12/07/2026 0 Kommentare
Entpflichtung von Pfr.in Jutta Wilke
Entpflichtung von Pfr.in Jutta Wilke
# Predigten Superintendent

Entpflichtung von Pfr.in Jutta Wilke
Entpflichtungsansprache für Jutta Wilke
Johanneskirche Recklinghausen, 12. Juli 2026
Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Liebe Jutta, liebe Gemeinde!
Einen meiner liebsten Bibelverse (Ps 36,6) hast du ausgesucht, für deine Entpflichtung an so einem schönen Sommerabend, an dem der Himmel weit ist und die Wolken weit gehen. So groß sind Gottes Güte und Wahrheit!
Zum 1. August trittst du in den Ruhestand. Das Schuljahr geht am kommenden Freitag zu Ende, die letzten Stunden Religionsunterricht sind dann gehalten, die letzten Zeugniskonferenzen gewesen, der Schlüssel für das Gladbecker Berufskolleg nach runden 20 Jahren abgegeben. Für viele beginnen die Sommerferien, für manche endet die Schulzeit – für dich beginnt mit dem Ruhestand eine ganz neue Lebensphase.
Wir danken Gott für deinen Dienst, für den Einsatz deiner Gaben und Kräfte, für deine Treue und Liebe. Du hast das Evangelium von Jesus Christus gepredigt und in vielfältiger Weise Gottes Güte und Wahrheit bezeugt.
Im Dezember 2008 wurdest du in die Pfarrstelle am Berufskolleg eingeführt – vorher warst du schon im Rahmen einer Abordnung aus dem Kirchenkreis Recklinghausen dort. Dein Superintendent hatte dich überzeugt, es in der Schule zu versuchen. Zunächst im Entsendungsdienst, und dann ab 2008 also in der 1. Kreispfarrstelle unseres Kirchenkreises. Religionsunterricht am Berufskolleg ist ein besonderes Feld, und in deinen 20 Jahren dort hast du die Veränderungen in unserer Gesellschaft miterlebt. Die Betriebe haben immer weniger Verständnis für das Fach, und die Schülerinnen und Schüler haben immer mehr Fragen: Was ist richtig im Leben? Was ist ein gutes Leben? Wie kann ich meine Religion heute verantwortlich leben? Du warst keine Lehrerin mit einfachen Antworten. Du hast gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern das Fach erkundet, dich gemeinsam mit ihnen auf die Suche nach Antworten auf Lebensfragen gemacht. Meistens im Unterricht, manchmal auch als Seelsorgerin an der Schule.
Der praktische Theologie Kristian Fechtner begreift das evangelische Pfarramt in erster Linie als „Religion als Beruf“. In der großen Gemeinde der Getauften haben wir Pfarrerinnen und Pfarrer Religion als Beruf. Für eine Pfarrerin an der Schule, die als einziges Fach eben genau Religion hat, trifft das nochmal besonders zu. Für dich hat das immer auch bedeutet, professionell zu sein. Klar über die Doppelrolle als Pfarrerin und Lehrerin, klar über die Systeme Schule und Kirche. Klar auch in deinem Auftrag als Bezirksbeauftragte, den du ab 2014 für den Kirchenkreis wahrgenommen hast und den du seit 2022 für beide Kirchenkreise – Recklinghausen und Gladbeck-Bottrop-Dorsten – wahrnimmst. Klar im Kontakt mit Superintendentur, Landeskirchenamt und Bezirksregierung.
Leicht war das nicht immer. Die Anfragen an den Religionsunterricht kommen nicht nur von Betrieben und einzelnen Schülerinnen und Schülern. Es gibt sie auch in den Kollegien und auch in mancher Schulleitung. Deine Klarheit und deine Geduld haben dir dabei geholfen. (Und mir und meinen Vorgängern übrigens auch so manches Mal.)
Religion als Beruf, das heißt auch: lebenslang lernen. Du bist drangeblieben mit Fortbildungen und einem Kontaktstudium in Wien. Lehren heißt eben immer auch: lernen.
Damit wirst du nicht fertig, auch im Ruhestand nicht. Der Himmel über dir ist weit, die Wolken gehen in die Ferne.
Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Liebe Jutta, wo Gott ist, da ist Freiheit. Du wirst Zeit finden für das, was dir wichtig ist. Religion ist jetzt bald nicht mehr dein Beruf – und der Glaube und das Vertrauen in Gott bleibt. Also, liebe Jutta:
Vertrau den neuen Wegen,
auf die dich Gott gesandt!
Er selbst kommt dir entgegen.
Die Zukunft ist sein Land.
Wer aufbricht, der kann hoffen
in Zeit und Ewigkeit.
Die Tore stehen offen.
Das Land ist hell und weit. (eg 395,3)
Amen.
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