Lagerräume hinzu und es sieht ganz so aus, als müsste dieser Dienst an den Menschen noch lange fortgeführt werden.

"Die Not ist noch da", sagt Pfarrer Ulrich Schulte von der Martinskirche. Er befürchtet, dass sie künftig noch größer werden wird und weist darauf hin, dass auch die Diakonie einen Second-Hand-Laden eröffenen wird. Die Idee, eine Kleiderkammer einzurichten, wurde vor 25 Jahren von dem damaligen Gemeindepfarrer Bernward Wolf und Gemeindeglied Walli Beyer aus der Taufe gehoben. Seit dieser Zeit ist auch Ursula Heinzerling mit dabei. Sie wurde jetzt für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet.

Damals, so erinnert sich Ursula Heinzerling, kamen noch in der Mehrzahl Flüchtlinge, Asylbewerber und Durchreisende in die Kammer. Diese Gruppen seien heute kaum noch vertreten. Ihrer Ansicht nach kämen weniger Menschen. "Aber die Not ist noch da, schämen sich die Menschen vielleicht?" Es gebe aber auch Stammkunden, die jede Woche nachfragen. Darunter auch solche, die von der Evangelischen Sozialberatung Gutscheine erhalten haben, denn die Kleidungsstücke gibt es nicht umsonst.

"Wir haben festgestellt, dass nicht nur das Nötigste abgeholt wurde", erinnert sich Pfarrer Schulte. Man habe schon Kleidung auf dem Trödelmarkt wieder gefunden. Und so muss, wer keinen Gutschein hat, einen kleinen Obulus entrichten. Was eingenommen wird, fließt guten Zwecken zu. Das kann die Kinderkrebshilfe sein, aber auch die eigene Kirchengemeinde, die z.B. dringende Baumaßnahmen durchführen muss, wie jetzt am Glockenturm der Martinskirche. Bu

 

Grußwort des Superintendenten zu 2009

Superintendent Detlef Mucks-Büker. Foto: Bugzel

Kirchenkreis - Wie wird das neue Jahr? Was erwarten wir uns davon? Diese Fragen stellt sich Superintendent Detlef Mucks-Büker in seinem Grußwort zum neuen Jahr 2009. Der leitende Theologe des Evangelischen Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten schreibt:

"Wird uns die Wirtschaftskrise so erwischen, wie vielfach angekündigt und befürchtet? Oder wird es schon nicht so schlimm werden? "Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich." Mit diesem Jesuswort aus dem Lukasevangelium gehen die Evangelischen Kirchen in das neue Jahr 2009. Heißt das also: hoffen auf ein Wunder? Und was ist, wenn das Wunder ausbleibt?

Wahrscheinlich ist es so wie häufig: wer immer schon den Gürtel enger schnallen muss, wird noch weniger haben. Was hilft es, dass das Kindergeld erhöht wird, wenn die Preissteigerungen für Strom und Krankenkasse das bisschen Mehr schnell wieder auffressen? Wer dagegen über gut gepolsterte Rücklagen verfügt, kann dem Ganzen mehr oder weniger gelassen entgegensehen. Leider sieht es so aus, dass sich unsere Gesellschaft immer mehr entsprechend aufteilen lässt: in solche, die mit berechtigter Sorge in die Zukunft blicken und solche, die wenig Anlass zu solcher Sorge haben.

Und leider ist festzustellen, dass der Anteil derjenigen, die sich sorgen, wächst. Das gilt inzwischen sogar für ganze Regionen in Deutschland. Auch das Ruhrgebiet, insbesondere die Emscher-Lippe-Region, steht in einer Entwicklung, die Sorgen bereitet. Immer wieder werden vielfältige Bemühungen der lokalen Politik zunichte gemacht durch größere Entwicklungen, die sich nachteilig auf unsere Region auswirken. Trotz des kleinen wirtschaftlichen Aufschwungs der vergangenen zwei Jahre ist die Zahl der Sozialhilfeempfänger gewachsen. Auch die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss hat zugenommen. Ebenfalls gibt es deutlich weniger Abiturienten als anderswo. Für 2009 steht zu befürchten, dass die Arbeitslosenzahl wieder nach oben schnellt.

Wie lässt sich angesichts solcher Wirklichkeiten den Menschen noch Hoffnung vermitteln? So fragt die christliche Kirche. Sie muss so fragen, weil es ihr nicht gleichgültig sein kann, wie es den Menschen in ihren Gemeinden geht. Aber es kann auch nicht beim Fragen allein bleiben. Antworten sind gefordert in Wort und Tat. Den Predigten in den Gottesdiensten am Sonntag stellt die Kirche ihr Handeln im Dienst am Menschen während des Alltags an die Seite. Ob Suppenküchen oder Sozialkaufhäuser, ob ehrenamtliche Besuchsdienste in den Altenpflegeheimen der Diakonie oder professionelle Beratung für Obdachlose: Die christliche Botschaft will erfahrbar sein für die, die sich anders nicht mehr zu helfen wissen.

Kirche will ein Vorbild sein für alle. Denn nicht nur die christlichen Gemeinden, sonder jeder ist aufgerufen, mitzuhelfen, diese eine und letzte Hoffnung nicht dran zu geben an die allgemeine Resignation: dass es in allem Leid und in aller Not immer noch eine Adresse, eine Anlaufstelle oder ganz einfach einen Menschen gibt, wo es Hilfe gibt. Nur so kann sich erfüllen, was die Jahreslosung für 2009 zum Ausdruck bringt: "Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich." 

Hierbei geht es gerade nicht um das Hoffen auf ein Wunder. Jesus richtet diesen Satz an einen "reichen Jüngling". Und meint dabei eine Lebenseinstellung, die sich auf Liebe und Barmherzigkeit ausrichtet statt auf Leistungsdenken und finanzielle Sicherheiten. In der konkreten Solidarität der Starken mit den Schwachen und der Reichen mit den Armen löst sich der Anspruch einer Gesellschaft ein, halbwegs gerecht zu sein. Diesen Anspruch gilt es, immer wieder einzufordern, nicht nur von den Kirchen, sondern von allen Teilen der Geselllschaft.

