04/03/2026 0 Kommentare
Dorsten gedenkt Sr. Johanna Eichmann
Dorsten gedenkt Sr. Johanna Eichmann
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Dorsten gedenkt Sr. Johanna Eichmann
Dorsten. Mit einer bewegenden Feierstunde ist in Dorsten an den 100. Geburtstag von Schwester Johanna Eichmann erinnert worden. In der Kirche des Ursulinenklosters versammelten sich Vertreterinnen und Vertreter aus Bürgerschaft, Kirche und Schule, um das außergewöhnliche Wirken der Ordensfrau zu würdigen. Drei Grußworte eröffneten den Nachmittag und machten deutlich, wie vielfältig und nachhaltig das Engagement der Ordensschwester die Stadt Dorsten und weit darüber hinaus geprägt hat.
Der Rahmen der Veranstaltung war bewusst gewählt: Die Kirche, in der Sr. Johanna über viele Jahrzehnte gebetet, gefeiert, gearbeitet und gelehrt hatte, bot den Ort für eine Rückschau auf ihr Leben. Sie ist für viele Menschen das spirituelle Zentrum gewesen, an das berufliche Verantwortung, pädagogische Arbeit und gemeinschaftliches Glaubensleben gleichermaßen angebunden waren.
Die Eröffnungsrede hielt Schulministerin Dorothee Feller, eine geborene Dorstenerin. Bildung sei und bleibe „unser wirksamstes Mittel zum Schutz unserer Demokratie“. Weit über den Orden der Ursulinen hinaus habe Schwester Johanna Bildung zu ihrer Lebensaufgabe gemacht und damit einen Grundpfeiler der demokratischen Gesellschaft nachhaltig gestärkt – ein Vermächtnis mit hoher Aktualität, so die Ministerin.
Einen geistlichen Impuls setzte Schulpfarrer Henner Maas. Der evangelische Theologe arbeitet seit vielen Jahren als Religionslehrer am Gymnasium St. Ursula. Maas betonte, dass der Veranstaltungsort mehr sei als eine Kulisse. Die Kirche, die mit drei Zugängen – dem Eingang von der Stadt, dem Zugang vom Schulhaus und dem Weg aus dem Konvent – drei verschiedene Lebenswelten verbinde, verkörpere genau das, was Sr. Johanna ausgemacht habe: die Verbindung von Bürgergemeinde, Christengemeinde und Schulgemeinde. „Alle drei Bereiche hat Sr. Johanna ‘bespielt’: Mit Leben erfüllt, miteinander in Beziehung und in einen fruchtbaren Austausch gebracht“, fasste Maas zusammen.
Besonders hob er hervor, dass Sr. Johanna diese Öffnung der Schule und der Gemeinde schon lange vor aktuellen pädagogischen und gesellschaftlichen Diskussionen gelebt habe. Der Abbau des Gitters zwischen Schwesternchorraum und Kirchenschiff, einst Symbol einer Trennung zwischen geistlichem Raum und Öffentlichkeit, sei ein sprechendes Zeichen ihres Lebenswerks. Es stehe für den Mut, Grenzen abzubauen und Gemeinschaft zu ermöglichen.
Einen weiteren wichtigen Aspekt ihres Lebens beschrieb Maas in der Verbindung von christlicher Identität und jüdischer Herkunft. In der Kirche habe Sr. Johanna ihr „Jüdisch-Sein nie verbergen“ müssen, vielmehr habe sie die Verwurzelung des Christentums im Glauben Israels stets betont. Aufgefunden in ihrem Nachlass sei ein Vers aus Jesaja 49, der für sie besondere Bedeutung hatte: „Kann eine Frau ihr Neugeborenes vergessen? Selbst wenn sie es vergäße – ich, Gott, vergesse dich nicht. Schau, in beide Handflächen habe ich dich gezeichnet.“ Für Pfarrer Maas ist dieser Gedanke die bleibende Hoffnung dieses Gedenktages: dass Gott das Leben jedes Menschen hält und bewahrt – auch dann, wenn menschliche Erinnerung vergeht. Die Erinnerung an Sr. Johanna sei getragen von Dankbarkeit und Vertrauen.
Die Feierstunde schloss mit einer Gesprächsrunde, in der Weggefährtinnen und Weggefährten von Sr. Johannas Wirken berichteten und zeigten, wie sehr ihr Engagement für Bildung, Ökumene und Menschlichkeit bis heute nachwirkt. Die Veranstaltung machte deutlich, dass das Erbe der Ordensschwester in Dorsten lebendig bleibt – in den Menschen, die sie geprägt hat, und in den Einrichtungen, die sie mitgestaltet hat.
Johanna Eichmann, geboren am 24. Februar 1926 in Münster als Ruth Eichmann, trat 1952 in den Orden der Ursulinen ein. Von 1964 bis 1991 leitete sie das Gymnasium St. Ursula. 1992 gehörte sie zu den Mitbegründerinnen des Jüdischen Museums Westfalen, das sie bis 2006 ehrenamtlich leitete. Für ihr Wirken erhielt sie unter anderem das Bundesverdienstkreuz, den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen, den Titel „Vestische Ehrenbürgerin“ des Kreises Recklinghausen sowie die Ehrenbürgerwürde der Stadt Dorsten.
SR/Stadt Dorsten/ki
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