Bericht zur Kreissynode

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# Predigten Superintendent

Bericht zur Kreissynode

Hohe und liebe Kreissynode!

Die Parkplatznot in Bottrop ist dieser Tage Thema in der Zeitung gewesen. Das große Parkhaus in der Innenstadt ist marode, ein großer Parkplatz am Stadtrand soll überplant werden, mit Tiefgarage und schicken neuen Wohnungen. Der BauTurbo lässt grüßen. Das alles wird viele Jahre dauern, die Stadtverwaltung spricht von einem „Dekadenprojekt“ (WAZ Bottrop vom 11.06.2026) – und der Vorsitzende des Planungsausschusses sagt, eine Neuordnung der Parkplätze würde auch den „Parksuchverkehr“ eindämmen. Also weniger Autos, die auf der Suche nach einem Parkplatz langsam durch die Innenstadt fahren.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – aber mir drängt sich da ein Ohrwurm auf, mit Mambotakten aus Bochum von Herbert Grönemeyer.

Der Parksuchverkehr hat es mir angetan, ein wunderbares Wort, das in aller Kürze sagt, worum es geht: Wie lange fährst du rum, kurvst du durch die Stadt, auf der Suche nach einem guten und sicheren Ort zum Bleiben? Dann findest du einen, aber der passt nicht so richtig, zu kurz oder zu schmal. Oder mit Parkschein, aber du hast keine Münzen dabei.

Vielleicht erkennen Sie auch unsere Kirche darin wieder: Wie sieht es mit unserem Parksuchverkehr aus – wie viel Zeit und Mühe investieren wir, um eine gute und sichere Form für die Zukunft zu finden? Nicht zu kurz oder zu schmal, sondern passend für uns – und so, dass wir sie auch bezahlen können.

Um den kirchlichen Parksuchverkehr – darum soll es im zweiten Teil meines Berichtes heute gehen. Im ersten Teil möchte ich gerne von einigen Ereignissen der letzten Monate berichten.

Wohlfahrt wirkt!

Unter dem Motto „Wohlfahrt wirkt!“ hatte Gladbecks Bürgermeisterin im Januar Neujahrsempfang eingeladen. Rund 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Vereinen, Kirchen und Sozialverbänden waren der Einladung in die Matthias-Jakobs-Stadthalle gefolgt.

Im Mittelpunkt stand ein einstündiges Programm mit einer Rede der Bürgermeisterin, einem Film über die vielfältige Arbeit der Sozialverbände und einem Impulsvortrag von unserem Diakoniepfarrer Karl Hesse. Es ist nämlich aktuell der Sprecher der AG Wohlfahrt, einem Netzwerk der unterschiedlichen Sozialverbände in der Stadt. In seinem Vortrag sagte Karl Hesse:

Sie wissen am besten, was Sie momentan beschäftigt: Ob sie ihr Leben gerade gut allein wuppen oder froh sind über ein Angebot in der Kita, im Jugendzentrum. Oder ob die Eltern gerade alt werden und immer öfter nicht wissen, was gestern war, was heute ist – und wer du bist?

Bemerkenswert war die Wertschätzung, die den Wohlfahrtsverbänden an diesem Abend aus der Lokalpolitik, von den Vereinen und aus der Wirtschaft entgegenkam. Selbstverständlich haben wir einen wichtigen Platz in der Stadtgesellschaft. Karl Hesse hatte in seinem Vortrag von zwei Fischen erzählt, die sich fragen, was eigentlich Wasser sei. Ähnlich geht es uns heute mit Werten wie Demokratie, Sicherheit und Solidarität. Es ist wichtig – auch in der Kirche, auch für uns, die wir hier Verantwortung tragen, hin und wieder aktiv wahrzunehmen, was uns ständig umgibt, was für Sicherheit sorgt, was unser Leben prägt – und wo wir als Kirche (also in verfasster Kirche und Diakonie) einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft leisten. Ja, Wohlfahrt wirkt!

Der Bundespräsident in Dorsten

Demokratie, Sicherheit und Solidarität als Grundpfeiler einer freiheitlichen Gesellschaft, so hat es auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gesagt, als er im Mai die Stadt Dorsten besuchte. Zu den Tagen des Grundgesetzes war er für einen halben Tag gekommen und hatte ein umfangreiches Besuchsprogramm.

