22/01/2026 0 Kommentare
Der Kartenstapel
Der Kartenstapel
# Predigten Superintendent

Der Kartenstapel
Beim Aufräumen fällt er mir in die Hände. Der Stapel mit den Weihnachtskarten. Als Pfarrer kriege ich eine ganze Menge davon: Menschen, denen ich im letzten Jahr begegnet bin, schicken einen Gruß. Freunde aus alten Tagen schreiben, wie es ihnen und ihren Familien im alten Jahr ergangen ist. Kolleginnen und Kollegen schicken kluge Gedanken zu Weihnachten, die Bürgermeisterin schreibt, und - darüber freue ich mich besonders -, die örtliche Moscheegemeinde. Sie teilen mit uns Christinnen und Christen nicht den Glauben, aber die die Freude an den Feiertagen und die Sehnsucht nach Frieden auf Erden.
Eine diakonische Einrichtung schickt eine kleine Tüte mit Rotkohlgewürz, ja, sie hören richtig: Rotkohlgewürz. Und sie weisen darauf hin: Wenn man einen Rotkohl von oben nach unten aufschneidet, sieht der Strunk in der Mitte aus, wie ein Engel. Das ist mir nie aufgefallen, vielleicht, weil ich den Rotkohl immer im Glas kaufe.
Eine etwas größere Karte fällt mir in die Hände. Sie ist dunkelblau, vorne drauf ein kleiner Stern und in kleiner Schrift das Wort „Frieden“. Innendrin steht nichts, außer dem Wunsch für ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes neues Jahr. Ich weiß noch, als ich sie im Advent bekam. Ich war zuerst enttäuscht. So einfach – ein bisschen mehr hätte ich schon erwartet. Doch heute, hier im Kartenstapel, macht die einfache Karte plötzlich Sinn.
Frieden. Er ist schon da, unfertig und unvorstellbar, doch nichts fehlt. Natürlich ist Frieden möglich. Wir Christinnen und Christen erinnern jedes Mal an Weihnachten daran: Der Stern über der Krippe, der zeigt den Weg zum Friedenskönig. Die Reise ist weit und beschwerlich. Damals wie heute. Die blaue Karte mit dem Stern und dem Wort „Frieden“ stelle ich mir auf den Schreibtisch. Da darf sie noch ein paar Wochen stehen bleiben und mich an Weihnachten erinnern.
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