Ihren Anstrengungen um Barmherzigkeit und Gerechtigkeit aber setzt die Kirche mit der Jahreslosung 2009 ihre Hoffnung zur Seite: dass nämlich Gott selbst das Tun des Menschenmöglichen das hinzu fügen wird, was dem Menschen nicht möglich ist. Getragen von dieser Hoffnung wünsche ich allen Menschen im Evangelischen Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten ein gesegnetes neues Jahr 2009."

Superintendent Detlef Mucks-Büker

 

Pfrn. Jutta Wilke am Berufskolleg eingeführt

Pfarrerin Jutta Wilke(r.) wurde von Superintendent Detlef Mucks-Büker (m.) am Berufskolleg Gladbeck als neue Religionslehrerin eingeführt. Foto: Bugzel

Gladbeck - Mit einem Gottesdienst in der neuen Aula wurde Pfarrerin Jutta Wilke von Superintendent Detlef Mucks-Büker in ihr neues Amt als Religionslehrerin am Berufskolleg Gladbeck eingeführt.

Es sei ihre Aufgabe, nicht nur Evangelischen Religionsunterricht zu erteilen, sondern auch gemeinsam mit den Schülern und dem Kollegium das Schulleben zu gestalten, sagte Superintendent Mucks-Büker. Keine leichte Aufgabe, "denn wer versteht heute noch die Bibel?". Pfarrerin Wilke müsse daher in ihrem neuen Amt Gottes Wort in die heutige Sprache übersetzen. Mucks-Büker: "Ein neues Experiment."

Viele ihrer Schüler hätten trotz ihrer Jugend bereits verschlungene Lebenswege hinter sich, sagte Pfarrerin Wilke in ihrer Einführungspredigt. Mit Enttäuschungen und Hoffnungslosigkeit. Daher sei es ihr in ihrem neuen Dienst wichtig, auch in schwierigen Situationen ruhig, verlässlich und den Schülern zugewandt zu bleiben. Die Schule sei mehr als ein Ort des Lernens. "Es ist auch ein Ort, an dem der Mensch zählt." Ihr Traum von einer guten Schule sei es, jeden Menschen ganzheitlich zu sehen. "Neben der Leistung sind auch Soilidarität und Fairness gefragt."

Jutta Wilke wurde in Werne a.d. Lippe geboren und wuchs in Münster auf. Dort, in Wien und Heidelberg hat die 45-jährige Seelsorgerin Evangelische Theologie studiert. Ihr Vikariat (praktische Ausbildung) absolvierte sie in Dorsten-Wufen und war anschließend in der Kirchengemeinde Dorsten-Hervest tätig. Danach verah Pfarrerin Wilke elf Jahre lang ihren Dienst in der Kirchengemeinde Recklinghausen-Süd, bevor sie zum Berufskolleg Gladbeck wechselte. Hier folgt sie Pfarrer Olaf Uebelgünn, der im Sommer dieses Jahres als Projektleiter zum Martin Luther Forum Ruhr ging.

Am Gladbecker Berufskolleg muss sich Jutta Wilke nun neuen Herausforderungen stellen. Rund 400 Schülerinnen und Schüler unterrichtet sie, darunter zahlreiche Muslime. "Da gibt es Diskussionen, die mich als Theologin fordern. Das finde ich schon sehr spannend." Bu

 

Suppenküche "Kolüsch" wieder eröffnet

"Mister Kolüsch" alias Erich Skoda ist wieder im Einsatz. In der Suppenküche werden täglich rund 100 warme Mahlzeiten an Bedürftige ausgegeben. Foto: Bugzel

Bottrop - Der Duft von Grünkohl mit Mettwurst lässt den Anwesenden das Wasser im Mund zusammenlaufen. Seit kurzem ist die Suppenküche "Kolüsch" der Evangelischen Sozialberatung Bottrop (ESB) wieder geöffnet. Und zwar zum 16. Mal in Folge. Bis zum 13. März 2009 werden im Pfarrheim St. Barbara im Ortsteil Lehmkuhle werktäglich mittags warme Mahlzeiten für Wohnungslose und bedürftige Bügerinnen und Bürger kostenlos ausgegeben.

Rund 100 Portionen wandern Tag für Tag auf die liebevoll gedeckten Tische und in die Mägen der hungrigen Gäste. Gekocht von einer Bottroper Großküche. Serviert wird das Essen von ehrenamtlichen Helfern, die in der Mehrzahl selbst Gäste der Suppenküche sind oder waren. Mit ihrem Engagement danken sie quasi für die Hilfe, die sie elbst erfahren haben, erklärt Wolfgang Kutta von der ESB.

Einen Teil der Kosten trägt das Sozialamt der Stadt Bottrop, der Nachtisch, Getränge und Obst werden über Spendengelder finanziert. "Gerade habe ich wieder einen ganzen Stapel Spendenquittungen unterschrieben", verriet Pfarrer Ulrich Schulte am Rande der Eröffnung. Das habe von der kleinen Fünf-Euro-Spende bis hin zu Einzelspenden über 1000 Euro gereicht. "Für mich ein Zeichen für die breite Akzeptanz der Suppenküche bei der Bevölkerung." Die Suppenküche sei auch ein Ort, an dem man Beratung finde und sich austauschen könne.

Viele Jahre lang war die Suppenküche im alten Betsaal an der Gnadenkirche in Bottrop-Eigen beheimatet. Im letzten Jahr erfolgte der Umzug ins Pfarrheim St. Barbara, nicht zuletzt auch ein ökumenisches Zeichen. Für eine Reihe von Gästen sei die Lage nicht unproblematisch, da sie zur Anfahrt öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch nehmen müssten, erkannte Renate Palberg. Die Vorsitzende des Sozialausschusses versprach, sich für Vergünstigungen einzusetzen.