Unter anderem reinigte der Bundespräsident gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern einige Stolpersteine. Das ist in Dorsten besonders mit dem Gymnasium St. Ursula und der Arbeit von Schulpfarrer Henner Maas verbunden. Nach Besuchen im Jüdischen Museum Westfalen und im Dorstener Grundgesetzladen endete der Besuch mit einer ökumenischen Andacht in St. Agatha unter dem Motto „Würde verbindet uns“. Vikarin Dr. Lisa Stiller und ich durften daran mitwirken. In seiner kurzen Ansprache sagte Bundespräsident Steinmeier:

Das christliche Bekenntnis ist geprägt vom Geist des füreinander Eintretens – und die Kirchen sind seit jeher tragende Säulen des Ehrenamtes in Deutschland, denn unter ihrem Dach kümmern sich Menschen um Bedürftige, spenden Essen, Trost und Wärme, begleiten Sterbende, helfen Geflüchteten beim Ankommen in Deutschland. Diese Arbeit ist so wertvoll, gerade in einer Zeit, in der viele Menschen nach Halt und nach Gemeinschaft suchen, und ich danke Ihnen allen für Ihren so wichtigen Einsatz!

Diesen Dank gebe ich hiermit gerne weiter. Der Bundespräsident stellte das ehrenamtliche Engagement ins Zentrum. Diese Erfahrung, selbst wirksam zu sein, sei nicht nur wichtig für die Gesellschaft, sondern am Ende auch ein Bollwerk zum Schutz der Demokratie.

Pfarrer Martin Rödel (1967–2026)

Am 29. April starb unser Mitsynodaler, langjähriger Kollege und Freund Martin Rödel. Für die meisten war das keine Überraschung, Martin Rödel war schon lange krank und es hatte sich schon seit einigen Monaten abgezeichnet, dass er die Krankheit nicht überleben würde.

Mir persönlich wird Martin Rödel fehlen, als Freund und Kollege, aber mit seiner Ausgewogenheit und seiner Gründlichkeit auch im Kirchenkreis. Über viele Jahre hat er den Pfarrstellenplanungsausschuss geleitet und mit Augenmaß und viel guter Kommunikation die Zahl der Pfarrstellen reduziert. Das war nötig, und dank Martin Rödel auch sehr gut vorbereitet. Ich erinnere mich auch gut um die Diskussion zum neuen Besetzungsrecht für Pfarrstellen, da gab es eine umfangreiche Stellungnahme dieser Synode, die Martin Rödel mit ausgearbeitet hatte. „Was würde Martin dazu sagen?“, das werde ich mich noch oft fragen, wenn es ums Pfarramt der Zukunft geht.

In der Trauerfeier am 9. Mai haben wir mit fast 500 Menschen Abschied genommen. Vielen Dank an alle, die dabei waren oder auf andere Weise Anteil genommen haben. Ich habe wirklich gespürt, dass wir diesen Abschied gemeinsam gestaltet und Martin Rödel gemeinsam beerdigt haben. Vielleicht ging es Ihnen ja auch so. Es liegt eine Kraft in den Worten der Bibel und in den Gebeten bei einer Trauerfeier, und es liegt eine Kraft in einer glaubenden Gemeinschaft, die so eine Trauerfeier auch zu einem Auferstehungsfest werden lässt.

Das Andenken an Pfarrer Martin Rödel werden wir noch lange Zeit bewahren, in der Kirchengemeinde Bottrop und im Kirchenkreis.

Dass wir mit Pfarrerin Annika Landt genau im passenden Augenblick eine Kollegin im Probedienst begrüßen dürfen, ist aus meiner Sicht ein großes Geschenk. Sie hat heute Geburtstag und hatte schon lange etwas geplant – deshalb ist sie heute nicht hier. Bei der Einführung am 28. Juni in der Pauluskirche wird Gelegenheit sein, sie noch besser kennenzulernen. Der Probedienst dauert zwei Jahre, in dieser Zeit wird Pfarrerin Landt das Team in Bottrop verstärken.

Dringende Fragen

Jetzt aber zurück zum Parksuchverkehr. Ich präsentiere Ihnen heute lose verbundene Gedanken zur Zukunft der Kirche in Gladbeck, Bottrop und Dorsten. Vieles davon habe ich früher schon gesagt, auch an dieser Stelle. Manches ist neu, und einige Punkte betrifft natürlich auch unsere gemeinsame Tagung mit der Recklinghäuser Kreissynode morgen Vormittag.

