Ansprache zur Einsegnung

Ansprache zur Einsegnung

Ansprache zur Einsegnung

# Predigten Superintendent

Ansprache zur Einsegnung

Für zwei Worte sind die Finnen über ihre Landesgrenzen hinaus bekannt. Das erste: Kalsarikännit. Das bedeutet: sich zu Hause in Unterwäsche betrinken. Das zweite: Sisu. Das wiederum meint eine innere Stärke oder eine Durchsetzungsfähigkeit, die als klassische finnische Eigenschaft gilt. (1)

Beides – kalsarikännit und sisu – gehört vielleicht zu den Gründen, wieso Finnland im neuen Weltglücksbericht wieder den ersten Platz gelegt. Diese Studie ist in der letzten Woche wieder erschienen, weil gestern, am 20. März, der Weltglückstag war. Unter den fünf Ländern an der Spitze sind vier skandinavische Länder: Finnland, Island, Dänemark und Schweden. Und Costa Rica. Und auf Platz sechs kommt Norwegen.

Die Menschen, die sich solche Studien überlegen, stellen noch ein paar weitere Fragen – und mit deren Hilfe kann man sehen, ob es Gemeinsamkeiten gibt. Also Haltungen oder politische Systeme, die das Glück und die Zufriedenheit begünstigen. Außerdem fließen die Wahrnehmung der Lebensqualität, die Wirtschaftsleistung, die Volksgesundheit und die Großzügigkeit der Menschen in die Wertung ein.

Die Finnen zum Beispiel sind offensichtlich sehr zufrieden und dankbar für alles, was sie haben, und sie nehmen sich selbst in dieser Hinsicht nicht allzu ernst. In Skandinavien – und auch in Costa Rica – gibt es viel Wohlstand, und der ist gerechter verteilt als bei uns. Menschen in Finnland und Schweden haben eine hohe Lebenserwartung und es gibt ein gutes Gesundheitssystem. Vor allem aber – so sagt es die Studie – haben die Menschen in den nordischen Ländern ein starkes soziales Netz. Sie vertrauen einander und dem Staat. Genau diese Dinge unterscheiden Finnland etwa von Deutschland.

Deutschland, werdet ihr euch vielleicht fragen? Platz 17 – immerhin fünf Plätze besser als noch vor einem Jahr. In einer Umfrage bezeichnen sich 72 Prozent der Deutschen als glücklich - ein Plus von acht Prozentpunkten gegenüber dem vergangenen Jahr. Die wichtigsten Glücksfaktoren in Deutschland sind demnach das Gefühl, wertgeschätzt und geliebt zu werden (40 Prozent), Familie und Kinder (35 Prozent) und körperliche Gesundheit (27 Prozent). Soviel zum Thema: Gesundheit ist am wichtigsten…

Heute führen wir mutige Menschen in den ehrenamtlichen Dienst in der Notfallseelsorge ein. Ihr seid freiwillig hier, weil ihr euch entschieden habt, dass ihr zum Zusammenhalt in unserer Gesellschaft beitragen wollt. Weil ihr für andere Menschen in seelischer Not da sein wollt. In den letzten Monaten habt ihr in der Ausbildung einen guten inneren Werkzeugkoffer dafür bekommen. Dazu gehörte, viel zu lernen über Menschen und Gespräche, und dazu gehörte auch, sich selbst noch einmal neu kennenzulernen und zu reflektieren. Das ist anstrengende Arbeit, noch einmal mehr, weil Sie es ehrenamtlich tun werden. Als Seelsorgerinnen und Seelsorger sind Sie selbst ihr wichtigstes Werkzeug, und so wie bei jedem Handwerker gehen wir natürlich davon aus, dass Sie ihr Werkzeug – also sich selbst – gut kennen. 

Jesus lädt die Mühseligen und Beladenen zu sich ein: Kommt zu mir, ich will euch erquicken. Manchmal wird der einzige Trost, den ihr mitbringt, sein, dass ihr selbst da seid. Jesus lässt die Mühseligen und Beladenen nicht allein, erst recht dann nicht, wenn die ganze Welt um sie herum zusammenbricht. Jesus sagt: Du wirst Ruhe finden für deine Seele. Mit der Glücksforschung könnte man vielleicht sagen: In unserem Glauben finden wir ein tiefes Gefühl von Wertschätzung und Liebe.

Wir sind Kirche in der Nachfolge von Jesus. Deshalb versuchen wir es genauso zu machen. Wir geben niemanden verloren. Wir sind da in Zeiten der Krise und der Katastrophe. Wir wertschätzen und lieben auch die Leute, die wir kalsarikännit vorfinden: betrunken in Unterwäsche. Ganz egal. Wir versuchen mit Taten und Worten zu sagen: Du wirst Ruhe finden für deine Seele.

Dass ihr als Seelsorgerinnen und Seelsorger im Namen der Kirche in Krisen und Katastrophen für Menschen da seid, das ist schon für sich ein starkes Hoffnungszeichen. Deshalb glaube ich auch, dass das ein Beitrag der Kirche zu einer glücklichen Gesellschaft ist. Als Seelsorgerinnen und Seelsorger genießt ihr hohes Vertrauen. Vertrauen braucht eine Gesellschaft, wenn Menschen in ihr glücklich leben wollen.

Ruhe finden für die Seele. Ich möchte euch heute daran erinnern, dass Jesus uns zuallererst immer selbst anspricht. Die Mühseligen und Beladenen, das sind zuallererst nicht die anderen – sondern wir selbst. Das gilt für euch, nach einer langen Nacht im Einsatz, nach traurigen Situationen: Du sollst Ruhe finden für deine Seele. Das zu glauben kann euch Kraft geben, sisu sagen die Finnen, Resilienz und Widerstandskraft. Ich hoffe und wünsche euch, dass ihr die wunderbare Erfahrung macht, wie glücklich es macht, einen wertvollen Dienst der Nächstenliebe zu tun.

Deshalb, ihr lieben Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger senden wir euch heute mit Handauflegung, Gebet und Segen, so wie die Kirche immer schon Menschen gesendet hat. In eurem Auftrag schicken wir euch mit leeren Händen los und vertrauen mit euch auf Gott. Ihr müsst Gott nicht mitnehmen in den Einsatz. Er ist immer schon da, wo Menschen mühselig und beladen, ratlos und verzweifelt sind. Es ist ein Glück, dass es euch gibt.

Zum Schluss noch die konkreten Hinweise aus der Studie zum glücklichen Leben: Soziale Medien mehr als eine Stunde am Tag sind ein signifikanter Faktor für Unglück. Und viel Zeit in der Natur wirkt sich positiv auf das Glücksempfinden aus, ebenso übrigens wie ein ehrenamtlicher Einsatz für andere Menschen. Da wo Sinn ist, da ist auch Glück. Es ist keine Raketenwissenschaft.

Jesus sagt: Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

Amen.


Quellen:

(1) https://www.zdfheute.de/panora...

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