Die Ernährung auf der Straße und/oder beim Bezug von Hartz IV gestalte sich äußerst schwierig, weiß Wolfgang Kutta. "Wohnungslose können sich nichts kochen." An Bevorratung sei nicht zu denken. "Oft fehlen auch die finanziellen Mittel, um sich regelmäßig und gesund zu ernähren." Gerade deshalb sind auch bedürftige Bottroper Bügerinnen und Bürger auch mit Kindern eingeladen."

Spenden für die Suppenküche "Kolüsch" können direkt auf das Konto 2089 bei der Sparkasse Bottrop, BLZ 424 512 20 eingezahlt werden. Bu

 

Kirchenkreisplakette für Johannes Schildmann

Für besondere Verdienste in Kirche und Diakonie ehrte Superintendent Detlef Mucks-Büker (l.) am Rande des Neujahrsempfangs Pfarrer Johannes Schildmann mit der bronzenen Plakette des Kirchenkreises. Foto: Bugzel

Bottrop - Pfarrer Johannes Schildmann (Bottrop) ist mit der bronzenen Plakette des Evangelischen Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten ausgezeichnet worden. Auf dem Neujahrsempfang des Kirchenkreises in Bottrop zu Beginn des neuen Kirchenjahres ehrte Superintendent Detlef Mucks-Büker den theologischen Vorstand des Diakonischen Werkes Gladbeck-Bottrop-Dorsten für dessen besondere Verdienste in Kirche und Diakonie. Schildmann leitet seit 1998 gemeinsam mit Karl-Heinz Kinne das Diakonische Werk. Der 58-jährige Theologe kann in diesem Jahr auf sein 30-jähriges Dienstjubiläum im Pfarramt und sein 30-jähriges Ordinationsjubiläum zurückblicken.

In seinem Grußwort an die rund 200 Gäste aus Kirche und Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sagte Superintendent Mucks-Büker mit Blick auf die finanzwirtschaftlichen Ereignisse der letzten Monate: "Der Kirchenkreis wie auch die westfälische Landeskirche haben sich nicht an riskanten Spekulationsgeschäften beteiligt und somit auch keine angelegten Gelder verloren." Hier habe sich die vorsichtige Anlagepolitik der Verwaltung im Sinne einer verantwortungsbewussten Haushalterschaft ausgezahlt. Dies hätten dagegen Tausende so genannter Finanzfachleute in den vergangegen Jahren vermissen lassen. "Die moralisch-ethischen Verwerfungen, die bis zuletzt dabei zutage traten, sind  erschütternd und haben einen Vertrauensverlust in der Gesellschaft hervorgerufen, dessen Ausmaß wir noch gar nicht beschreiben können."

Die Kirche darf und müsse auf Missstände hinweisen, sagte Bottrops Oberbürgermeister Peter Noetzel in seinem Grußwort. In der Krise suchten die Menschen verstärkt Orientierung und die Nähe der Kirche, die Zeichen gegen Vereinsamung und Isolation setze. "Nutzen Sie Ihre Freiheit, Ihre andere Sicht der Dinge darzustellen", sagte das Stadtoberhaupt an die Vertreter der Konfessionen gerichtet.

Die Politik und Gesellschaft müssten die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise als Chance nutzen und die große Gerechtigkeitslücke in Deutschland schließen, forderte Gastreferent Sven Giedold in seinem Vortrag "Fair teilen statt sozial spalten". Der Prozess der Globalisierung brauche klare staatliche Regeln, "ohne Regeln führt das sonst in eine tyrannische Ökonomie", sagte das Präsidiumsmitglied des Deutschen Evangelischen Kirchentags und Gründungsmitglied der globalisierungskritischen Organisation Attac. 

Giegold rief dazu auf, Steueroasen zu schließen und Unternehmensgewinne stärker zu besteuern. Daneben forderte er massive Investitionen in Bildung und erneuerbare Energien, dies sei auch im Interesse der Wirtschaft. Die Kirche forderte Giegold auf, klare Positionen zu beziehen und nicht jedem "nach dem Mund zu reden". Christsein bedeute, sozialethisch an der Seite der Schwachen zu stehen. Bu

 

Kirche soll Politik möglich machen

Pfarrer Peter Bukowski, Moderator des Reformierten Bundes in Deutschland. Foto: Bugzel

Gladbeck - Am Pfingstfest 2009 jährt sich zum 75. Mal die Verabschiedung der Theologischen Erklärung von Wuppertal-Barmen. 1934 war sie ein mutiges Zeichen gegen die totalitären Ansprüche des Nationalsozialismus auch gegenüber den Kirchen. In ihrer fünften These erinnert die Erklärung von Barmen den Staat an seine zentrale Aufgabe, "in der noch nicht erlösten Welt...für Recht und Frieden zu sorgen". Diese fünfte These stand im Mittelpunkt des Vortrags "Politik als Wohltat - Barmen heute bedacht", den Pfarrer Peter Bukowski, Moderator des Reformierten Bundes in Deutschland und Direktor des Seminars für pastorale Aus- und Fortbildung in Wuppertal, im Gladbecker Bonhoeffer-Haus hielt.

Bukowski sprach im Rahmen der Projektwoche "Globalisierung gestalten" zu der der Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten eingeladen hatte. Auch nach 75 Jahren sei die Barmer Erklärung zum Verhältnis von Staat und Kirche "wegweisend" und erfahre vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise "beklemmende Aktualität", sagte Bukowski. Auch heute noch sei es Aufgabe des Staates, für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen. 

An die Politiker appellierte der 58-jährige Theologe, ihre Verantwortung für die Menschen wahrzunehmen. Auf der anderen Seite dürfe der Staat "niemals vergöttlicht" werden, die Politik sei ein weltliches Geschäft. Eindringlich warnte Bukowski davor, Politik religiös aufzuladen. "Wenn dies geschieht, wird Politik gefährlich", sagte er mit Blick auf die politische Entwicklung in den USA unter Präsident George W. Bush. So habe eine religiös motivierte und öffentlich inszenierte Lüge den Irak-Krieg ausgelöst. Bukowski: "Was ist das für ein Politikverständnis?"