Neu ist eine Dringlichkeit, die mir seit dem Jahreswechsel klarer geworden ist. Manche Zukunftsplanung, die wir bisher gemacht haben, bezieht sich auf das Jahr 2030. Das ist gefühlt übermorgen – zumindest müssten wir uns jetzt wirklich sputen, wenn wir bis dahin etwas verändert haben wollen.

Was wir brauchen, ist ein größeres Zeitfenster: Wie wollen wir evangelische Kirche in unseren drei Städten sein – im Jahr 2040? Jetzt wären die Menschen, die Zeit und die Kraft da, uns strategisch vorzubereiten. Die Alternative wäre, die nötigen Veränderungen aufzuschieben. Das wäre keine christliche Haltung zur Zukunft und verantwortungslos denen gegenüber, die das dann gestalten müssen.

Vom Jahr 2040 wissen wir nicht viel. Es ist das Jahr, in dem wir klimaneutral sein wollen. Wir werden später mehr über diese Perspektive hören. Es ist auch das Jahr, in dem eintreten soll, was uns die Freiburger Studie vor einigen Jahren für da Jahr 2060 prophezeite: Dann haben wir noch halb so viel Kirchensteuern und halb so viele Mitglieder wie 2016. Nach der heutigen Planung gibt es im Kirchenkreis dann noch sieben Pfarrstellen.

Für dieses Szenario müssen wir Antworten finden. Einfach alles so weitermachen, nur halt immer etwas weniger, das wird nicht funktionieren.

Vereinigung der Kirchenkreise

Zur Vereinigung der Kirchenkreise haben wir im Jahr 2024 einen breit angelegten Diskussionsprozess durchgeführt. An dessen Ende stand ein einstimmiger Beschluss mit acht Punkten. Zusammengefasst haben wir gesagt: Wir wollen die Vereinigung zeitnah, aber frühstens dann, wenn für alle Körperschaften aktuelle Jahresabschlüsse vorliegen. Die Zeit bis dahin können wir nutzen, um über die Konturen des neuen Kirchenkreises ins Gespräch zu kommen: Konzeption, Profil, Kommunikation, Finanzen, synodale Dienste… Diese Fragen sind bis heute nicht beantwortet. Für die Jahresabschlüsse gibt es einen ambitionierten, aber aus meiner Sicht realistischen Zeitplan: Ende Oktober 2027 sollen die letzten Jahresabschlüsse von 2026 fertig sein.

Die Kreissynode Recklinghausen hat im Sommer 2025 beschlossen: Vereinigung ja, und zwar so, dass wir 2028 nicht noch einmal separate Leitungspersonen und Kreissynodalvorstände wählen.

Morgen Vormittag machen Superintendentin Karpenstein und ich also einen Vorschlag für das weitere Verfahren. Wir schlagen vor, den Druck aus der Frage der Vereinigung zu nehmen, und uns zuerst und gemeinsam den dringenden Fragen zu widmen. Dahinter steht die Erkenntnis, dass sich mit einer Vereinigung allein gar nichts ändern würde: Wir hätten nicht einen Euro, nicht ein Mitglied, nicht eine Pfarrstelle mehr als vorher in zwei Kirchenkreisen. Wir hätten weniger Personen – haupt- und ehrenamtlich – für die Leitung. Dieses Ziel ließe sich erreichen. Für alles andere braucht es mehr als eine Vereinigung – und alles andere ginge auch ohne Vereinigung.

Wir schlagen also weiter vor, die dringenden Zukunftsfragen in einem Arbeitsprogramm für die beiden Kirchenkreise zu beschreiben. Da, wo es geht, sollten wir zusammenarbeiten. Für alle anderen Themen sollten wir eine enge Kooperation vereinbaren. Manches werden wir allein machen – aber dann in enger Abstimmung. Und andersherum gilt das genauso. Meine Ideen für ein solches Arbeitsprogramm stelle ich Ihnen gleich noch vor.

Mit diesen beiden Vorschlägen wird klar, dass es vor 2030 erstmal keine Vereinigung geben wird. Danach ist alles möglich, weil wir uns in den Arbeitsprogrammen wie nebenbei auch mit den Fragen nach Profil, Kommunikation und Auftrag beschäftigen werden.

