Im Winter mit dem Sommer heizen

Das integrierte Klimaschutzkonzept des ev. Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten liegt nun vor. Es sorgt dafür, dass die Treibhausgas-Emissionen aller Kirchengebäude in drei Jahren um rund ein Drittel gesenkt werden.

Der Evangelische Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten prüft derzeit, ob sich sommerliche Wärme über Monate speichern und im Winter zum Heizen nutzen lässt. Ein solcher Jahreszeitenspeicher gehört zu den ungewöhnlichsten Vorschlägen des nun vorliegenden integrierten Klimaschutzkonzepts. Das neue Konzept beschreibt konkrete Maßnahmen für rund 90 Gebäude mit etwa 100 Nutzungseinheiten.

 

Überschüssige Energie aus Photovoltaik oder Solarthermie kann im Sommer Wärme erzeugen, die beispielsweise im Erdreich oder in einem mit Salz, Sand oder einem anderen Speichermedium gefüllten Behälter für Monate gespeichert wird. Im Winter würde eine Wärmepumpe auf diese Energiequelle zugreifen und dadurch effizienter arbeiten. Als möglicher Standort ist die Martin-Luther-Kirche in Dorsten-Holsterhausen im Gespräch. Eine Entscheidung ist damit noch nicht verbunden. Und: Diese Technik existiert bereits und wird auch im größeren Maßstab erfolgreich genutzt. „Wir prüfen nun, ob wir dieses System im Kirchenkreis als Pilotprojekt umsetzen können“, sagt Klimaschutzmanager Philipp Swiderski. „Kirche kann damit auch Vorhaben anstoßen, die echten Leuchtturmcharakter besitzen.“

 

Der Jahreszeitenspeicher ist ein perspektivischer Vorschlag innerhalb des umfassenden Maßnahmenpakets. In den ersten drei Jahren sollen Projekte im Umfang von rund 3,6 Millionen Euro umgesetzt werden. Etwa 600.000 bis 700.000 Euro könnten über Förderprogramme finanziert werden. Werden alle vorgesehenen Maßnahmen realisiert, könnten die derzeitigen Treibhausgasemissionen von 1.953 Tonnen CO₂ pro Jahr um etwa ein Drittel sinken.

 

Zwei Jahre lang hat Swiderski den Bestand aus Kirchen, Gemeinde- und Verwaltungsgebäuden, Kitas, Pfarrhäusern und Wohnobjekten untersucht. Er erfasste Baujahr, Flächen, Energieverbrauch, Heizsysteme und Nutzungsperspektiven. Auch die Arbeitswege von mehr als 1.000 Beschäftigten flossen in die Bilanz ein. „Wir wollten nicht einzelne Maßnahmen nebeneinanderstellen, sondern einen umfassenden Fahrplan entwickeln“, erklärt der Klimaschutzmanager.

 

Das Konzept sieht ganz konkrete Sanierungs-Möglichkeiten für jedes einzelne Gebäude vor. Dazu gehören Photovoltaikanlagen, neue Fenster, Fassaden- und Dachdämmungen, Dachbegrünungen sowie der Wechsel von Gas-, Öl- oder Elektroheizungen auf Wärmepumpen. Ergänzt wird das Programm durch Fahrradabstellanlagen, Ladepunkte, Jobticket-Angebote sowie Klima- und Umweltbildung. Und nicht zuletzt, der bereits genannte Jahreszeitenspeicher.

 

Und: Erste Projekte laufen bereits. Das Gemeindehaus in Bottrop-Eigen erhält derzeit eine Fassadendämmung. Die Martin-Luther-Kirche in Dorsten-Holsterhausen bekommt neue Fenster. Das Martinszentrum in Bottrop und das Verwaltungsgebäude an der Gladbecker Mittelstraße dürfen sich  in Kürze über begrünte Dächer freuen. Eine Maßnahme, durch die bis zu 5 Prozent Heizenergie eingespart werden.

 

Das Klimaschutzkonzept liegt in zwei Fassungen vor. Neben der ausführlichen 192-seitigen Technik-Dokumentation gibt es eine kompakte Broschüre mit 24 Seiten, die breit ausgelegt und verteilt wird. Beide Fassungen können beim Kirchenkreis bestellt werden. Die Kurzfassung soll insbesondere Gemeindemitgliedern und interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen verständlichen Überblick über Ziele, Maßnahmen und geplante Investitionen geben.

 

Text: Michael Bokelmann

Thermographieaufnahme von der Christuskirche

Klimaschutzmanager Philipp Swiderski zeigt eine Thermographieaufnahme der Christuskirche

Förderung

Dieses Projekt erhält eine Förderung:

Nationale Klimaschutzinitiative

Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative initiiert und fördert die Bundesregierung seit 2008 zahlreiche Projekte, die einen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten. Ihre Programme und Projekte decken ein breites Spektrum an Klimaschutzaktivitäten ab: Von der Entwicklung langfristiger Strategien bis hin zu konkreten Hilfestellungen und investiven Fördermaßnahmen. Diese Vielfalt ist Garant für gute Ideen. Die Nationale Klimaschutzinitiative trägt zu einer Verankerung des Klimaschutzes vor Ort bei. Von ihr profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Unternehmen, Kommunen oder Bildungseinrichtungen.

 

Förderkennzeichen: 67K23711-1