Für Recht und Frieden zu sorgen bedeute aber auch, die Qualität des Zusammenlebens nach dem Maßstab der Gerechtigkeit auszurichten. Hier komme der Kirche eine besondere Verantwortung zu. "Die Kirche muss den Staat an seine Aufgaben erinnern und loyal mitarbeiten." Für Christen gebe es keine "verantwiortungslose Zone". Die Kirche müsse ihre Aufmerksamkeit denen schenken, die durch den Rost der sozialen Sicherungssysteme fallen.

Sie müsse Anwalt der Schwachen sein, deren Recht gebeugt werde. "Aber die Kirche kann das nur tun, wenn alles, was wir sagen zur Maxime unseres Lebens und Handelns wird", unterstrich Bukowski. Sie solle Politik möglich machen, auf blinde Flecken hinweisen und so mitgestalten, "dass es für möglichst viele Menschen besser wird." Bu

 

Gegen das namenlose Vergessen

Er beschäftigt sich bereits seit 2001 mit dem Thema Euthanasie: Pfarrer Johannes Schildmann, theologischer Vorstand des Diakonischen Werkes Gladbeck-Bottrop-Dorsten. Foto: Bugzel

Bottrop - Am 1. September 2009 jährt sich der so genannte Euthanasie-Befehl Adolf Hitlers, der 300.000 Menschen mit Behinderungen den Tod brachte, zum 70. Mal. Unter dem Motto "Gegen das namenlose Vergessen" hat das Diakonische Werk Gladbeck-Bottrop-Dorsten gemeinsam mit engagierten Bottroper Bürgern eine Projektgruppe ins Leben gerufen, die den namenlosen Opfern der Euthanasie ein Gesicht geben, sie in Erinnerung rufen will. Denn auch in Bottrop sind Menschen mit Behinderungen in Anstalten gebracht und von dort aus in Vernichtungslager deportiert worden.

Ihre Zahl schätzt Diakoniepfarrer Johannes Schildmann auf rund 100. "Darüber hinaus wissen wir noch gar nicht, wie viele Kinder und Jugendliche direkt aus ihren Familien gerissen und in Lager wie Hadamar oder Eichberg kamen." Zu den ermordeten Euthanasie-Opfern kommen noch 500.000 Betroffene von Zwangssterilisationen hinzu.

"Unser Ziel ist es, diesbezügliche Akten zu sichten und aufzuarbeiten. Denn ihr Schicksal ist auch in Bottrop noch nicht aufgearbeitet worden", so Schildmann. Die Projektgruppe plant Aktionen und Veranstaltungen rund um den 70. Jahrestag im Herbst 2009, mit der sie an die Verbrechen der Euthanasie und an das Schicksal der Bottroper Opfer erinnern will. Ohne volle Namensnennung allerdings. Denn hier seien auch dunkle Punkte von Familiengeschichten berührt, sagt Stadtarchivarin Heike Biskup. "Wir wollen auch aktuelle ethische Bezüge herstellen, denn die Vergangenheit ist nicht mit den Opfern vor 70 Jahren gestorben", erklärt Schildmann.

Auf der Suche nach den Opfern kann die Projektgruppe auf die Angaben aus exakt geführten damaligen Gesundheitsamtsakten zurückgreifen, die Daten zu den einzelnen dem Tode geweihten Menschen enthalten. Über die Rassengesetze der Nazis gab es ein Erfassungssystem für behinderte Kinder. Oft waren es wohl die Hausärzte, die die Ämter informieren mussten. Für Pfarrer Schildmann gibt es eine innere Verbindungslinie von den Euthanasie-Opfern zu den später ermordeten Juden. "An Behinderten wurde vorexerziert, was später im großen Stil mit den Juden gemacht wurde." So seien Vergasungstechniken zuerst an Behinderte ausprobiert worden.

"Der Projektgruppe ist es besonders wichtig, mit Bottroper Bürgern ins Gespräch zu kommen, die selbst oder durch den Verlust von Angehörigen mit Behinderungen betroffen sind", betont Heike Biskup. Betroffene und Angehörige, die etwas über das Schicksal ihrer Familienangehörigen und die Vorkommnisse wissen, können sich zu einem persönlichen und vertraulichen Gespräch direkt mit Pfarrer Johannes Schildmann, Tel. 02041/70628-22 verabreden. Bu

 

Gladbeckerin ist neues Mitglied der Kirchenleitung

Renate Philipp (m.) ist neues Mitglied der Kirchenleitung der EKvW. Der Gladbecker Schulleiterin gratulierten zur Wahl die Synodalen Gudrun Winkel, Dr. Peter Hardetert, Superintendent Detlef Mucks-Büker und Pfarrer Ulrich Schulte (v.l.). Foto: Bugzel

Bielefeld/Kirchenkreis - Mit Renate Philipp stellt der Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten ein neues nebenamtliches Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW). Die Gladbeckerin wurde auf der in Bielefeld-Bethel tagenden Landessynode der EKvW für zunächst vier Jahre in ihr Amt im Leitungsgremium der viertgrößten Landeskirche in Deutschland gewählt. Die Kirchenleitung ist in der EKvW nach der Landessynode das wichtigste Gremium. Es tagt einmal im Monat unter der Leitung des Präses.

Renate Philipp, 1947 in Detmold geboren, studierte Pädagogik und arbeitete seit 1971 als Grund- und Hauptschullehrerin in Gelsenkirchen, zeitweise als Fachleiterin für den Evangelischen Religionsunterricht. 1997 wurde sie Konrektorin und 2001 Schulleiterin der Evangelischen Uhlandschule in Gladbeck. In der Evangelischen Kirche Gladbeck übernahm die Pädagogin lange Jahre Verantwortung als Presbyterin an der Markuskirche und engagierte sich im Stadtkirchenrat als Mitglied des Fachausschusses Schule/Bildung.