Diesen neuen Ansatz habe ich mit dem Kreissynodalvorstand, der Vorsitzendenrunde und der Pfarrkonferenz besprochen, bevor ich ihn heute Abend hier vorstelle. Es gab manche kritische Nachfrage, und das erhoffe ich mir heute und vor allem morgen Vormittag auch. So neu ist das auch nicht, eher konsequent weitergedacht, was der achte Punkt unseres Richtungsbeschlusses aus dem November formuliert:

8. Für die Zwischenzeit und im Hinblick auf die Weiterentwicklung des eigenen Kirchenkreises bittet die Kreissynode die Presbyterien, den Verbandsvorstand in Dorsten und den Kreissynodalvorstand, den Weg der Konsolidierung, Aufgabenklärung und Konzeption weiterzugehen und nötige Veränderungen durchzuführen.

Das schlagen wir vor, und zwar in enger Abstimmung mit den Nachbarn. Kooperation wo immer möglich, in allem Solidarität. Eine klare Orientierung auf die Kompetenz und nicht auf die Struktur.

Ein solches Arbeitsprogramm wird viele Facetten haben. Ich erlaube mir, Ihnen einige Ideen dafür vorzustellen.

Ideen für ein Arbeitsprogramm

Pastorales Arbeiten

Damit wir auch 2040 noch gut arbeiten können, müssen wir attraktive Arbeitsplätze für unser Personal haben – insbesondere für die hauptamtlichen Kräfte. Dazu gehört eine Weiterentwicklung des interprofessionellen Arbeitens im Kirchenkreis. Auch wenn die Zahl der Pfarrstellen zurückgeht, sollten wir an dem Gedanken festhalten, dass es sich am besten im Team arbeitet. Dazu werden wir neue Teams bilden müssen. Diese Teams sollten aus meiner Sicht nicht mehr (nur) Pfarrteams sein – vor allem gemeindepädagogische Mitarbeitende sollten wir da in den Blick nehmen.

Das begonnene Programm zur Weiterentwicklung der Pfarrhäuser gehört ebenso dazu wie die klarere Profilierung der pastoralen Berufe. In der Zukunft werden wir viel mehr exemplarisch arbeiten und Ehrenamtliche begleiten als heute.

Manches davon passiert zufällig. Ich glaube, es lohnt sich hier, dieses ganze Feld strategisch anzuschauen.

Kirche in Vielfalt – Interkulturelle Entwicklung

Pfingsten markiert den Ursprung einer Kirche, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft einander verstehen und gemeinsam Glauben leben. Die Vielfalt von Sprache, Kultur und Prägung wird dabei nicht aufgehoben, sondern in der Einheit des Geistes zusammengeführt.

Wir sind Kirche in einer von Migration geprägten Gesellschaft. Für uns muss das bedeuten, interkulturelle Öffnung nicht als Zusatzaufgabe, sondern als Ausdruck unseres Auftrags zu begreifen. Wir erleben das: Kirche wird dort glaubwürdig, wo sie unterschiedliche Erfahrungen, Spiritualitäten und Perspektiven integriert. Wo Macht reflektiert wird. Wo wir Räume schaffen, in denen Menschen verschiedener kultureller Prägung gleichberechtigt ihre Gaben einbringen können. Als Teil der einen, weltweiten Kirche Jesu Christi. Vielfalt ist dabei nicht nur Realität, sondern Ausdruck der schöpferischen Vielfalt Gottes.

Ich freue mich, dass wir in den kommenden beiden Jahren ganz praktisch ausprobieren können, wie Antirassismus-Arbeit in einem Kirchenkreis funktionieren kann. Die Landeskirche finanziert uns nämlich aus der Sonderkasse für Ökumene eine halbe Stelle für zwei Jahre. Wir wollen ausprobieren, wie Rassismuskritik und Vielfaltssensibilität funktionieren in Kreissynode und Presbyterium, in Kita und Jugendarbeit und sonntags im Gottesdienst. Die neue Stelle für eine „Referent*in für Antirassismusarbeit im Kirchenkreis“ schreiben wir noch vor den Sommerferien aus.

Regiolokale Kirchenentwicklung

Im Blick auf das Jahr 2040 wird mir ganz klar, dass wir uns auch strukturell weiterentwickeln müssen. Das Modell einer regiolokalen Kirche in Gladbeck, Bottrop und Dorsten habe ich Ihnen vor zwei Jahren an dieser Stelle schonmal vorgestellt: Eine Körperschaft für unseren Kirchenkreis, und möglichst viel Verantwortung vor Ort. (So hat es Steffen Bauer beschrieben und mittlerweile mehrfach aktualisiert.) Es wird örtliche Gemeinden geben und Schwerpunkte. Viel wird ehrenamtlich sein.

