Ansprache zur Einführung

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# Predigten Superintendent

Ansprache zur Einführung

Ansprache zur Einführung von Pfr. Christian Hüging
Kreuzkirche Hervest, 29. März 2026

„Da merkt ihr, dass ihr nichts machen könnt.“ Die Pharisäer stehen etwas abseits (Joh 12,19) und sehen sich den Trubel an, als Jesus in Jerusalem einzieht: „Alle Welt läuft ihm nach.“

Liebe Gemeinde, es gibt sie öfter, die Leute, die am Rand stehen und alles beobachten und die Stirn in Falten legen. In der Pfingstgeschichte, als die heilige Geisteskraft die Jüngerinnen und Jünger ergreift, da stehen sie am Rand (Act 2,13) und spotten: Was ist denn mit denen los? Haben die getrunken?

Ja, manchmal wird es auch heute so sein, dass manche uns Christinnen und Christen für ein bisschen bekloppt halten. So viel Gottvertrauen! Manche halten das im besten Fall für naiv.

Und dann kommt ein Pfarrer, 63 Jahre alt, und fängt nach vielen Jahren in seiner Dattelner Gemeinde nochmal was Neues an. Wechselt für die drei Jahre und fünf Monate bis zu seinem Ruhestand nochmal die Stelle. So viel Gottvertrauen! Und manche legen die Stirn in Falten und sagen: Bekloppt!

Lieber Christian, ich sage: Wunderbar! Denn natürlich hat Gott eine Idee für unser Leben und unseren Dienst, und die Überraschungen hören nicht auf, nur weil ein Mensch älter wird. Wir heißen dich in deiner neuen Stelle, in deiner neuen Gemeinde und im neuen Kirchenkreis herzlich willkommen. Wunderbar, dass du da bist!

Denn mit deiner Bewerbung legst du auch ein Glaubenszeugnis ab: Hinterm Horizont geht’s weiter! Und ihr, liebes Presbyterium, legt mit eurer Wahl auch ein Glaubenszeugnis ab: Vertraut den neuen Wegen!

Die große Einmütigkeit im Presbyterium, sowohl im Bewerbungsverfahren als auch bei der Wahl, lieber Christian, die darfst du persönlich nehmen.

Dein Amt reicht dabei über die Gemeinde hinaus. Die anderen Gemeinden hier in Dorsten hast du ja schon ein wenig kennengelernt. Die Zukunft wird von allen hier mehr Zusammenarbeit brauchen. Daran willst du mitarbeiten – und das wird den Menschen in der ganzen Stadt zu Gute kommen.

Lieber Christian, als du dich im Gemeindebrief vorgestellt hast, hast du geschrieben: „Das Licht der Welt erblickte ich in Udo Lindenbergs Heimatstadt Gronau.“

Udo Lindenberg ist ein gutes Beispiel. Da haben sich früher auch manche gefragt: Was ist denn mit dem los? Hat der getrunken? Meistens hatte er das auch. Und gleichzeitig ist Udo Lindenberg ein Künstler, der immer wieder neu aufgebrochen ist. Aus Gronau nach Hamburg. Zuerst machte er englische Rockmusik – und wurde erst 1972 erfolgreich, als er auf Deutsch sang. Sein erstes Nummer 1-Album hatte er – genau, mit 63 Jahren. Das Album heißt „Stark wie zwei“ und darauf gibt Udo Lindenberg auch einige Tipps für einen neuen Pfarrer:

Zitat aus "Mein Ding", 2. Strophe und Refrain, von Udo Lindenberg

Genau genommen machst du nicht dein Ding, sondern sein Ding. Stehst in der Nachfolge Jesu Christi – als Mensch. Bist angewiesen auf Gemeinschaft und Trost, auf Freundinnen und Freunde im Glauben, auf die Gebete und das Wohlwollen der Gemeinde.

In deinen Dienst am Evangelium in dieser Gemeinde, lieber Christian, führen wir dich jetzt mit Gebet und Handauflegung ein, so, wie die ersten Jüngerinnen und Jünger das auch schon gemacht haben.

Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft.

So schreibt es Paulus (1 Kor 1,18) an die Gemeinde in Korinth. Das Wort vom Kreuz: Manche sagen: Bekloppt. Wir aber, die wir selig werden, wir sagen: Wunderbar. Darin (Tit 3,4) ist erschienen die Menschenfreundlichkeit Gottes. Amen.

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