"Ich freue mich sehr auf die Arbeit in der Kirchenleitung und speziell im Ausschuss Kirche und Bildung", sagte Renate Philipp am Rande der Landessynode. Sie habe bereits erste Kontakte knüpfen können und fühle sich im Kreise ihrer Kollegen gut aufgenommen.

Mit Superintendent Detlef Mucks-Büker, Pfarrer Ulrich Schulte (Bottrop), Gudrun Winkel (Dorsten) und Dr. Peter Hardetert (Gladbeck) war der Kirchenkreis mit vier Abgeordneten auf der Landessynode vertreten. "Im Mittelpunkt der Synode stand neben den Wahlen zur Kirchenleitung das Thema Kirche und Globalisierung", erklärte Superintendent Mucks-Büker in Bielefeld. Angesichts der weltweiten Finanz-, Wirtschafts- und Klimakrise habe das Thema noch an Aktualität gewonnen. Vor diesem Hintergrund werde die EKvW ein Energie- und Klimaschutzkonzept entwickeln, das alle Bereiche kirchlichen Handelns umfasse. "Dies bedeutet eine Verminderung der CO2 Emissionen um 40 Prozent bis 2020 auf der Basis von 1990."

Für die Kirchengemeinden bedeute dies, bei Veranstaltungen auf CO2 Neutralität und Umweltverträglichkeit zu achten, sagte Pfarrer Ulrich Schulte. Auch beim Konsumverhalten stehe die Kirche selbst in der Pflicht, möglichst schöpfungsgerecht zu handeln und fair gehandelten Produkten den Vorzug zu geben.

Das Kirchenparlament habe sich auch für ein großzügigeres Bleiberecht für Flüchtlinge ausgesprochen, hoben die Synodalen Hardetert und Winkel hervor. Die 2009 auslaufende gesetzliche Altfallregelung müsse verlängert werden, damit Flüchtlinge die Chance haben, sich beruflich zu qualifizieren und ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Die EKvW habe auf der Landessynode eine positive Abschlussbilanz ihres Reformprozesses "Kirche mit Zukunft" gezogen, betonte Superintendent Mucks-Büker. Die Reformen müssten nun innerhalb der Kirchenkreise und -gemeinden weitergeführt werden. "Dazu sollen sie in zwei Jahren eine Konzeption erarbeiten, in der sie ihre Schwerpunkte und Stärken festlegen", erläuterte Mucks-Büker. Dies sei eine Chance, sich nicht mehr nur vom Rotstift treiben zu lassen, sondern das Heft des Handelns an den aufgestellten Leitlinien anzupacken. Bu

 

 

Pfarrer Bernd Münker verlässt Rhade

Auch die Kinder des Kindergottesdienstteams verabschiedeten ihren Pfarrer Bernd Münker ins Siegerland. Foto: Bugzel

Dorsten - Im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Anschluss an den Sonntagsgottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche, Rhade, verabschiedete die Gemeinde Holsterhausen an der Lippe ihren Pfarrer Bernd Münker. Der 42-jährige Seelsorger verlässt nach fünfjährigem Dienst Rhade und Lembeck und tritt eine neue Pfarrstelle in der Evangelisch-Reformierten Gemeinde Eiserfeld im Kirchenkreis Siegen an. Damit kehrt Münker, der aus Ferndorf stammt, zu seinen heimatlichen Wurzeln zurück.

Bern Münker ist vereiratet und hat drei Kinder. Sein Weggang zu diesem Zeitpunkt sei auch im Interesse der Kinder günstig, sagte Münker. Zwei seiner Kinder sind gerade erst eingeschult und bei seinem Sohn stehe 2009 sowieso ein Schulwechsel an, begründete Bernd Münker seinen Entschluss.

Fünf Jahre lang hat der Pfarrer in Rhade und Lembeck seinen Dienst versehen, "eine kurze Zeit". Es seien bewegte und unruhige Jahre gewesen. Besonders wehgetan habe ihm die Schließung des Gemeindezentrums in Lembeck. "Das war eine ganz schwierige Phase und hat keinem gut getan."

Für seine Gemeinde in Rhade wünscht sich Bernd Münker, dass seien Initiativen von Bibelkreis und zwei Hauskreisen, die sich mit reformatorischen Glaubensfragen beschäftigen, Früchte tragen und bestehen bleiben. Er nehme viele positive Erfahrungen an seine Zeit in Dorsten mit ins Siegerland, bekräftigte der scheidende Pfarrer, der sich auf die Herausforderungen, die ihn im Kirchenkreis Siegen erwarten, freut.

Mit dem Weggang von Bern Münker sinkt die Zahl der Evangelischen Pfarrstellen in Dorsten von sieben auf noch sechs. Die pfarramtliche Versorgung in Rhade und Lembeck übernehmen in den nächsten Monaten die Pfarrer aus Holsterhausen und Dorsten-Altstadt. Bu

 

Der singende Lukaskindergarten

Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen, sagte der weltberühmte Geiger Lord Yehudi Menuhin. Den Wahrheitsgehalt dieser Aussage stellen die neuen Singpaten und die Kinder des Gladbecker Lukaskindergarten einmal pro Woche unter Beweis. Foto: Bugzel

Gladbeck - Einfacher kann es doch gar nicht gehen: Senioren singen gerne und haben Zeit. Kinder singen ebenso gerne und haben auch Zeit. Und wo können sich beide am besten treffen? Im Kindergarten! Und genau dies tun neun Gladbecker im Alter von 56 bis 82 Jahren. Sie treffen sich als so genannte Singpaten einmal in der Woche mit dem musikalischen Nachwuchs des Ev. Lukaskindergartens und packen die Gitarre aus. Eine Stunde lang wird in kleinen Gruppen gesungen, erzählt und gelacht. Zu den Klängen längst vergessener Volkslieder aber auch zu neueren Kompositionen. Alles ganz ohne Leistungsdruck und den Anspruch auf Perfektion.

