Am Anfang war das Wort

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Am Anfang war das Wort

Gladbeck. Mit einem Abendmahlsgottesdienst in der Christuskirche hat die evangelische Gemeinde in Gladbeck am 31. Oktober an den Beginn der Reformation vor 509 Jahren erinnert. Die Predigt hielt Steffen Riesenberg, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten. Im Mittelpunkt stand der Ruf Jesu an seine Jünger: „Fürchtet euch nicht.“

Riesenberg begann mit einer nüchternen Bestandsaufnahme. Vom ersten Atemzug an lernten Menschen, dass die Welt gefährlich sei. Angst sei „ein entscheidendes Argument in der Wirtschaft und, wie die Wahlen in diesem Jahr gezeigt haben, immer mehr auch in der Politik“. Manche Politikerinnen und Politiker machten sich die Angst vor dem Fremden, vor der Zukunft und vor Veränderung zu eigen. Hinzu kämen die persönlichen Sorgen, die viele mit in den Gottesdienst brächten. Dazu zählten Krankheit, der Verlust eines geliebten Menschen oder der Verlust des Arbeitsplatzes.

Auch die Kirche selbst nahm der Superintendent nicht aus. „Ich bin 1997 konfirmiert worden und seitdem ist die evangelische Kirche im Krisenmodus“, sagte er. Es gebe weniger Gottesdienstbesucher, mehr Austritte, weniger Taufen und weniger Theologiestudierende. „Eine Kirche, die immer den Mangel bearbeitet: an Mitgliedern, an Geld, an Bedeutung.“ Da könne einem leicht angst und bange werden.

Dem stellte Riesenberg die biblische Botschaft entgegen. Wer wie die Jünger ohne Angst von Gottes nahem Reich erzähle, gerate unweigerlich in Konflikt mit den Mächten der Welt. So sei es schon den ersten Christen im Römischen Reich ergangen. Die Kirche des Mittelalters dagegen habe mit der Angst der Menschen vor dem Fegefeuer „den großen Reibach gemacht“. Für Martin Luther sei schließlich der Tag gekommen, an dem er keine Angst mehr hatte. „Die Wahrheit ist ein scharfes Schwert, das die Mächtigen das Fürchten lehrt.“

Gewalt und Hass seien bedrohliche Kräfte, sagte der Prediger, doch sie hätten nicht das letzte Wort über das menschliche Leben. „Das letzte Wort hat Gott, der jeden Spatzen liebt und unsere Haare besser kennt als wir selbst.“ Die Reformation habe mit der Entdeckung eines Schatzes begonnen: der Gewissheit, von Gott geliebt zu sein, wie man ist. Riesenberg zitierte dazu Luthers 62. These: „Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes.“

Diesen Schatz solle die Kirche mit neuer Freude und Leidenschaft ins Licht tragen, „nicht als eine Kirche in der Krise, sondern als eine Kirche, die auf Gottes Wort gegründet ist. Am Anfang war das Wort, nicht die Kirchensteuer.“

Deutlich warb der Superintendent für das ökumenische Miteinander. Evangelische und katholische Christen hätten sich in 500 Jahren noch nie so gut verstanden wie heute. Evangelisches Profil lasse sich nicht mehr über Abgrenzung bestimmen: „Katholisch ist nicht das Gegenteil von Evangelisch!“ Beide Begriffe beschrieben vielmehr Merkmale jeder christlichen Kirche: gegründet auf der frohen Botschaft und offen für alle Menschen. Die Reformation sei zu Beginn weder ein politischer Umsturz noch der Anfang einer Kirchenspaltung gewesen. „Luther war Seelsorger, er wollte Menschen trösten, die Angst vor Gott hatten.“

Die Liturgie gestaltete Pfarrer Martin Schäfer, die Lesung übernahm Klaus-Dieter Salinga, für die Musik sorgte Friederike Spangenberg. Die Gemeinde sang Lieder aus der Reformationszeit, darunter Luthers „Ein feste Burg ist unser Gott“ und „Verleih uns Frieden gnädiglich“. Im Anschluss an die Predigt feierte sie gemeinsam das Abendmahl. Die Kollekte war für das Gustav-Adolf-Werk bestimmt, das evangelische Minderheitskirchen in aller Welt unterstützt.

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