Über diese Art von Zukunftsbildern hat es in diesem Frühjahr eine bemerkenswerte theologische Debatte gegeben. Zu Wort meldeten sich unter anderem Steffen Bauer (DtPfBl 5/2026), Gabriele und Peter Scherle (Zeitzeichen 5/2026), Reinhard Bingener (FAZ vom 22.04.2026) und Friederike Erichsen-Wendt (Zeitzeichen 5/2026). Diskutiert wurde, ob Ortsgemeinden weiter unbedingt Körperschaften öffentlichen Rechts sein müssen, wo in der Kirche sinnigerweise Finanzen, Personal und Liegenschaften verwaltet werden und wie genau der purpose einer Kirchengemeinde aussieht – welchem Zweck also die Strukturen dienen sollen.

Die „regiolokale Kirchenentwicklung“ geht zurück auf Hans-Hermann Pompe und Michael Herbst, die diese Bezogenheit von Kirche vor Ort und Kirche in der Region in den vergangenen beiden Jahrzehnten beschrieben und erprobt haben. Zahlreiche Impulse dazu hat mein Vorgänger Dietmar Chudaska gesetzt, zum Beispiel in Synodenberichten und Pfarrkonferenzen. Es geht eben nicht um pure Regionalisierung, auch nicht um das einfache Beharren auf den Strukturen vor Ort. Michael Herbst sagt dazu:

Lokalität bedeutet: Wir tun, was wir können, damit Christinnen und Christen sich vor Ort treffen und miteinander Gottes Wort hören und beten und gemeinsam Gottes Liebe feiern, Gemeinschaft bilden und den Mitmenschen dienen. Dazu müssen – wo und wie immer es geht – die Getauften vor Ort die Sache in die Hand nehmen. (…) Und Regionalität bedeutet: gegenseitige Entlastung ohne Entmündigung, also austarierte Entscheidungs- und Beteiligungsformen. Regionalität bedeutet: in der Fläche gemeinsam vieles anbieten können, auch die großen und attraktiven Events – Kirche als öffentliche Größe in der Region. Und Regionalität bedeutet: Assistenz für die Gemeinden vor Ort, Schulung, Begleitung, Dienstleistung und theologische Orientierung.

Ich hätte große Lust, mich der regiolokalen Kirchenentwicklung mit dem Blick auf 2040 nochmal zu nähern. Das ist, wohlgemerkt, kein Argument für oder gegen eine Vereinigung der Kirchenkreise. Die Verwaltungs- und Leitungsebene ‚Kirchenkreis‘ kommt in diesem Framework, wenn überhaupt, nur am Rande vor.

Kirchengemeindeleitungserprobungsgesetz

Es gibt erfreulicherweise schon Gesprächsfäden rund um diese Fragen, weil ich offenbar nicht der Einzige bin, der die Dringlichkeit bemerkt. Ein Pfarrer macht sich Gedanken, wie er seinen Bereich zukunftsfähig aufstellen kann, bevor er in einigen Jahren in den Ruhestand geht. Schon lange sind wir in Gesprächen über die zukünftige Struktur unserer Sozialwirtschaft, also von Kitas, Offenem Ganztag und anderen Arbeitsfeldern.

Das Kirchengemeindeleitungserprobungsgesetz (kurz: KGLEG) bietet die Möglichkeit, bei der Leitung von Kirchengemeinden eine ganze Menge auszuprobieren. Wenn man zum Beispiel die Fragen von Finanzen, Personal und Immobilien einem kleinen Ausschuss überträgt, dann wäre in der größeren Runde mehr Zeit für die strategischen Fragen und den theologischen Austausch über unsere Rolle und unseren Auftrag. Auch eine gemeinsame Leitungsstruktur für zwei oder mehr Gemeinden wäre mit diesem Gesetz möglich.

Mit der Kirchenwahl im Frühjahr 2028 bietet sich eine gute Möglichkeit, in die Anwendung zu kommen. Im Bottroper Presbyterium habe ich das Gesetz und seine Möglichkeiten bereits vorgestellt, und im Herbst lade ich mich auch in die anderen Gemeinden damit noch einmal ein.