"Im April haben wir das Projekt "Il canto" aus der Taufe gehoben, das seitdem bei unseren Kindern sehr beliebt ist", erklärt Erzieherin Susanne Rohr-Bogucki. Das Projekt sei Bestandteil der Yehudi Menuhin Stiftung und des internationalen Netzwerks "Il canto del mondo" zur Förderung des Singens im Alltag. Das Konzept von "Il canto" beruhe auf der Idee, alte deutsche Volkslieder wiederzubeleben und Kinder im Elementaralter an das Musizieren und Singen heranzuführen. Mit diesem Projekt übernehme der Lukaskindergarten in Gladbeck eine "Vorreiterrolle".

"Auch wenn die Kinder nichr alles verstehen, was in den Liedern gesagt wird, kann das Singen durchaus Ansporn und Motivation schaffen, diese Welt zu verstehen", ist sich die Erzieherin sicher. Mit dem Generationen verbindenden Projekt habe man eine neue, sinnvolle Aufgabe gefunden, sagt Singpatin Hannelore Gibas, "wir fühlen uns integriert und gebraucht." Gemeinsam mit den anderen Singpaten hat sich die Vorsitzende der Ev. Frauenhilfe Butendorf ein halbes Jahr lang auf ihre neue Aufgabe vorbereitet.

"Mit ihrem Engagement tragen die Singpaten eine musikalische Lebensart in den Kindergarten hinein", ist auch Pfarrerin Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup überzeugt. Den Kindern werde Rhythmusgefühl, Lebensfreude und der Spaß am "Selbermachen" vermittelt. "Dadurch können die Kinder Gemeinschaft positiv erleben, ihre Konzentrationsfähigkeit, die sprachliche Entwicklung und ihr Sozialverhalten werden gefördert", ist sich die Gladbecker Seelsorgerin sicher. 

Seniorinnen und Senioren, die gerne Singpaten werden möchten, können sich mit Kirsten Wittenhorst, Leiterin des Lukaskindergartens, unter Tel. 02043/34460 in Verbindung setzten. Bu

 

Markt muss dem Allgemeinwohl dienen

Warnte vor der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland: Präses Alfred Buß. Foto: EKvW

Bottrop - Wie kann es gelingen, mehr ökologische Verantwortung und Fairness in den Prozess der Globalisierung bringen? Staatliches Handeln angesichts weltweiter Wirtschaftsverpflechtungen war im Lokschuppen Bottrop Thema eines Symposiums der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), der Landesvereinigung der Arbeitsgeberverbände NRW und des Landesverbandes NRW des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Zur Finanz, Ernährungs- und Klimakrise diskutierten der Präses der westfälischen Landeskirche, Alfred Buß, NRW-Arbeitgeberpräsident Horst-Werner Maier-Hunke und Guntram Schneider, Vorsitzender des DGB NRW.

Unter dem Eindruck der Krisen frage die Evangelische Kirche neu nach den Aufgaben des Staates, erklärte Präses Buß. Entscheidend sei die Frage nach den Rahmenordnungen in internationalen Zusammenhängen. Von der wachsenen Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland seien vor allem Kinder und Alleinerziehende betroffen. Es sei Sache der Politik, die Prozesse des Marktes am Allgemeinwohl zu orientieren. Buß rief dazu auf, den Vorrang der Politik gegenüber der Wirtschaft zurückzugewinnen. "Das Modell der Sozialen Marktordnung bedeutet eine Balance zwischen Lebens-, Sozial- und Wirtschaftsordnung", unterstrich der leitenden Theologe der EKvW. Man dürfe die Welt nicht den Rechnern überlassen, die nur nach Effizienz, Rendite und Wirtschaftlichkeit fragen, warnte Buß. Die Evangelische Kirche wünsche sich Unternehmer, die ihre Freiräume vorbildlich für soziale und umweltgerechte Lösungen nutzten und sich gleichzeitig für konstruktive Ordnungsregeln im Sinne der Sozialen Marktwirtschaft einsetzten.

Die Ansicht "privat vor Staat" müsse endlich zu den politischen Akten gelegt werden, sagte Guntram Schneider, "sie hat uns jetzt in diese Situation gebracht." Die Finanzkrise habe gezeigt, dass die internationen Finanzmärkte ein "stringentes Rahmensystem" benötigten. Der NRW DGB-Vorsitzende forderte ordnungspolitische Kriterien, um einen "urwüchsig um sich greifenden Kapitalismus" zu begegnen. Schneider: "Wir brauchen einen Kapitalmarkt-TÜV, neue Leitplanken für das internationale Finanzkapital." Der DGB-Chef forderte, Arbeitslosigkeit mit einem öffentlichen Beschäftigungssektor zu bekampfen. Schneider: "Dafür ist Geld da."

Die Globalisierung und ihre Folgen seien keine Naturgewalt, sondern ein von Menschen gemachter und geleiteter Prozess, der verändert und zum Besseren gestaltet werden könne, sagte Horst-Werner Maier-Hunke. "Unser Ziel als Christen muss es dabei immer sein, dass nicht nur wir Deutschen, sondern so viele Menschen wie möglich von der Globalisierung profitieren", forderte der Arbeitgeberpräsident. Maier-Hunke zeigte sich überzeugt, dass Deutschland auch künftig im Prozess der Globalisierung alle Chancen habe, wenn man gemeinsam mehr in die Bildung, Forschung und größere Flexibilisierung der Betriebe und des Arbeitsmarktes investiere. Vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise räumte der Arbeitgeberpräsident "gravierende Fehlentwicklungen" ein. Stark risikobehaftete Finanzprodukte gehörten "verboten". Bu

 

Stumme Zeugen der Reformation

Sie nahmen an der symbolischen Grundsteinlegung in der Gladbecker Markuskirche teil (v.l.): Gladbecks Bürgermeister Ulrich Roland, Dr. Martin Grimm, Beiratsvorsitzender des Luther Forums, NRW-Landtagspräsidentin Regina van Dinther und NRW-Städtebauminister Oliver Wittke. Foto: Bugzel

Gladbeck - Sie ist hoch, über zwei Meter. Sie ist schwer, über eine Tonne. Sie ist in Teilen alt, über 500 Jahre. Unter dem Motto "Luther kommt" wurde im Rahmen eines Festaktes in der Gladbecker Markuskirche bei der symbolischen Grundsteinlegung des Martin Luther Forum Ruhr (MLFR) eine Säule enthüllt. Sie verbindet die Lutherstätten mit Gladbeck als Ausdruck dafür, dass sich das MLFR dem reformatorischen Erbe verpflichtet fühlt. Die Grundsteinlegung wurde von NRW-Landtagspräsidentin Regina van Dinther, Schirmherrin des Projekts und NRW-Städtebauminister Oliver Wittke vorgenommen.

Die Säule besteht aus zwei spätmittelalterlichen Säulensteinen der alten Bibliothek des Augustinerordens Erfurt und einem modernen Mittelteil aus Stahl und Glas. Luther lebte mit kurzen Unterbrechungen von 1501 bis 1511 in Erfurt, zunächst als Student, später als Mönch im Augustinerorden.

Es sei nicht unwahrscheinlich, dass die Steine Luther hätten vorüber schreiten sehen. Sie seien stumme Zeugen der Reformation, sagte Pfarrer Olaf Uebelgünn vom Vorstand des MLFR. Er dankte im Namen des Forums Jochen Seeber, Vorsitzender des MLFR-Fördervereins, der die Steine in Erfurt entdeckt und auf dessen Initiative sie durch Lothar Schmelz, Kurator des Augustinerordens, dem Forum zur Verfügung gestellt wurden. "Diese Steine sind für uns nicht nur eine Verbindung zur Lutherstadt Erfurt, sondern sie bringen auch einen kleinen Teil aus Luthers Leben ins Martin Luther Forum nach Gladbeck", freute sich Uebelgünn. Alt treffe neu, Reformation treffe die Region Ruhr.

"Ich bin sehr erfreut, dass in meiner Heimatregion ein solches Projekt verwirklicht wird", sagte NRW-Städtebauminister Oliver Wittke in seinem Grußwort. Der ehemalige Oberbürgermeister Gelsenkirchens unterstrich, dass es eine "gute Entscheidung" gewesen sei, das MLFR in der im Mai 2008 geschlossenen Markuskirche einzurichten.

Das MLFR werde ein bedeutender Beitrag Gladbecks zur Kulturhauptstadtprojekt RUHR.2010, war Gladbecks Bürgermeister Ulrich Roland überzeugt. "Herzlich willkommen in Gladbeck, der jüngsten Lutherstadt Deutschland", sagte das Stadtoberhaupt unter dem Beifall der Gäste.

Auch die Schirmherrin des MLFR freute sich, an der Grundsteinlegung teilzunehmen. Sie sei zum ersten Mal in der Markuskirche, räumte Regina van Dinther ein, die von der schlichten und ansprechenden Architektur des ehemaligen Gotteshauses sichtlich angetan war. "Das Martin Luther Forum Ruhr ist ein echter Glücksfall für Gladbeck und die ganze Region", betonte die Landtagspräsidentin nach der mit viel Applaus bedachten Enthüllung der Luther-Säule. Bu

 

Ehrung - Freeman of the borough

Zur Ehrung gratulierte auch Father Dan Wright (l.) Pfarrer i.R. Wolf-Dietrich Rienäcker. Foto: privat

Dorsten/Newtownabby - "Ich bin sehr glücklich, stolz und dankbar, dass Sie mir, meiner Familie und uns allen diese große Ehre haben zuteil werden lassen." Mit diesen Worten beendete Pfarrer i.R. Wolf-Dietrich Rienäcker seinen Toast vor dem Rat der nordirischen Stadt Newtownabby und erhob sein Glas auf das Wohl des Stadtrates, der Menschen im Bezirk und der rund 120 geladenen Gäste.

Der ehemalige Pfarrer der Gemeinde Holsterhausen an der Lippe in Dorsten war soeben mit dem Titel "Freeman of the borough" durch Dorstens Partnerstadt ausgezeichnet worden. Der höchsten Ehre, die der Rat einer Stadt in Großbritannien und Nordirland einem Bürger verleihen kann. Rienäcker war nicht nur der erste Deutsche, sondern der erste Ausländer überhaupt, dem diese Ehre für seine Verdienste um die Gemeinde- und Städtepartnerschaft verliehen wurde.

Der langjährige Vorsitzende des Freundeskreises Newtownabby hatte seit den 70er Jahren nicht nur die Freundschaft zwischen Nordiren und Dorstenern gepflegt, sondern auch durch unzählige Begegnungen zwischen Protestanten und Katholiken über Jahrzehnte hinweg versucht, im nordirischen Konflikt mit kleinen Schritten Aufklärungs- und Versöhnungsarbeit zu leisten.

In seiner Ansprache ging auch Dorstens Bürgermeister Lambert Lütkenhorst auf die Ehre ein, die mit dem hohen Titel verbunden ist. Er stellte vor allem das langjährige bürgerschaftliche Engagement Rienäckers heraus, der sich durch seinen unermüdlichen Einsatz um Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit zwischen allen Menschen und über alle Konfessionsgrenzen hinweg herausragende Verdienste um die Städtepartnerstadt erworden habe.

Pfarrer Rienäcker rief abschließend dazu auf, in dem Bemühen um Frieden und Versöhnung nicht nachzulassen. "Einander zu begegnen, von einander zu lernen und miteinander zu wachsen ist nicht immer leicht, aber es ist notwendig." Bu

 

Martinskirche: Turm erfolgreich saniert

Architekt Christoph Harder, Pfarrerin Karin Daniel und Baukirchmeister Ingo Söhngen (v.l.) freuen sich über die erfolgreiche Sanierung des Kirchturms. Foto: Bugzel

Bottrop - Und dann war da noch das Brautpaar, das durch das ganze Ruhrgebiet fuhr, um sich die schönste Hochzeitskirche auszusuchen. Die Wahl fiel auf die Bottroper Martinskirche. Doch am schönsten Tag im Leben der Braut war die Enttäuschung groß. Der Kirchturm präsentierte sich verhüllt, nicht gerade ein fotogener Hintergrund für das obligatorische Hochzeitsbild.