Ehrenamt

Wenn Michael Herbst sagt: „Die Getauften vor Ort nehmen die Sache in die Hand“, dann meint er damit sicher die ehrenamtliche Verantwortung für das Leben der Gemeinde vor Ort. Da hängt bei uns noch zu viel an den Schlüsselpersonen – den Pfarrerinnen und Pfarrern. Mit dem Blick auf 2040 sollten wir noch mehr Menschen befähigen, ehrenamtlich selbst Verantwortung zu übernehmen: für Predigt, Gottesdienst, Seelsorge und Bildung.

Ein Schritt auf diesem Weg ist die Projektstelle zur Begleitung von Menschen in Einrichtungen, die wir vor einem Jahr bei der Sommersynode beschlossen haben. Da geht es darum, geistliches Leben an vielen Orten mit Hilfe von gut ausgebildetem und begleitetem Ehrenamt sicherzustellen. Mittlerweile haben wir die Stelle besetzen können. Diakonin Claudia Mühlhan beginnt im August und wird sich dann nach den Sommerferien im Kirchenkreis vorstellen. Sie ist ausgebildete Seelsorgerin, arbeitet im Moment als Schulseelsorgerin und Schulsozialarbeiterin in Dortmund und freut sich auf ihre Aufgabe bei uns.

Leider sind wir mit dem Förderantrag bei der Landeskirche auch in der zweiten Runde nicht erfolgreich gewesen. Erklären kann ich mir das nicht – offenbar wird eine andere Art von Innovation im Moment eher gewünscht und gefördert. Das Vergabeverfahren lässt auch im zweiten Jahr an Transparenz zu wünschen übrig. Ich werde das weiter beobachten.

Die ehrenamtlichen Seelsorgenden aus der ROSE sind nach wie vor fleißig unterwegs. Die lange Vakanzzeit in der Leitung und Begleitung hat sie viel Kraft gekostet – und ich habe meine eigenen Möglichkeiten, die Ehrenamtlichen gut zu begleiten, überschätzt. Wir sind (wieder) im Austausch, und die Freude ist groß, dass mit Diakonin Mühlhan demnächst wieder eine hauptamtliche Ansprechpartnerin, wenn auch keine Leitung, da sein wird.

Vom Suchen und Finden (mitten unter euch)

Soweit einige Ideen für ein Arbeitsprogramm. Das ist mein Vorschlag für heute Abend, und auch der gemeinsame für morgen Vormittag: Lasst uns doch die Aufgaben für ein solches Arbeitsprogramm sammeln und in eine Form bringen und mit einer konkreten Zeitleiste versehen. Dieses Arbeitsprogramm könnten wir im November beschließen und dann daran arbeiten: gemeinsam, wo es geht, und gut abgestimmt, wo jeder Kirchenkreis einen eigenen Weg geht. Kooperativ und solidarisch.

Am Anfang hatte ich Ihnen von den Schwierigkeiten bei der Parkplatzsuche in Bottrop berichtet und den Parksuchverkehr als Bild auch für uns als Kirche ausgelegt: Wie lange fährst du rum, kurvst du durch die Stadt, auf der Suche nach einem guten und sicheren Ort zum Bleiben? Dann findest du einen, aber der passt nicht so richtig, zu kurz oder zu schmal. Oder mit Parkschein, aber du hast keine Münzen dabei.

Vielleicht erkennen Sie auch unsere Kirche darin wieder: Wie sieht es mit unserem Parksuchverkehr aus – wie viel Zeit und Mühe investieren wir, um eine gute und sichere Form für die Zukunft zu finden? Nicht zu kurz oder zu schmal, sondern passend für uns – und so, dass wir sie auch bezahlen können.

Die Bibel (Lukas 17,20-21) erzählt von den Suchbewegungen der Menschen, von der Suche nach einem sicheren Platz bei Gott. Wann kommt das Königreich des Himmels? Und wie werden wir das merken? Und wo wird es sein?

Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußeren Zeichen; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier!, oder: Da! Denn sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Alles, was wir suchen, haben wir schon. Es ist schon da, mitten unter uns, mittendrin in unserer Gemeinschaft. Das macht mich mutig. Wir können die Zukunft mutig gestalten, weil wir alles, was wichtig ist, schon haben. Also, hohe und liebe Kreissynode:

Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.

Vielen Dank fürs Zuhören!

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