"Wir haben den Brautpaaren nicht immer nur Freude gemacht", musste jetzt auch Pfarrerin Karin Daniel einräumen. Auch das Verstummen der Glocken fiel in der Gemeinde unangenehm auf. Man habe es mit Geläut vom Tonband versucht, berichtete die Vorsitzende des Bezirksausschussen Mitte. Beim Versuch blieb es dann aber auch.

Alles Vergangenheit. Seit kurzen ist das Gerüst am Turm der Martinskirche abgebaut, das Gotteshaus kann sich wieder sehen lassen. Mit neuen Fugen und saniertem Turm, der wohl auch in den nächsten 30 Jahren Wind und Wetter trotzen kann, wie Architekt Christoph Harder versicherte. Anfang Juni begannen die umfangreichen Sanierungsarbeiten. Sämtliche Fugen mussten ausgekratzt und und neu verfüllt, die Regenabläufe saniert und erneuert werden.

Man habe zügig gearbeitet und die Sache "kostenorientiert" zu Ende gebracht, freute sich Baukirchmeister Ingo Söhngen. Mit 103.000 Euro schlug das Gesamtpaket zu Buche, "damit haben wir den Kostenrahmen eingehalten", so Söhngen, der allen beteiligten Firmen seinen Dank aussprach. "Die Zusammenarbeit hat richtig Spaß gemacht." Zwei Drittel der Kosten konnten Spenden aus der Gemeinde decken. "Daran kann man sehen, wie sehr sich die Menschen ihrer Kirche verbunden fühlen", sagte Söhngen.

Zum 1. Advent sollen die Glocken der Martinskirche dann wieder zu Gebet und Gottesdienst einladen und im nächsten Jahr kann die Gemeinde in der sanierten Kirche das 125-jährige Bestehen ihres Gotteshauses feiern. Bu

 

Einer sozial engagierten Kirche verpflichtet

Seit 30 Jahren im Pfarrdienst: Pfarrer Johannes Schildmann. Foto: privat

Kirchenkreis - Auf sein 30-jähriges Dienstjubiläum im Evangelischen Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten blickt in diesen Tagen Pfarrer Johannes Schildmann zurück. Für Superintendent Detlef Mucks-Büker Anlass genug, dem jetzigen Diakoniepfarrer und Vorstand des Diakonischen Werkes Gladbeck-Bottrop-Dorsten in einem Brief seine herzlichen Glückwünsche zum Jubiläum und seinen Dank für sein 30-jähriges Engagement in der Seelsorge, Verkündigung und Leitung auszusprechen.

Johannes Schildmann stammt aus Bielefeld-Bethel und wurde schon in seiner Jugend durch die diakonische Arbeit geprägt. Nach dem Studium der Theologie und Sozialpädagogik gründete der heute 58-Jährige gemeinsam mit Pfarrer Bernward Wolff und dem bereits verstorbenen Pfarrer Michael Schibilsky in der Martinskirche Bottrop ein Teampfarramt. Ihm lag der Gedanke zugrunde, dass der Pfarrer nicht nur als "Einzelkämpfer" die Gemeinde bestimmt, sondern im Team mit anderen ehren- und hauptamtlichen Kräften wirkt.

In der Folgezeit war der Jubilar maßgeblich an der Entwicklung der Familiengottesdienste in der Martinskirche beteiligt, initiierte als Stadtjugendpfarrer die Evangelische Jugendeinrichtung cAsA und die OT-Eigen, pflegte intensive ökumenische Kontakte zur katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth und baute später die Familienarbeit mit den bis heute bestehenden Kurz- und Kleingottesdiensten auf.

Auf Stadtebene übernahm Schildmann von Mitte der 80er bis Mitte der 90er Jahre die Verantwortung als Vorsitzender des Verbandes Evangelischer Kirchengemeinden Bottrop. Sein Schwerpunkt lag auf der Entwicklung der diakonischen Arbeit. In diese Zeit fiel der Aufbau des Migrationszentrums El Ele, der Schuldnerberatung, der Evangelischen Sozialberatung (ESB), der Seniorenberatung, der Diakoniestation und der Flüchtlingsarbeit. Darüber hinaus arbeitet der Bottroper Seelsorger seit vielen Jahren als Lehrbeauftragter und Dozent in der Theologenausbildung sowie an der Fachhochschule für Diakonie in Bielefeld und Bochum.

Seit 1998 leitet Schildmann gemeinsam mit Karl-Heinz Kinne als Vorstand die Geschicke des Diakonischen Werkes Gladbeck-Bottrop-Dorsten. In dieser Zeit ist das Diakonische Werk stetig gewachsen. Heute ist die Diakonie mit über 1000 Mitarbeitenden der drittgrößte Arbeitgeber in Bottrop. Der Aufbau von miteinander vernetzten Hilfeangebote in der Senioren-, Behinderten- und Jugendhilfe, in ambulanten, teilstationären und stationären Formen ist ihm ein besonderes Anliegen. Die Weiterentwicklung eines diakonischen Profils für die Tätigkeitsfelder der Diakonie liegt Schildmann besonders am Herzen: "Es soll Diakonie drin sein, wo Diakonie drauf steht!"

Auch in vielen städtischen und überregionalen Gremien engagiert sich Johannes Schildmann zugunsten von Menschen, die auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. Pfarrer Johannes Schildmann ist einer sozial engagierten Kirche und einer kirchlich eingebundenen Diakonie verpflichtet. Dies hat er in den 30 Jahren seines Dienstes in Kirche und Diakonie versucht, umzusetzen. In Anerkennung seiner Verdienste um die soziale Arbeit wurde ihm bereits 1996 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Bu

 

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